Aufreger von T.C. Boyle als Gratisbuch

„América“ wird ab Dienstag kostenlos in Wien verteilt. Es ist der umstrittenste Roman von T.C. Boyle. Sozialkritisch regt er zum Nachdenken an. Der Autor selbst kommt nach Wien. Bei Veranstaltungen von „Eine Stadt. Ein Buch“ kann man ihn treffen.

„Es war mein umstrittenster Roman, als er erschien, denn ich behandelte darin das heiße Eisen eines sozialpolitischen Themas – illegale Einwanderung in Südkalifornien – und viele Kritiker nahmen sich das Buch mit starken Vorurteilen vor. Ich musste eine Menge von Beschimpfungen, hinnehmen", sagt T.C. Boyle über seinen Roman. Brisantes ist dieses Jahr Thema bei der Gratisbuch-Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“.

Sozialkritik auch für Wien relevant

Die Sozialkritik ist auch für Wien und noch 18 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Relevanz. „Das Auseinanderklaffen der Einkommensschere und illegale Einwanderung sind leider auch in Österreich ein Thema“, so Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Das „herausragende Buch“ werde auch hierzulande „niemanden kalt lassen“.

Was sich verändert hat, ist die Sichtweise auf das Buch. Heute zählt „América“, im Original „The Tortilla Curtain“, zu den Klassikern der amerikanischen Gesellschaftskritik und ist ein Standardwerk in Highschools und Universitäten. „Es ist mein bei weitem populärster Titel“, so Boyle gegenüber dem Echo Medienhaus, das die Auswahl gemeinsam mit Häupl vornimmt. Die Titelgestaltung stammt von Tex Rubinowitz.

Aufeinanderprallen von zwei Welten

In „América“ begegnen einander zwei Familien. Die eine ist eine typisch amerikanische aus der Mittelklasse. Sie lebt in einer gut gesicherten Siedlung in der Nähe von Los Angeles. Die andere Familie ist illegal aus Mexiko eingewandert, inklusive der hochschwangeren Frau namens América. Die Figuren treffen mehrmals aufeinander. Durch das Wechseln der Perspektiven bewertet Boyle keine der beiden Seiten.

T.C. Boyle
APA/Jäger

„Der einzige Grund, warum wir individuelle Rassen haben, ist, dass die Welt einmal sehr sehr groß, sehr geräumig war. Aber jetzt ist die Welt sehr klein geworden, jeder kann überall sein, zu jeder Zeit“, so der Autor im Interview mit „Eine Stadt. Ein Buch“ und regt damit zum Nachdenken an. „Ich glaube, das Thema ethnische Identität wird sich bald auflösen. Andererseits wird die Welt immer noch von vielen Tyrannen und Banden regiert. Also, wer weiß, wie es weitergeht?“, fragt Boyle.

Boyle-Autogrammstunden und mehr

Boyle kommt für die Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ nach Wien. Er ist bei zahlreichen Veranstaltungen anzutreffen. Der 1948 im Hinterland von New York geborenen Thomas Coraghessan Boyle stammt aus prekären familiären Verhältnissen. Seine Eltern waren beide Alkoholiker. Nach schulischen Problemen, einigen Jahren als Hippie und Musiker studierte er Literatur an der University of Iowa. Mittlerweile hat Boyle zahlreiche Kurzgeschichtenbände und 14 Romane mit sehr unterschiedlichen Themen herausgebracht. Der populärste ist jedoch „América“.

Die mittlerweile zwölfte Aktion von „Eine Stadt. Ein Buch“ findet von 10. bis 13. September statt. 100.000 kostenlose Exemplare werden in den Volkshochschulen, zahlreichen Buchhandlungen sowie in ausgewählten Kaffeehäusern an die Leserinnen und Leser gebracht. Die bisher verteilten Romane wurden geschrieben von Autoren wie Nick Hornby, Imre Kertész, Ruth Klüger sowie Rafik Schami.

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