Uni-Rektor Engl hofft auf Einigkeit

Die Universität Wien hat am Montag nach der Besetzung des Audimax in der Vorwoche wieder den regulären Betrieb aufgenommen. Am Abend sprach Rektor Heinz Engl mit Studenten über die finanzielle Lage und rief zu Einigkeit auf.

Angespannt und von zahlreichen Zwischenrufen geprägt war die Diskussion im überfüllten Hörsaal, in dem sich einige Studenten mit zugeklebtem Mund und gefesselten Händen demonstrativ vor das Podium legten und bei Missmut schmerzhaft aufstöhnten.

„Wir müssen aufhören, uns gegenseitig als Gegner zu sehen“, forderte Engl, sondern stattdessen „geschlossen“ in die Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium gehen. Es gehe darum, mit einer „überzeugenden Argumentationslinie“ aus den angekündigten zusätzlichen 750 Mio. Euro „möglichst viel für die Uni Wien herauszuholen“. Bei „allen Gegensätzen“ müssten Uni-Leitung und Studentenschaft zusammenarbeiten, um die Ausfinanzierung der Unis durchzusetzen. „Ich weiß nach der heutigen Veranstaltung nur leider nicht, wie das gehen soll.“

Abstimmung zur Wiedereinführung der Studiengebühr

Der Senat der Universität wird jedenfalls schon am Donnerstag darüber entscheiden, ob dem Antrag des Rektorats folgend Studiengebühren in der Satzung der Uni verankert werden. Auf dieses Geld könne man nicht verzichten, hieß es. Neun Millionen Euro fehlten der Hauptuni im Vorjahr, sieben Millionen seien es heuer. Die anderen Wiener Unis haben sich in Sachen Wiedereinführung der Studiengebühren noch nicht entschieden, wie ein Rundruf ergab. Doch hinter vorgehaltener Hand sollen auch sie interessiert sein.

Massive Kritik von Studentenseite

Die Studenten selbst fühlten sich indes bei der Diskussion für „dumm verkauft“. Scharf kritisiert wurde neben dem Auslaufen des IE-Bachelorstudiums vor allem die geplante autonome Einhebung von Studiengebühren ab Herbst. Damit komme das Rektorat dem Wissenschaftsministerium entgegen, anstatt nach der teilweisen Aufhebung der Studiengebührenregelung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) für eine komplette Abschaffung einzutreten.

Engl betonte, keine Studiengebühren einheben zu „wollen“, aber aufgrund „massiven Drucks“ zu „müssen“. Weil die Politik ihrer Aufgabe einer Neuregelung nicht nachkomme, müssten die Gerichte nach einer Einhebung und daraus resultierender Klagen durch Studenten die Rechtssicherheit klären.

Darüber, dass die Universitäten unterfinanziert sind, sind sich immerhin beide Seiten einig. Die „angespannte budgetäre Lage“ sei auch Grundlage für jene Probleme, „die sich vergangene Woche artikuliert haben“, so Engl, der erneut die vom Rektorat angeordnete Räumung der Besetzungen vom Donnerstag durch die Polizei verteidigte, die Sperrung des Hauptgebäudes am Freitag und Samstag aufgrund „der Befürchtung einer weiteren Besetzung“ aber rückwirkend als Fehler einräumte.

Audimax in der Vorwoche besetzt

Am Donnerstagabend hatten Studenten zunächst das Büro des Rektors und dann das Audimax besetzt. Unter anderem wurde gegen das Auslaufen des Bachelorstudiums Internationale Entwicklung (IE) und die geplante autonome Einführung von Studiengebühren protestiert.

Das Audimax war zwar noch in der Nacht auf Freitag durch die Polizei geräumt worden, der Rektor hatte die Sperre jedoch im Sinne einer „Abkühlphase“ bis Montag verlängert - mehr dazu in Uni Wien blieb geschlossen.

Engl will „keine Besetzung mehr“

Wie der „gemeinsame Kampf“ von Rektorat und Studenten aussehen soll, blieb nach der knapp zweistündigen Diskussion unbeantwortet. Für kommenden Mittwoch, 2. Mai, um 18.00 Uhr wurde eine weitere, öffentliche Diskussion speziell zum Studium der Internationalen Entwicklung angekündigt. Rektor Engl jedenfalls wünschte sich für künftige Unmutsäußerungen ein „Format, für das es keiner Besetzung bedarf“. Sollten die Verhandlungen mit dem Ministerium nicht im Sinne der Unis und Studenten ausgehen, würden auch die Rektoren „in geeigneter Weise demonstrieren“. „Aber man muss dazu nicht auf die Straße gehen.“

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