NS-Offizier Nowotny bleibt auf Zentralfriedhof

Es ist wohl eines der umstrittensten Gräber Wiens - die letzte Ruhestätte des NS-Luftwaffenoffiziers Walter Nowotny. Nachdem das Innenministerium eine Verlegung geprüft hat, bleibt das Grab auf dem Zentralfriedhof. Um die Pflege kümmert sich künftig ein nicht unumstrittener Verein.

Nachdem das Grab des NS-Kampffliegers mehrmals geschändet wurde, hatte das Innenministerium eine Verlegung geprüft. Das Grab wird aber auf dem Zentralfriedhof bleiben. Eine Verlegung „ist nicht weiter Thema“, bestätigte Innenministerium-Sprecher Karl-Heinz Grundböck gegenüber wien.ORF.at.

Das Grab des Luftwaffenmajors Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof
APA/ BARBARA GINDL/gi
Das Grab des Luftwaffenmajors Walter Nowotny auf dem Zentralfriedhof

Der einstige NS-Luftwaffenoffizier bleibt auch deshalb auf dem Zentralfriedhof, weil das Innenministerium für die Pflege des Grabes einen privaten Verein gefunden hat. Schon bald übernimmt diese Aufgabe der „Verein zur Pflege des Grabes von Walter Nowotny“. Die Vereinbarung wird „mit 1. Juli dieses Jahres wirksam“, sagte Grundböck.

Verein seit 2003 aktiv

Der Verein wurde bereits 2003 ins Leben gerufen, als der Ehrenstatus des Grabes von der Stadt Wien aberkannt wurde. An der Vereinsgründung beteiligt war etwa der damalige Wiener Stadtrat und heutige zweite Landtagspräsident Johann Herzog (FPÖ). Auch der heutige FPÖ-Landesparteisekretär und Bundesrat Hans-Jörg Jenewein war von Beginn an für den Verein aktiv.

Der Verein rief zu Nowotnys Todestag immer wieder zu umstrittenen Gedenken an dessen Grab auf. Den Aufrufen folgten laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) auch „Rechtsextreme und Neonazis“.

Ehrenbekundung fuer den vom NS-Regime hoch dekorierten Luftwaffenoffizier Walter Nowotny am Wiener Zentralfriedhof im Jahr 2007
APA/Herbert P. Oczeret
Ehrenbekundung für den NS-Offizier Walter Nowotny am Zentralfriedhof 2007

Für die Pflege und den Erhalt des Grabes ist das Innenministerium zuständig, weil es sich nach der Aberkennung des Ehrengräberstatus um ein Soldatengrab handelt. Die Grabstätte des einstigen NS-Luftwaffenoffiziers befindet sich nach wie vor in der Ehrengräbergruppe 14 C auf dem Zentralfriedhof.

Nowotny als NSDAP-Mitglied ausgewiesen

Nowotny, am 7. Dezember 1920 in Gmünd geboren, scheint in den Unterlagen des Berliner Document Center als NSDAP-Mitglied mit der Nummer 6.382.781 auf. Als Aufnahmedatum ist der 1. Mai 1938 angeführt, Nowotny war zu diesem Zeitpunkt also 17 Jahre alt. Er starb im November 1944, als er von amerikanischen Maschinen abgeschossen wurde.

Nach Angaben des DÖW berichtete der „Völkische Beobachter“ am 16. November 1944, Nowotny sei anlässlich seines Begräbnisses dafür gewürdigt worden, dass er „als junger Führer der Hitler-Jugend trotz aller Verfolgungen in der Verbotszeit begeistert und unentwegt Adolf Hitler die Treue hielt“.

Herzog: „Nowotny als Mittel zum Zweck benutzt“

Nowotnys Familie und die FPÖ wiesen diese Darstellung stets zurück. Der FPÖ-Klubchef Johann Gudenus meinte, dass schon mit der Aberkennung des Ehrengrabes „die Linken“ zum Ausdruck gebracht hätten, „dass die Pflichterfüllung eines Soldaten, der von der nationalsozialistischen Propaganda vereinnahmt und missbraucht wurde, diesem Toten selbst entgegen aller historischen Fakten zum Vorwurf gemacht wird“.

Und auch Herzog sieht die Grabpflege nicht problematisch: Nowotny sei von den Nazis „als Mittel zum Zweck benutzt“ worden, meinte Herzog auf Anfrage von wien.ORF.at.

Für das Innenministerium ist die ausgelagerte Grabpflege an den Verein ebenfalls kein Problem. „Es ist eines von rund 700 Kriegsgräbern in Österreich. Die Pflege übernehmen oft private Vereine“, erläuterte Grundböck. Und in diesem Fall geht es laut dem Ministeriumssprecher „nicht um eine Bewertung der Person Walter Nowotny oder des Vereins. Es handelt sich um ein Kriegsgrab und fällt damit unter das Kriegsgräberfürsorgegesetz“. Der Aufwand für die Pflege wird dem Verein jedenfalls in Form eines Durchschnittsbetrages vom Ministerium abgegolten. „Es geht um ein paar hundert Euro im Jahr“, sagte Grundböck.

Hubert Kickinger, wien.ORF.at

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