Jank: Wahlkampf für Unternehmer

Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank ist im Wahlkampf die Wiener Frontfrau der ÖVP. wien.ORF.at hat sie im Wahlkampf begleitet und bemerkt, dass dabei Begegnungen mit dem gemeinen Wahlvolk nicht ganz oben stehen.

Kurz vor 11.00 Uhr in der Früh: Brigitte Jank auf Betriebsbesuch in der Mannerfabrik im 17. Bezirk, Schokoladeduft liegt in der Luft. Viel Zeit bleibt nicht, aber Brigitte Jank will sie nützen. Es ist einer von zehn Terminen an diesem Mittwoch, sie wird dabei begleitet von ihrem engsten Team. „Es ist so schön, zu ihnen zu kommen, weil da immer alle Köstlichkeiten auf dem Tisch stehen“, sagt sie zu Manner-Finanzvorstand Albin Hahn.

Zuerst geht es ins Sitzungszimmer, die ÖVP-Spitzenkandidatin stellt viele Fragen und informiert sich über den geplanten Ausbau des Standortes. 44 Millionen Euro will Manner in den nächsten drei Jahren investieren und die Firma modernisieren. Es ist zu spüren, dass sich Jank hier wohl fühlt und solche Termine schon tausende Male absolviert hat.

„Gut, dass Produktion in Wien bleibt“

„Es ist gut, dass Produktionsstandorte in Wien bleiben“, freut sich die ÖVP-Spitzenkandidatin. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Den Kaffee lehnt sie ab, ein Glas Wasser reicht. Als Geschenk wählt sie die „Coconuts“, gibt sie aber sofort an ihren Pressesprecher weiter. Aber die Einladung zur 100-Jahr-Feier von Manner nimmt sie gerne an. „Sehr schön, dass werden wir gleich vormerken.“

Der nächste Programmpunkt ist die Führung durch die Produktion. Ohne zu zögern zieht die Spitzenkandidatin den weißen Mantel und die grüne Kopfbedeckung an. Nicht alle Politiker würden sich so vor einer Kamera zeigen, ihr genügt ein kurzer Blick in den Spiegel. „Soweit ist das ganz gut gelungen, oder?“

Kritik an teurer Uhr: „Vollkommen uninteressant“

Brigitte Jank trägt keine Armbanduhr, wohl bewusst, nachdem sich eine Boulevardzeitung über ihre „19.000-Euro-Uhr“ mokiert hatte. „Damit habe ich nicht gerechnet, aber ich finde es vollkommen uninteressant. Ich möchte lieber über politische Herausforderungen reden als über Geschenke von vor 15 Jahren“, stellt sie klar. Und da hat sie eine klare Zielsetzung: „Ich möchte der ÖVP in Wien das Gesicht geben, wofür sie steht. Für die Leistungsträger, für das Unternehmertum, für Wirtschaften und für keine neuen Steuern.“

TV-Hinweis:
„Wien heute“ hat Brigitte Jank mit der Kamera begleitet. Den Beitrag können Sie hier online nachsehen.

Dann der Gang durch die Produktion, schnellen Schrittes an der Seite des Finanzvorstandes. Ein paar Fragen zu den Produkten und den Inhaltsstoffen der Schnitten. „Wo kommen die Haselnüsse her? Ah, aus der Türkei.“ Nach 15 Minuten ist die Führung auch schon wieder vorbei. Brigitte Jank hat keine einzige Hand eines Arbeiters geschüttelt, sie hört sich lieber die Sorgen der Unternehmensführung an, philosophiert über die 12-Stunden-Woche, eine Forderung der ÖVP. „Nur Unternehmer schaffen Arbeit. Ich bin die richtige Person, dass zu sagen, als Unternehmensvertreterin und Unternehmerin weiß ich, was es braucht.“

„Will inhaltlich auf die Leute zugehen“

Die Frage, ob sie hier als Spitzenkandidatin oder als Kammerpräsidentin auftritt, „stellt sich nicht.“ „Mein Ansatz ist es, inhaltlich auf die Leute zuzugehen. Man kann nur ein Volksvertreter sein, wenn man mit den Leuten spricht.“ Damit sind wohl die Unternehmerinnen und Unternehmer gemeint.

Das zeigt sich am Naschmarkt, dem nächsten Schauplatz, wo sie sich die Sorgen der Gastronomen und Marktstandler anhört. Die Ladezone, die fehlenden Parkmöglichkeiten für die Kundinnen und Kunden. Dazu gibt es Smalltalk über Austern, Käse oder Rhabarber. Brigitte Jank kennt viele der Gewerbetreibenden hier, sie ist ein gern gesehener Gast. Den Kontakt mit dem Wahlvolk suchen inzwischen in sichtbarer Distanz die gelben ÖVP-Helferinnen, die versuchen, ihre Flyer loszuwerden.

Brigitte Jank im Gespräch mit Unternehmer
ORF/Unger
Schnittenverkostung im Manner-Produktionswerk

Klares Wahlziel: „Plus zehn Prozent in Wien“

Die Grenzen zwischen der Interessensvertreterin und der Politikerin verschwimmen. Brigitte Jank wird nach der Wahl Nationalratsabgeordnete und Wirtschaftskammerpräsidentin sein. „Für mich ist das ein Vorteil, ich kann meine Kompetenz in die Gesetzgebung einbringen.“

Ihre Zielgruppe ist durch ihre Funktion definiert. Jank nimmt sich trotz des Termindrucks Zeit für die Unternehmerinnen und Unternehmer. Die übrigen Passanten haben sie zumindest am Naschmarkt kaum wahrgenommen. Dafür ist das Wahlziel ehrgeizig: „Plus zehn Prozent.“ Bei der Nationalratswahl 2008 erreichte die ÖVP in Wien 16,7 Prozent.

Peter Unger, wien.ORF.at

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