Wiener Retro-Charme in Bildern

Auf der Facebook-Seite „Vintage Vienna“ veröffentlichen zwei Wiener seit wenigen Wochen Ansichten der Stadt aus vergangenen Jahrzehnten. Die Schnappschüsse zeichnen ein Bild von Wien, wie es nur noch wenige kennen.

Parkende Autos und Reisebusse auf dem Stephansplatz, eine vierspurig befahrene Kreuzung am Graben: Was für jüngere Bewohnerinnen und Bewohner Wiens unvorstellbar scheint, war bis weit in die 1970er Jahre Alltag in der Innenstadt. Ein plastisches Zeugnis davon geben Fotos auf einer Facebook-Seite, die vor einem knappen Monat von Daniela Horvath und Michael Martinek ins Leben gerufen wurde. Für ihr Projekt ließen sich die beiden von einer ähnlichen Seite mit Bildern aus Los Angeles inspirieren, wie sie gegenüber wien.ORF.at erklärten.

Graben um 1954
Vintage Vienna/Gerd Hoss/Privatarchiv B. Mussil
Graben um 1954

Zu sehen sind auf „Vintage Vienna“ häufig in schwarz-weiß gehaltene Bilder von Wien, die bis ins vorletzte Jahrhundert zurück datieren. Seither wächst die Facebook-Seite regelmäßig um weitere Stadtansichten aus vergangenen Zeiten und bereits mehr als 20.000 „Gefällt mir“-Angaben zeigen das rege Interesse an den alten Impressionen Wiens.

Zahlreiche Schätze aus privaten Archiven

Die gesammelten Bilder stammen zum Teil aus öffentlichen Archiven, wie jenem der Nationalbibliothek oder der Wiener Linien, zum Großteil aber aus Privatbeständen der beiden Seiten-Macher und zahlreicher Freunde und Bekannte. Neben längst vergessen geglaubten Impressionen der Wiener City bietet „Vintage Vienna“ auch jede Menge spektakuläre Einblicke in die Entwicklung der umliegenden Bezirke.

Eine Abbildung von 1907 zeigt etwa die damals noch von Straßenbahnen und Pferdekutschen befahrene Mariahilfer Straße, in der sich nur vereinzelte Spaziergänger tummeln. Auch die Mini-Fähre, die früher auf Höhe der Roßauer Lände Fußgänger über den Donaukanal setzte, oder die noch im Bau befindliche UNO-City im Hintergrund der „alten“ Reichsbrücke werden auf Aufnahmen dokumentiert.

Zu den außergewöhnlicheren Entdeckungen zählt ein Schnappschuss von der 1964 veranstalteten „Wiener Internationalen Gartenschau“ im Donaupark, bei der ein heute nicht mehr existierender Sessellift über bunten Blumenbeeten und der Donauparkbahn schwebt.

Buch und App als neue Projekte

Für die Zukunft ihres Projekts können sich Horvath und Martinek ein Buch mit den schönsten Wiener Stadtansichten aus alten Zeiten vorstellen. Denkbar wäre auch eine App für Smartphones, um die Geschichte der Stadt direkt vor Ort erleben zu können. Vorerst soll „Vintage Vienna“ aber vor allem der stetig wachsenden Facebook-Community Einblicke in die Stadtgeschichte ermöglichen.

Wer selbst über alte Stadtansichten aus Familienbesitz oder Privatarchiven verfügt und diese mit anderen teilen möchte, kann die Fotos mit Copyright-Angabe an die „Vintage Vienna“-Macher schicken.

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