Fotografien aus der Schuhschachtel

Was als Facebook-Projekt begonnen hat, liegt nun auch in Buchform vor: Der Bildband „Vintage Vienna“ vereint private Schnappschüsse aus der Schuhschachtel. Die Fotos ermöglichen eine Zeitreise in das Wien zwischen 1900 und 1980.

Die beiden Wiener Daniela Horvath und Michael Martinek veröffentlichen seit einem Jahr mit Hilfe der Bevölkerung Ansichten der Stadt aus vergangenen Jahrzehnten im Internet. Die Schnappschüsse und Zeitdokumente zeigen Wien, wie es nur noch wenige kennen. Jetzt sind die Fotos im Metroverlag als Buch erschienen - mehr dazu in Wiener Retro-Charme in Bildern.

Fotos aus „Vintage Vienna“:

Zeitreise in das 20. Jahrhundert

Mit dem 160 Seiten starken Bildband soll eine Zeitreise in das 20. Jahrhundert möglich sein. „Vor allem die Farbfotos sind faszinierend, da sie die Menschen mehr in die Zeit hineinziehen“, so Martinek. Schwarz-Weiß-Aufnahmen würden dagegen eher surreal wirken.

Vintage Vienna
vintage vienna / metroverlag

Buchhinweis

Daniela Horvath, Michael Martinek: „Vintage Vienna“. Metroverlag

Da die Fotos im Internet wahllos aus allen Jahrzehnten gepostet wurden, war es zuerst schwierig, eine Ordnung für das Buch herzustellen. Es wurde schließlich wie eine Reise aufgebaut. Martinek: „Man kommt in Wien am Flughafen an und geht weiter in die Innenstadt. Man spürt, wie sich das Leben in der Stadt angefühlt hat, und es gibt Fotos aus der Peripherie.“

„Fotos sind aus dem Leben gegriffen“

„Wir haben viele Zusendungen bekommen, vom Pensionisten aus Floridsdorf bis zu Leuten aus Istanbul“, so Martinek. Am Buchcover ist beispielsweise ein norwegisches Brüderpaar zu sehen, dessen Vater 1949 bis 1951 in Wien als Filmfotograf arbeitete. Andere Bilder stammen von Menschen, die sich in Wien verliebt haben und jetzt in anderen Ländern leben.

Es sind Touristenfotos oder Erinnerungsbilder, die zu speziellen Anlässen wie Hochzeit oder Firmung gemacht wurden. Der besondere Charme der Bilder liegt im Unperfekten. Martinek: „Die Fotos wurden nebenbei geschossen und sind keine Profifotografien. Sie sind manchmal verwackelt und unscharf, aber stets aus dem Leben gegriffen.“

Faszination liegt im Detail

„Wir begeistern uns für Details auf alten Fotos. Wir sehen bekannte Straßen nun mit anderen Augen, wenn wir durch Wien gehen“, erklärt Martinek seine Leidenschaft für das Projekt. Die Bilder zeigen Geschäftsschilder, Baustellen, Autos, öffentliche Verkehrsmittel oder die Kleidung der Passanten. Dadurch lasse sich auch einiges über die Entwicklung, den Style und Charme der Großstadt erfahren.

Die Aufnahmen verdeutlichen außerdem, dass vieles schon wieder aus dem Stadtbild verschwunden ist: Die roten Waggons der Stadtbahn etwa sind genauso längst Geschichte wie der Friedensaktivist Waluliso, die 1976 eingestürzte Reichsbrücke und viele Bauten der Vorkriegszeit.

Alternative für „Facebook-Muffel“

Im Sommer 2012 startete das Projekt, seitdem werden auf Facebook unentwegt Vintage-Fotos geteilt und Fotokontakte geknüpft. Über 50.000 Menschen verfolgen die Seite bereits im Internet. Für „Facebook-Muffel“ wurde zusätzlich ein Blog gestartet, und auch eine App ist bereits verfügbar. Martinek: „Mit dem Buch sind wir jetzt auch dem Wunsch zahlreicher Social-Media-Verweigerer nachgekommen, die Bilder auch für sie zugänglich zu machen und die Idee auf Papier zu verewigen.“

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