Erste Wiener „Bike City“ mit 140 Haushalten

In Wien-Liesing entsteht die erste „Bike City“. Für die Bewohner der 140 Haushalte wird es keinen fixen Auto-Garagenplatz geben, dafür finanziert der Bauträger ein Carsharing-Modell, E-Bikes und eine Jahreskarte für die Wiener Linien.

„Menschen, die in einer solchen Siedlung leben, ändern signifikant ihr Verkehrsverhalten“, zeigte sich Gemeinderat Christoph Chorherr (Grüne) am Mittwoch in einer Pressekonferenz überzeugt. Diese These soll durch eine wissenschaftliche Untersuchung untermauert werden.

Ziel sei es, nicht nur den Autoanteil an den zurückgelegten Wegen, sondern auch den Pkw-Besitz einzudämmen. Die Stadt müsse für die „Bike City“ in der Perfektastraße in Liesing kein zusätzliches Geld in die Hand nehmen, versicherte Chorherr. Stattdessen helfe man den Bauträgern beim Sparen, diese müssten allerdings gewisse „Goodies“ garantieren.

Garagenplatz nicht für jede Wohnung

In der projektierten Anlage wird es nicht für jede Wohneinheit einen Garagenplatz geben, wie es grundsätzlich im Landesgesetz vorgesehen. Stattdessen ist in der Widmung, die am Freitag im Gemeinderat beschlossen wird, eine Stellplatzverpflichtung von eins zu 0,7 festgeschrieben. Es sei nämlich unter bestimmten Bedingungen rechtlich möglich, vom Eins-zu-eins-Verhältnis abzurücken, erklärte Chorherr.

Derzeit werden mit dem SPÖ-geführten Wohnbauressort Verhandlungen geführt, um eine Schlüsseländerung künftig auch nachträglich in bereits bestehende Widmungen implementieren zu können.

Die Verringerung der Plätze bedeute jedenfalls viel weniger Kosten für den Bauträger. „Ein Stellplatz kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro“, die Garagen seien aber durchwegs wenig ausgelastet. Diese Ersparnis soll der Bauträger - in diesem Fall also das Österreichische Siedlungswerk - in Angebote stecken, die zur verstärkten Nutzung von Rädern und Öffis einladen. Miet- bzw. Wohnungspreise sollen dadurch aber nicht steigen.

Angebote von Carsharing bis E-Bikes

Im konkreten Fall wird jedem Anlagenbewohner in Liesing bei Erstbezug eine Jahreskarte der Wiener Linien spendiert. Außerdem wird Carsharing zu möglichst billigen Konditionen angeboten, geplant sind vorerst fünf Autos. Die Kooperation bzw. Umsetzung wickelt ebenfalls der Bauträger ab. Um Engpässe etwa am Wochenende zu verhindern, müsse man sich eben kluge „Back-up-Systeme“ überlegen, so Chorherr. Zehn E-Bikes, die man ausleihen kann, sind ein weiteres Zuckerl.

Man sei bereits mit mehreren Partnern im Gespräch, um weitere Bike Citys umzusetzen, versicherte der grüne Mandatar: „Ich kenne so gut wie keinen Bauträger, der nicht daran interessiert ist.“ Genaue Standorte wollte Chorherr aber heute nicht nennen.

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