„Radikale Erneuerung“ für Denkmal gefordert

Für eine „radikale Erneuerung“ des Heldendenkmals am Äußeren Burgtor hat sich der neue Kunstsenatspräsident Josef Winkler ausgesprochen. Für eine Untersuchung der Krypta wegen möglicher NS-Huldigungen laufen die Vorbereitungen.

Er sei „gegen kleine, halbherzige, symbolische Gesten“ wie die Streichung einzelner Kriegsverbrecher aus den dort aufliegenden Totenbüchern, meinte Josef Winkler: „Wenn, dann muss man das radikal machen.“ Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) hatte angekündigt, dass Krypta und Weiheraum bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober Stätten des „würdigen Totengedenkens“ an die Weltkriegsgefallenen werden - mehr dazu in Krypta: Darabos strich SS-Kriegsverbrecher.

„Ich habe das Gefühl, dass der Verteidigungsminister guten Willens ist“, so Winkler. „Als Verteidigungsminister würde ich mir aber von Künstlern etwas Neues, Zeitgemäßes vorschlagen lassen.“

Öffnung des Denkmals wird vorbereitet

Eine Öffnung des Denkmals des „toten Soldaten“ zur Klärung der Behauptung des Bildhauers Wilhelm Frass, er habe im Jahr 1935 dort eine Hülse mit einer Nazihuldigungsschrift deponiert, halte er für unbedingt notwendig, sagte Winkler: „Ich bin absolut dafür, dass das gemacht wird.“ Man könne keine Kränze vor dem Denkmal niederlegen, solange dies nicht geklärt sei. Wenn man wirklich etwas fände, gelte nur eines: „Das Höllenpapier gehört weg!“

Für die Untersuchung der Krypta werden bei der zuständigen Burghauptmannschaft unterdessen die Weichen gestellt. „Wir sind dabei, uns mögliche Methoden anbieten zu lassen“, so Burghauptmann Reinhold Sahl. Wahrscheinlich werde man die Randsteine entfernen und den Deckel des Grabmals heben.

Wenn dieser Vorgang „zerstörungsfrei möglich ist, dann stimmt das Bundesdenkmalamt zu“, meinte der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm. Er und Sahl zeigten sich zuversichtlich, dass schon in wenigen Tagen eine Entscheidung über die Methode fällt und mit der Untersuchung begonnen werden kann.

Standort für Deserteursdenkmal offen

Was das geplante Deserteursdenkmal angeht, gibt man sich dagegen sowohl bei der Burghauptmannschaft als auch beim BDA abwartend. Momentan sei dies noch „Sache der Stadt Wien“, erklärte Sahl. Erst wenn eine Standortentscheidung gefallen ist, wird der entsprechende Eigentümer damit befasst. Und erst wenn mit diesem Einigkeit besteht, wird erneut das Bundesdenkmalamt eingeschaltet.

Für den Standort des Deserteursdenkmals hält Josef Winkler den Heldenplatz für eine „gute Idee“, denn „die Deserteure und Widerstandskämpfer waren auch Helden“. Die Gedenkstätte soll bis 2013 fertig werden - mehr dazu in Deserteursdenkmal: Heldenplatz möglicher Standort.

Das Denkmal solle „auf jeden Fall auf einem prominenten und würdigen Platz stehen und nicht auf irgendeiner Verkehrsinsel“. Für die Gestaltung des Deserteursdenkmals „sollte man einen Künstlerwettbewerb für etwas Schönes, Würdiges, hoch Künstlerisches ausschreiben“.

Kunstsenat diskutiert Mitte Juli

Winkler hofft darauf, dass auch seine Kollegen im Kunstsenat dazu Ideen entwickeln werden. Das hochrangige Gremium, dessen Aufgabe darin besteht, die Anliegen der Kunst in der Öffentlichkeit zu vertreten und öffentliche Stellen in wichtigen Fragen der Kunst zu beraten, soll Mitte Juli das nächste Mal zusammentreten.

Winkler hatte vor wenigen Wochen Hans Hollein an der Spitze des Kunstsenats abgelöst. Der Senat wird aus 21 Staatspreisträgern gebildet, ihm gehören unter anderem Peter Handke, Gustav Peichl, Arnulf Rainer, Ilse Aichinger und Christian L. Attersee an.

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