Tempo 30 bis 2013 flächendeckend

In ganz Wien sollen bis Ende 2013 Straßen in Wohngebieten zu Tempo-30-Zonen umgewandelt werden. Die Pläne für den Endausbau liegen jetzt vor. FPÖ und ÖVP sprachen sich gegen die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in Wien aus.

Die Stadt spricht von einem „Lückenschluss“. Aus dem Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) wird betont, dass Tempo 30 nicht auf Durchzugsstraßen geplant sei. Es gehe ausschließlich um Wohngebiete. Zudem würden bereits jetzt rund 80 Prozent der in Frage kommenden Straßen innerhalb von Tempo-30-Zonen liegen.

Tempo-30-Zonen in Wien

Wien-Karte mit geplanten und vorhandenen Tempo-30-Zonen.
Stadt Wien/MA46

Dunklegrüne Fläche sollen 2012 realisiert werden, blaue 2013. Rote Zonen sind verordnet, aber noch nicht realisiert.

Stadt soll größten Teil der Kosten übernehmen

Die Gratiszeitung „Heute“ zitierte „interne Pläne der MA46“ (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten), aus denen hervorgeht, dass es zwei Ausbaustufen geben soll: Im kommenden Jahr sollen etwa in der Leopoldstadt die gesamten Grätzel um den Karmeliter- sowie Volkertmarkt zur 30er-Zone werden.

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In Floridsdorf sollen die Straßenzüge zwischen und rund um die Prager und Brünner Straße umgewandelt werden. Die 30er-Zonen in Donaustadt und Döbling sollen erst 2013 eingerichtet werden. Die Kosten sollen angeblich eine Million Euro ausmachen, die Stadt den größten Anteil davon übernehmen.

Im Koalitionsabkommen festgelegt

Hintergrund ist das Koalitionsabkommen zwischen SPÖ und Grünen. Darin wurde vereinbart, in Wohngebieten Tempo-30-Zonen auszuweiten. Dafür wurde eine Studie in Auftrag gegeben, um geeignete Straßenzüge zu ermitteln. Nun liegt das Ergebnis dieser kartographischen Erhebung vor. Das sei den Bezirken auch bereits übermittelt worden, hieß es dazu aus dem Büro Vassilakou.

In einer Aussendung betonte der Verkehrssprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch, dass die Tempo-30-Regelung ohnehin bereits in einem Großteil der Wohngebiete Wiens umgesetzt sei. Jetzt sollten die restlichen Wohnstraßen folgen. „Wir wollen damit eine Verbesserung der Lebensqualität durch weniger Lärm und Abgase und gleichzeitig eine Erhöhung der Verkehrssicherheit erreichen“, so Maresch. Jeder Verletzte oder Tote im Straßenverkehr sei einer zu viel. Die Stadt Wien werde einen Großteil der Kosten von einer Million Euro übernehmen. „Wir rechnen damit, dass die BezirksvorsteherInnen dieses Angebot annehmen“, so Maresch.

FPÖ und ÖVP gegen flächendeckende 30er-Zone

Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten, Spitälern, Seniorenheimen und an gefährlichen Stellen in Siedlungsgebieten sei in Ordnung, sagte FPÖ-Verkehrssprecher Toni Mahdalik. Flächendeckend sei dies aber ein „gefährlicher Irrweg“. Der Verkehr werde noch zähflüssiger, der Schadstoffausstoß steige. Autos und Motorräder würden bei Tempo 50 benzinsparender und umweltfreundlicher fahren. Wichtiger wäre es, Schulwege besser zu sichern und die Sicherheit für Fußgänger generell zu erhöhen. Hier sei Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen „sträflich säumig“, so Mahdalik.

Auch die ÖVP lehnt die flächendeckende Einführung von Tempo 30 „nur um des 30er willen“ ab. Der Bedarf für solche Zonen sei unbestritten, die ÖVP wehre sich aber dezidiert gegen die Methode, diese generell und flächendeckend einzuführen, so Landesgeschäftsführer Alfred Hoch. Es werde einmal mehr versucht, „getrieben durch eine ideologische Scheuklappenpolitik, von oben herab Dinge zu verordnen, die an der Lebensrealität der Menschen vorbeigehe“.

Auch ÖAMTC lehnt Ausdehnung ab

Nicht nur die Opposition, auch der ÖAMTC ist gegen eine weitere Ausdehnung: „Flächendeckende 30er-Zonen haben den Nachteil, dass Stellen, bei denen besondere Gefahrensituationen wahrscheinlicher sind, nicht klar hervorstechen“, hieß es.

„Je mehr eine 30er-Zone von Verkehrsteilnehmern als nicht notwendig empfunden wird, desto häufiger wird die Bestimmung auch übertreten“, zeigte man sich beim ÖAMTC überzeugt: „In der Folge ist zu befürchten, dass gerade an solchen Stellen vermehrt gemessen und abkassiert wird - so wie dies schon in den bisherigen 30-er Zonen der Fall ist.“

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