Deserteursdenkmal: Heldenplatz möglicher Standort

Die Stadt Wien überlegt, das geplante Denkmal für Deserteure der NS-Wehrmacht auf dem Heldenplatz zu errichten. Der Standort soll jetzt offiziell geprüft werden. Die Gedenkstätte soll bis Ende 2013 fertig gebaut sein.

Für die Prüfung des Standortes sind allerdings noch Gespräche mit dem Bund als Eigentümer nötig. Das Areal wird nämlich von der dem Wirtschaftsministerium unterstellten Burghauptmannschaft verwaltet.

Daneben seien aber auch alle vier anderen, im Vorfeld zur Disposition gestandenen Plätze weiterhin im Spiel, betonte eine Sprecherin von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Dabei handelt es sich um den Ballhausplatz, den Julius-Raab-Platz bei der Urania, den Grete-Rehor-Park zwischen Parlament und Justizpalast und die Roßauer Lände. Sie sind allesamt im Eigentum der Stadt.

Beschluss der Arbeitsgruppe

Die Entscheidung, in Sachen Heldenplatz nun konkret in Gespräche mit dem Bund zu treten, ist gegen Freitagmittag in einer Sitzung jenes Gremiums gefallen, das mit der Konzeption des Deserteursdenkmals befasst ist. Diesem gehören Vertreter der rot-grünen Stadtregierung, des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ und externe Fachleute an. Das Personenkomitee hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für den Heldenplatz als Standort ausgesprochen.

Heldenplatz
Fotolia/Reinhard Marscha
Auf dem Heldenplatz könnte bald das neue Denkmal stehen

„Dimension“ des Denkmals noch unklar

Fest steht jedenfalls, dass die Gestaltung des Denkmals international ausgeschrieben wird. Die Gedenkstätte soll bis Ende 2013 realisiert werden - mehr dazu in Standortsuche für Deserteursdenkmal.

Erste Finanzmittel für die Vorarbeiten in der Höhe von 25.000 Euro wurden von der Stadt bereits genehmigt. Über eine weitere Finanzierung wurde noch nicht entschieden. Das hänge von der Art und der Dimension des Denkmals ab, hieß es aus dem Büro des Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) gegenüber Radio Wien.

Personenkomitee: „Zäher Prozess“

Das Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ äußerte sich nicht allzu euphorisch über den Debattenverlauf. Es sei ein „zäher Prozess“, das Tempo sei „gemächlich“, so Obmann Thomas Geldmacher. Deshalb habe man „große Sorgen“, ob die für Ende 2013 anvisierte Eröffnung der Gedenkstätte zeitlich halten werde. Der Heldenplatz steht für das Personenkomitee seit jeher an oberster Stelle der Prioritätenliste. Er sei weiterhin zuversichtlich, dass das Denkmal an diesem Standort realisiert werde.

Die Roßauer Lände komme für das Personenkomitee keinesfalls infrage. Aufgrund des Verkehrslärms sei dieser Ort als Gedenkstätte nicht geeignet. Der 2008 gegründete Verein setzt sich für die „umfassende gesellschaftliche und juristische Rehabilitierung“ jener Menschen ein, die für ihren Widerstand oftmals mit dem Leben bezahlten.

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