„Intelligente Stromzähler“ vorerst Preistreiber

In Wien werden heuer im Rahmen eines Pilotversuchs die ersten Haushalte mit „intelligenten Stromzählern“ („Smart Meter“) ausgestattet. Dabei handelt es sich um ein Riesenprojekt, das für die Kunden zunächst Mehrkosten bei den Tarifen bringen könnte.

Die neuen Stromzähler sollen viertelstündlich Daten übermitteln. Dabei kommt es zu 180 Millionen Datensätze pro Tag, derzeit seien es 1,5 Millionen Datensätze pro Jahr, so Reinhard Brehmer, Geschäftsführer der Wien Energie Stromnetz GmbH, über die Dimension der Umstellung. Es handle sich bei der Smart-Meter-Einführung um das größte Gesamtprojekt, „das wir je hatten“.

Die Umstellung auf die „intelligenten Stromzähler“ hat laut Brehmer Energieeffizienz als Ziel. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und dezentrale Erzeugung stelle auch die Stromnetze vor enorme Herausforderungen, für „intelligente Netze“ seien Messungen über „Smart Meter“ nötig. „Wenn ich ja zu Windkraft und Photovoltaik sage, muss ich auch ja zu Smart Meter sagen.“

Mittelfristig wieder Einsparungen notwendig

Für die Kunden könnte es bei den Netztarifen zunächst zu Mehrkosten kommen, mittelfristig bis längerfristig seien auf der Netz-Seite Einsparungen von 15 bis 20 Prozent möglich, die dann über Netztarifsenkungen wieder beim Kunden landeten.

Flächendeckende Einführung ab 2016

Nach EU-Vorgaben muss die Ausstattung mit „Smart Meter“ jedenfalls zu 80 Prozent bis zum Jahr 2020 erfolgen. Der Startschuss der flächendeckenden Einführung könnte in Österreich 2016 erfolgen. Die Investitionskosten für die Wien Energie Stromnetz GmbH dürften bei deutlich mehr als 300 Mio. Euro liegen. Derzeit investiert die Wien Energie Stromnetz rund 160 Mio. Euro pro Jahr.

Die Einführung müsse gut vorbereitet sein, es dauere noch rund ein Jahr bis die Rahmenbedingungen, wie etwa EU-Standards für Zähler, abgeklärt seien. Eine Abdeckung zu 95 Prozent sei bis 2020 machbar. Der vom Wirtschaftsministerium vorgesehene Zeitplan - österreichweit 95 Prozent Abdeckung bis 2018 und 15 Prozent bis 2014 - sei zu kurz für viele Energieversorger. In Österreich gebe es mehr als fünfeinhalb Millionen Stromzähler, allein in Wien seien es 1,5 Millionen.

In Österreich gibt es bereits jetzt einige Energieversorger, wie etwa die Linz AG oder die Energie AG Oberösterreich, die Smart Meter über Pilotversuche hinaus einführen. Letzten Schätzungen der Regulierungsbehörde E-Control zufolge dürften bundesweit rund 150.000 Smart Meter installiert sein.

Mehrere Anbieter durch EU-weite Ausschreibung

In Österreich seien derzeit zwei Modelle zugelassen, diese seien aber nicht interoperabel, so Brehmer. Wichtig seien - auch in Hinblick auf die Kosten - Wahlmöglichkeiten zwischen mehreren Anbietern. Die Wien Energie plane eine EU-weite Ausschreibung, dafür seien neben den Standards für die Zähler auch standardisierte Kommunikationsschnittstellen nötig. Die entsprechenden EU-Standardisierungen erwartet Brehmer noch für heuer. Man wolle nicht Zähler einführen, die nach drei Jahren wieder getauscht werden müssen.

Zum Thema Datenschutz wies Bremer darauf hin, dass die Daten beim Netzbetreiber sehr rasch anonymisiert werden. Missbrauch mit sensiblen Daten sei zudem wohl leichter über Handys oder W-LAN-Verbindungen möglich. Auch hier seien Standardisierungen wichtig.

Arbeiterkammer sieht sich bestätigt

Die Arbeiterkammer sieht sich nun bestätigt und forderte einmal mehr, dass die neuen Stromzähler nicht überstürzt eingeführt werden dürftem. Es müsse flankierende Schutzmaßnahmen für die Konsumenten erlassen werden.

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