Promi-Autoren zum „O-Töne“-Jubiläum

Michael Köhlmeier, Eva Menasse und Thomas Glavinic: Zum zehnjährigen Jubiläum präsentiert das „O-Töne“-Literaturfest prominente Namen im MuseumsQuartier. Robert Schindel eröffnete mit seinem viel diskutierten Wien-Roman „Der Kalte“.

„Lesungen - wie machen wir das nicht langweilig? Das war auch unser ursprünglicher Gedanke. Daher haben wir uns dazu entschlossen, einzelne Lesungen, also ohne Schnick-Schnack und Eventbeigeschmack, zu machen. Dazu kommt die klassische Atmosphäre des öffentlichen Raums mit einer spannenden Auswahl an Autoren“, erklärt O-Töne-Festivalgründer Christoph Möderndorfer gegenüber wien.ORF.at.

Zum Jubiläum des Freiluftfestivals werden vor allem große Namen der heimischen Gegenwartsliteratur im MuseumsQuartier präsentiert. „Wir wollen eine Vorschau auf den Bücherherbst geben. Bei den Autoren ist es ein Best-Of der vergangenen Jahre geworden, aber mit Signal nach vorne“, so Möderndorfer. Zum Jubiläum werden insgesamt rund 10.000 Besucher erwartet. Der Eintritt ist frei.

O-Töne im MuseumsQuartier
Lukas Preisinger

Auftakt mit Robert Schindel und „Nino aus Wien“

Eröffnet wurde das Literaturfestival von Robert Schindel. 21 Jahre nach „Gebürtig“ erschien sein neuer, großer Gesellschaftsroman „Der Kalte“. Die weit mehr als 600 Seiten führen zurück in die „Waldheim-Zeit“.

Robert Schindel
APA/Herbert Pfarrhofer
Robert Schindel

Er erzählt unter anderem die Geschichte des Bundespräsidentschaftskandidaten Johann Wais, dessen lange verheimlichte Kriegs- und SA-Vergangenheit vom politischen Gegner im Wahlkampf thematisiert wird. Auch Kulturkämpfe in Wien und Österreich sowie der Schmutz der Politik werden behandelt.

Schindel las im Haupthof des MuseumsQuartiers. Im Anschluss fand eine Diskussion mit Clarissa Stadler statt. Zum traditionellen musikalischen Festival-Auftakt gratulierte „Der Nino aus Wien“ – ein Literaturaffiner unter den jungen heimischen Liedermachern.

Drei Buchpremieren im August

In den kommenden Wochen folgen ihm Josef Winkler und Michael Köhlmeier nach. Die Autorinnen-Riege ist mit Eva Menasse, Doris Knecht und der Tiroler Newcomerin Barbara Aschenwald ebenfalls stark vertreten. Die Dauer der Lesungen ist den Autoren frei überlassen. Möderndorfer: „Im Schnitt dauert eine Lesung 40 Minuten, da den Autoren bewusst ist, dass jede längere Lesung nicht ideal ist.“

O-Töne

11. Juli bis 29. August, jeden Donnerstag, 20.30 Uhr, MQ-Höfe. Bei Schlechtwetter ist die Arena21 das Ausweichquartier.

Der August schließlich wartet in Hinblick auf den kommenden Bücherherbst mit drei vielversprechenden Buchpremieren auf: Norbert Gstrein und David Schalko werden ihre neuen Bücher erstmals bei den O-Tönen präsentieren. Mit ganz besonderer Spannung wird der neue Mount Everest-Liebesroman von Thomas Glavinic „Das größere Wunder“ erwartet, aus welchem der Autor erstmals zum Festivalfinale lesen wird.

MQ
simon brugner/tsmdt

Gelesen wird immer an den Donnerstagen im Juli und im August mit Beginn um 20.30 Uhr: Josef Winkler („Mutter und der Bleistift“) und Barbara Aschenwald („Omka“, beide am 18.07.), Michael Köhlmeier („Die Abenteuer des Joel Spazierer“, 25.07.), Doris Knecht („Besser“, 01.08.), Norbert Gstrein („Eine Ahnung vom Anfang“, 08.08.), Eva Menasse („Quasikristalle“, 15.08.), David Schalko („Knoi“, 22.08.) und Thomas Glavinic („Das größere Wunder“, 29.08.).

Open Air mit Wetterglück

Das Literaturfestival ist als Freiluft-Veranstaltung konzipiert. Bei angekündigtem Schlechtwetter werden die Lesungen in die Arena 21 verlegt. In der Vergangenheit hatten die Veranstalter meist Wetterglück. Nur eine Lesung von Arno Geiger fiel einmal besonders ins Wasser.

„Vor fünf Jahren behauptete der Wetterdienst bis zum Schluss, dass es nicht regnen würde. Als es dann doch regnete, ging meine Kollegin Gabriela Hegedüs auf die Bühne und hielt die ganze Lesung einen Regenschirm über Arno Geiger. Das Buch löste sich danach trotzdem auf. Aber Arno Geiger nahm es cool und mehr als die Hälfte der Besucher ist geblieben“, so Möderndorfer.

„Würdige Aufführungsplattform“

Als das Festival vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, wollten die O-Töne-Festivalleiter Christoph Möderndorfer und Gabriela Hegedüs eine neue Generation von Autoren einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen. Mit dem MuseumsQuartier war der ideale Austragungsort gefunden, „da dort ein kunstbegeistertes Publikum war“.

Um das Festival zu „schärfen“, wurde das Konzept so einfach und klar wie möglich gehalten. „Wir sind ein auf den Textvortrag reduziertes Festival für österreichische Literatur und wollen das nicht in die Breite ziehen. Am Anfang wäre das auch gar nicht wegen der Finanzierung gegangen“, so Möderndorfer.

„Im ersten Jahrgang waren noch keine berühmten Namen, aber Autoren, die ihren literarischen Start schon hinter sich hatten“, erinnert sich Möderndorfer. Unter anderem saßen Daniel Kehlmann, Thomas Raab, Thomas Glavinic und Sabine Gruber bei der „O-Töne“-Erstausgabe auf der Bühne. „Es freut uns zu sehen, dass die Autoren wie wir als Festival gewachsen sind.“

Querschnitt statt Talentwettbewerb

Obwohl „O-Töne“ kein „Talentwettbewerb“ ist, gehen jährlich zahlreiche Bewerbungen von Autorinnen und Autoren beim Festival ein. „Es gibt keine Aufforderung dazu. Aber wir schauen uns alle Bewerbungen an“, so Möderndorfer. Die Auswahl ist meist eine subjektive Handschrift des Kurators und „Volltext“-Herausgebers Thomas Keul. „Es ist aber unser Anspruch, einen gewissen repräsentativen Charakter zu haben und ein Augenmerk auf Qualität zu setzen.“

In Zukunft will sich „O-Töne“ als Premierenfestival mit Hauptaugenmerk auf neue Entwicklungen weiter behaupten. Möderndorfer: „Nächstes Jahr werden wir wieder vorrangig auf neue, junge Kräfte setzen, aber gemischt mit etablierten und mit relevanten Titeln der Herbstvorschau.“

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