Kaske löste AK-Chef Tumpel ab

Am Montag hat Herbert Tumpel sein Amt als Präsident der Wiener Arbeiterkammer an Rudolf Kaske übergeben. Ein politisches Zurückziehen werde es aber sicher nicht geben, kündigte Tumpel im „Wien heute“-Interview an.

"Es fällt nicht ganz leicht zu gehen, (…) aber mit 65 hört man normalerweise auf“, so Tumpel im Gespräch mit „ORF Wien“-Chefredakteur Paul Tesarek. Er hoffe, dass als eines der markantesten Ergebnisse seiner Amtszeit den Menschen in Erinnerung bleibe, dass die AK näher an die Mitglieder gerückt ist, die Erreichbarkeit entscheidend erhöht worden sei, wie es sich eben für einen modernen Servicebetrieb gehört.

TV-Hinweis:

Das gesamte „Wien heute“-Interview mit Herbert Tumpel können Sie nach der Sonntag-Sendung hier nachsehen.

Dass durch das Mehr an Service die AK weniger politisches Gewicht bekommen habe, verneinte Tumpel. Beide Seiten seien notwendig, das Einmengen in die öffentliche politische Diskussion sei genauso wichtig und auch von Erfolg gekrönt gewesen. So sei zum Beispiel Wien das erste Land gewesen, in dem es eine Beschäftigungsgarantie für junge Menschen gegeben habe. In welcher Form er sich politisch weiter betätigen werde, ließ Tumpel offen: „Das wird die Zukunft weisen.“

Gegen höheres Pensionsantrittsalter

Schon zuvor waren in einem Interview für die APA die „sehr starke“ Ausweitung der telefonischen Beratung, der Aufbau eines umfangreichen Internet-Angebots, der Bildungsgutschein, die Bildungsmesse für junge Menschen oder die Steuerberatungstage zu den erfolgreichen Projekten Tumpels gezählt worden. Dass dieser Weg beibehalten wird, ist sich Tumpel sicher. Die optimale Betreuung der Arbeitnehmer sei eine dauerhafte Herausforderung. Sein Nachfolger sei lange genug in der Arbeitnehmervertretung und wisse, was zu tun sei.

Herbert Tumpel
APA/Herbert Neubauer
Herbert Tumpel geht

Politisch umstritten war Tumpel etwa wegen seiner Skepsis gegenüber der EU-Osterweiterung, zu der er auch heute noch steht. Seine Haltung habe nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Seiner Meinung nach sei aber das Tempo zu rasch, und es sei seine Aufgabe gewesen, jene zu schützen, die in Österreich arbeiten. Übergangsfristen am Arbeitsmarkt, die Entschärfung der EU-Dienstleistungsreichtlinie und das Anti-Lohndumping-Gesetz hätten aber verhindert, dass seine Befürchtungen wahr geworden seien.

Für die Zukunft sieht Tumpel keinen Anlass, das gesetzliche Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Vielmehr sollte für mehr Beschäftigung vor allem bei Älteren und Frauen gesorgt werden, vor allem durch Prävention. Es bringe nichts, das Pensionsalter zu erhöhen, wenn die Betroffenen „zu kaputt“ für die Arbeit seien oder keinen Job mehr fänden, so Tumpel im Interview für die APA.

Rudolf Kaske folgt nach

Was er in Zukunft machen wird, ließ Tumpel offen. Es sei aber auszuschließen, dass er sich aus der Politik geistig zurückziehe. Es werde ihm sicher „nicht fad“ werden, sagte der 65-Jährige.

Rudolf Kaske
APA/Herbert Neubauer
Rudolf Kaske kommt

Tumpel übergab am Montag zunächst sein Amt als Vorsitzender der Wiener Kammer und am Dienstag als Präsident der Bundeskammer an Rudolf Kaske. Der Wiener Rudolf Kaske, Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, folgt Tumpel als Arbeiterkammer-Präsident. Kaske gilt im Gegensatz zum eher spröden Tumpel als wortgewandt und offen. Dem 57-Jährigen wird Handschlagqualität zugeschrieben. Kaum jemand traut ihm nicht zu, die AK zu führen - mehr dazu in Kaske wird neuer AK-Präsident (ORF.at).

Link:

Werbung X