25 Jahre Gruft: Mehr Obdachlose

Wiens bekanntester Unterschlupf für Obdachlose, die Gruft in Mariahilf, feiert sein 25-jähriges Bestehen. Zur Aktion Gruft-Winterpaket hat die Caritas auf die deutlich steigende Zahl an Obdachlosen hingewiesen.

Allein im Vorjahr sind 3.000 neue Wohnungslose in die Gruft gekommen - so viele wie noch nie. Heuer dürften es noch mehr werden. Ein Drittel der Menschen ist unter 30 Jahre alt. Jede Nacht schlafen rund 70 Menschen in der Gruft, im Raum unter der Barnabitenkirche - im Vorjahr gab es knapp 23.000 Nächtigungen.

Noch viel mehr stellen sich für eine warme Mahlzeit an - heuer werden wohl insgesamt rund 90.000 Mahlzeiten ausgegeben, im Vorjahr waren es 87.000. Vor zehn Jahren waren es noch 30.000 weniger. „Viele, die hierher kommen, haben noch eine Wohnung, können sich aber die Wohnung nicht leisten“, sagte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau.

Caritas-Direktor Michael Landau bei Aktion "Gruft Winterpaket - 25 Jahre Gruft"
APA/Georg Hochmuth
Caritas-Direktor Michael Landau

Fairness und Gerechtigkeit gefordert

„Der Druck auf die Menschen am Rande der Gesellschaft nimmt zu“, stellte Landau fest. Er forderte die Politik auf, „bei den notwendigen Sparmaßnahmen die sozial Schwächsten besonders im Auge zu behalten“. Es brauche Fairness und Gerechtigkeit, damit aus der Wirtschaftskrise nicht eine soziale Krise resultiere: „Hier warne ich vor sozialen Unruhen auch in Österreich.“

Obdachlosigkeit könne jeden treffen, mahnte er: „Wir sehen, dass es oft sehr rasch gehen kann, dass Menschen den Boden unter den Füßen verlieren.“ Auslöser für eine Spirale abwärts könnten der Verlust der Arbeit, eine Erkrankung oder auch das Zerbrechen einer Beziehung sein.

Durch den Anstieg der Hilfesuchenden steigt auch der Bedarf an finanziellen Mitteln. „Schon kleine Spenden machen einen großen Unterschied“, sagte Landau. Diesen Winter haben Österreicher die Möglichkeit, mit einem Gruft-Winterpaket um 50 Euro zu helfen. Damit werden ein schneefester Schlafsack und warmes Essen für einen Menschen auf der Straße finanziert.

EU-Bürger sollen nicht abgewiesen werden

Hunderte Menschen werden auch in diesem Winter draußen schlafen, schätzt Landau: „Es fällt wahrscheinlich jedem von uns schwer, ruhig zu bleiben, wenn wir wissen, dass Menschen heute Nacht in den Vorräumen öffentlicher Toilettenanlagen übernachten oder unter Brücken - Menschen, die den Weg in die Gruft nicht finden.“

Landau wies auch auf das Problem der Nicht-EU-Bürger unter den Obdachlosen hin. Auch diese sollen nicht abgewiesen werden. Ein warmer Schlafplatz darf nicht von der Herkunft oder dem Pass abhängen, so Landau. Laut Gesetz hätten Nicht-EU-Bürger - so wie in allen anderen Obdachloseneinrichtungen der Stadt - kein Recht auf einen Schlafplatz. Es gibt jedoch eine „zweite Gruft“ im Bezirk Neubau, die speziell für diese gedacht ist und an welche auch auch gezielt verwiesen werde.

Obdachloser in der Gruft
APA/Georg Hochmuth

Breites Spektrum an Hilfe in der Gruft

Im Advent 1986 hatte der Pfarrer der Barnabitenkirche, Pater Albert Gabriel, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Amerling-Gymnasiums eine Wärmestube unterhalb der Kirche eingerichtet. Es gab Tee und Schmalzbrote. Die Gruft stand zwei Stunden täglich für hilfesuchende Menschen offen.

Mittlerweile kann man in der Gruft Wäsche waschen, Sozialarbeiter zu Gesprächen treffen und Kleider ausfassen. Schon längst, genauer gesagt seit Oktober 1994, ist die Gruft mit Unterstützung der Stadt Wien rund um die Uhr geöffnet. Zusätzlich besuchen Streetworker dreimal pro Woche Obdachlose, die in Parks, WC-Anlagen und an anderen Orten Unterschlupf gefunden haben.

Im Juli 1996 übernahm die Caritas der Erzdiözese Wien die Trägerschaft der Gruft. Heute, nach 25 Jahren, präsentiert sich die Gruft als eine Betreuungseinrichtung für obdachlose Frauen und Männer, die von den Grundbedürfnissen bis hin zur Beratung ein breites Spektrum an Hilfestellungen abdeckt.

Obdachlose in der Caritas-Einrichtung Gruft
APA/Georg Hochmuth

Zubau soll mehr Platz schaffen

Hilfestellungen, die offenbar sehr gefragt sind - denn die Gruft platzt aus allen Nähten. In dem einen Kellerraum wird gegessen, gekocht und auch geschlafen. Die Hälfte des jährlichen Budgets für die Gruft schießt die Stadt Wien zu. Der Rest muss über Spenden aufgetrieben werden.

Um die Platznot zu lindern, soll ein Zubau im Pfarrhof errichtet werden. Dort könnte ein Tageszentrum Platz finden. Anrainer protestierten dagegen, sie fürchten, dass Bäume gefällt werden müssen. Die Caritas hat die Baupläne deshalb jetzt geändert und gibt sich zuversichtlich - mehr dazu in wien.ORF.at.

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