Grundstein für Wiens neues Großspital

Für das Krankenhaus Nord in Floridsdorf ist am Mittwoch der Grundstein gelegt worden. Künftig werden dort pro Jahr 40.000 Menschen stationär und 250.000 Personen ambulant versorgt. Für das neue Spital werden andere Standorte geschlossen.

Symbolisch wurde bei der Grundsteinlegungen die Bauurkunde in eine Rolle verpackt, die danach in einem quadratischen Stein, am Grund des künftigen Spital-Hauptgebäudes, zugespachtelt wurde. Nun beginnen beim Krankenhaus Nord die Arbeiten für den Rohbau. In den vergangenen Monaten ist auf dem Gelände in der Brünner Straße die Baugrube ausgehoben worden.

Häupl: „Herzstück der Spitalsreform“

„Der Neubau des Krankenhauses Nord ist das Herzstück der Spitalsreform“, hob Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) dessen Bedeutung für die Wiener Bevölkerung hervor. Im Zuge des Wiener Spitalskonzepts 2030 sollen sieben zentrale Spitalsorganisationen entstehen: Dazu gehören das AKH Wien, das Donauspital, das Wilhelminenspital, das Krankenhaus Hietzing, das Kaiser-Franz-Josef-Spital, die Rudolfstiftung und das neu gebaute Krankenhaus Wien-Nord.

Im neuen Krankenhaus Nord werden Abteilungen des Krankenhauses Floridsdorf, der Semmelweis-Frauenklinik und des Orthopädischen Krankenhauses Gersthof angesiedelt, weiters Teile des Hietzinger Krankenhauses, des Otto-Wagner-Spitals und des Wilhelminenspitals.

Gesundheitsstadträtin Sonja Whesley und Bürgermeister Michael Häupl
APA/DOMINIQUE WITTMANN
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Bürgermeister Michael Häupl bei der Grundsteinlegung

Mitgestaltung von Patienten und Mitarbeitern

Seit Jänner 2012 wird in einem Infocenter nahe der Baustelle über die Arbeiten am Krankenhaus Nord informiert. In zwei Musterzimmern sind zudem die künftigen Krankenhausbetten zu sehen. Bei der Grundsteinlegung hatte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) erneut betont, dass sich sowohl künftige Patienten als auch Mitarbeiter an der Gestaltung der Krankenzimmer beteiligen konnten.

„In diesem riesigen Infrastrukturprojekt waren die Mitarbeiter von Anfang an am Bau beteiligt. Ihr Know-how für höchste Qualität für Patienten und Mitarbeiter ist dabei genutzt worden“, so Wehsely.

Visualisierung des Krankenhauses Nord, das 2015 teilweise in Betrieb gehen soll
APA/Architekturbüro Wimmer
Das Krankenhaus Nord soll 2015 in Teilbetrieb gehen

Demnach werde es im Krankenhaus Wien-Nord fast ausschließlich Einzel- und Doppelzimmer mit eigenem Bad und WC geben. Außerdem wurde eigens ein mobiler Patientenschrank entworfen, in dem persönlichen Dinge Platz finden und der mit einer elektronischen Chipkarte - die beim Patienten verbleibt - versperrt werden kann.

Das Krankenhaus Wien-Nord wird über 785 Betten verfügen. Pro Jahr könnten etwa 40.000 Patienten stationär und 250.000 Menschen ambulant versorgt werden. Das Krankenhaus soll 2015 in Teilbetrieb gehen.

Sprengung eines Schornsteins am Gelände des künftigen Krankenhauses Nord in Wien-Floridsdorf
ORF
Die Sprengung im Mai 2011

Architekt siegte mit „Wohlfühlspital“

Die Abbrucharbeiten auf dem Grundstück waren im Mai 2011 mit der Sprengung eines 43 Meter hohen Rauchfangs abgeschlossen worden. Im Jurywettbewerb für das Krankenhaus Nord hatte sich Albert Wimmer gegen 37 weitere Einreichungen durchgesetzt. An seinem Entwurf wurde die „transparente Konstruktion, die auf Tageslicht setze, keine labyrinthische Struktur aufweise und vor allem bei Bedarf erweiterbar sei“ gelobt. Gesundheitsstadträtin Wehsely hatte als Ziel ein „Wohlfühlspital“ genannt, Wimmer nannte seinen Ansatz „Wohlfühlen heißt Effizienz“.

Die Grünfläche des Krankenhauses Wien-Nord soll zum „Healing Garden“ werden. Ein Park soll das Wohl von Patienten und Mitarbeitern fördern, Atrien, Dachterassen, Therapie- und Obstgärten sowie Wiesen-, Wald- und Hügellandschaften sind vorgesehen. Das Konzept der rund 70.000 Quadratmeter großen Freifläche stammt von der britischen Landschaftsarchitektin Martha Schwartz und sieht vor, dass der Garten bereits im Krankenhaus beginnt.

Architekt Albert Wimmer in einem Krankenzimmer-Modell des Krankenhauses Nord
APA/Helmut Fohringer
Architekt Albert Wimmer in einem Musterzimmer im Infozentrum

Kontrollamt: Kritik an Unvereinbarkeit

Die Oppositionsparteien hatten die Planungen für das Krankenhaus Nord scharf kritisiert. Die Vorwürfe betrafen Kostensteigerung, unklare Auftragsvergabe und Unregelmäßigkeiten beim Architektenwettbewerb. Das Kontrollamt stellte dem Projekt 2009 ein überwiegend positives Zeugnis aus.

Die Festlegung auf das Grundstück sei demnach ordnungsgemäß erfolgt, die verkehrsreiche Lage wurde vom Kontrollamt aber kritisiert. Laut Bericht ist keine Kostenexplosion gegeben, die von 360 auf 726 Millionen Euro erhöhten Kosten wären auf die Steigerung der Bettenanzahl zurückzuführen.

Dezidierte Kritik gab es im Kontrollamts-Bericht an einer Unvereinbarkeit bei der begleitenden Kontrolle, an der teils lückenhaften Dokumentation und am Projekt der „Garantierten Maximal-Preis-Vertragsvariante“.

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