Der „Augustin“ kämpft ums Überleben

100.000 Euro pro Jahr fehlen der Wiener Straßenzeitung „Augustin“. Die 14-tägig erscheinende Zeitung kämpft um das wirtschaftliche Überleben. „Liebhaberinnen und Liebhaber“ werden gesucht, die sich mit 25 Euro pro Monat unterstützend am „Augustin“ beteiligen.

„Es muss uns gelingen, in den nächsten Wochen insgesamt 333 Leserinnen und Leser zu gewinnen, die bereit sich, sich am ‚Augustin‘ zu beteiligen“, heißt es auf der Homepage. Zuletzt habe man viel darüber nachdenken müssen, wie die Stadt ohne „Augustin“ wäre. Die Zeitung sei „finanzmarod“ geworden, seit ein paar Monaten mache ihr ein Verkaufsrückgang zu schaffen.

Dabei, so betont die Zeitung besonders, könne man auf die stolze Zahl von rund 500 registrierten Kolporteuren verweisen und Medien mit großer Reichweite hätten den „Augustin“ als „beachtenswerte“ Zeitung entdeckt.

Ein "Augustin-Verkäufer" beim Verkauf der Straßenzeitung Augustin
APA/Helmut Fohringer
Verkaufsrückgang bedroht Straßenzeitungsprojekt

„Stadtentwicklung“ als ein Problem

Als Gründe für die Verkaufsrückgänge sieht man die allgemeine Krise der Printmedien, die breite Konkurrenz an Straßenzeitungen und ein als „Stadtentwicklung“ bezeichnetes Phänomen: Kolporteure von Straßenzeitungen würden immer öfters desavouiert und mit Bettlern gleichgesetzt - mehr dazu in Ausweis für „Augustin“-Verkäufer.

Es sei „der Punkt erreicht, wo man sagen muss, es gibt systematische Versuche, den Straßenzeitungsverkauf einzudämmen, weil viele Angehörige der Volksgruppe der Roma an diesem Kuchen mitnaschen, was ihnen aber nicht länger gegönnt wird. Im Klartext: Der Antiziganismus hat sich längst auch über Österreich ausgebreitet und ist salonfähig geworden“, schreibt die Zeitung auf ihrer Homepage.

Verkauf ging zuletzt deutlich zurück

Die Straßenzeitung „Augustin“ wurde 1995 gegründet. Amerikanische, britische und französische Straßenzeitungen dienten als Vorbild. Die Zeitung erscheint alle zwei Wochen, pro Ausgabe in einer Auflage von bis zu 30.000 Stück. Vertrieben wird der „Augustin“ von Obdachlosen, Langzeitarbeitslosen und Asylwerbern. Vom Stückpreis von 2,50 Euro geht die Hälfte an die Verkäufer. Mit der anderen Hälfte werden Redaktion und Projekte wie Deutschkurse, Fußballtraining und ein Chor finanziert.

Zuletzt ging die Zahl der verkauften Exemplare deutlich zurück. Um das Überleben zu sichern, sind noch etwa 270 von 333 Unterstützern nötig.

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