Wilhelminenberg: Opposition sieht sich bestätigt

Nach der Präsentation des Endberichts der Wilhelminenberg Kommission sehen sich FPÖ und ÖVP in ihren Vorwürfen bestätigt. Die SPÖ betonte am Mittwoch erneut, die Stadt Wien sei sich ihrer Verantwortung den Opfern gegenüber vollends bewusst.

„Wir konnten erst gar nicht glauben, dass diese schwersten Verbrechen der Nachkriegszeit von oben gedeckt wurden“, sagte der Wiener FPÖ-Landesparteiobmann Heinz-Christian Strache. Er bedankte sich bei Kommissionsvorsitzender Barbara Helige für ihre Arbeit. Sie habe „nicht in dem Versteck-Spiel der Häupl-SPÖ mitsamt Unterdrückung und Vernichtung von Beweisen mitgespielt“, so Strache.

Der Klubobmann der FPÖ-Bezirksorganisation Ottakring, Georg Heinrichsberger, forderte einmal mehr einen Gedenkstein mit Gedenktafel beim Schloss Wilhelminenberg.

ÖVP: „Wesentliche Fragen geklärt“

Erschüttert über das Ausmaß der Vorfälle zeigte sich ÖVP-Landesparteiobmann Manfred Juraczka. Er äußerte sich aber auch beeindruckt von der Leistung, die die Kommission erbracht habe. Eine der wesentlichsten Fragen sei jene nach der systematischen Vertuschung gewesen. Hier habe die Kommission eine sehr klare Aussage getätigt.

Obwohl die politischen Verantwortlichen im Bericht klar und unmissverständlich genannt werden - es betrifft die Amtszeiten der SPÖ Stadträtinnen Maria Jacobi und Gertrude Fröhlich-Sandner -, hätten „diese Namen keine Erwähnung des zuständigen Stadtrats (Christian, Anm.) Oxonitsch (SPÖ) in der Pressekonferenz“ gefunden. Manfred Juraczka: „Das zeigt, dass sich die Sozialdemokraten offenbar mit ihrer Vergangenheitsbewältigung immer noch schwer tun.“

SPÖ setzt auf drei Säulen der Aufarbeitung

„Die Stadt Wien hat beispielhaft vorgezeigt, wie eine seriöse Aufarbeitung der tragischen und durch nichts zu rechtfertigenden Vorkommnisse stattfinden kann“, betonte SPÖ-Gemeinderat Heinz Vettermann. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) habe sich bereits für die „unvorstellbaren Gräueltaten“ entschuldigt. Jugendstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) habe dies erneut bei der Präsentation des Endberichts getan. Die Stadt setze bei der Aufarbeitung auf drei Säulen: Aufklärung, Entschädigung und dies in Zukunft nie mehr geschehen zu lassen.

Von Vertuschung könne keine Rede sein, so Vettermann weiter. Die Ergebnisse der Historikerkommission unter der Leitung von Reinhard Sieder sei vor einem Jahr veröffentlicht worden und online abrufbar, ebenso wie der am Mittwoch präsentierte Endbericht der Helige-Kommission. Für kommende Woche sei die Präsentation der Pflegeelternstudie des FH Campus unter der Leitung von Elisabeth Raab-Steiner angekündigt.

Als zweite unmittelbare Reaktion auf die schweren Vorwürfe habe die Stadt das Opferschutzgremium beauftragt, allen Geschädigten zu helfen. Da die Strafbarkeit der Verbrechen zum großen Teil verjährt sei, habe sich die Stadt an aktuell gängigen Entschädigungszahlungen der Gerichte orientiert und beschloss 31,5 Mio. Euro als Hilfe für die Heimopfer. 1.713 Personen nahmen diese Hilfeleistungen in Form von therapeutischen Einheiten und/oder finanziellen Unterstützung an.

Missbrauchsvorwürfe bestätigt

Die Untersuchungskommission Wilhelminenberg unter dem Vorsitz von Barbara Helige hat Missbrauchsvorwürfe im ehemaligen Kinderheim untersucht und bestätigt. Der Endbericht soll nun der Staatsanwaltschaft übergeben werden - mehr dazu in Wilhelminenberg: Missbrauch bestätigt.

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