Verwirrung um NSA-Lauschposten

Der angebliche Horchposten des US-Geheimdienstes NSA in Wien soll in einem Jahr geschlossen werden. Die Technik der Villa im 18. Bezirk sei überholt, hat die Website „futurezone.com“ am Mittwoch berichtet. Die US-Botschaft dementiert den Bericht.

Die diplomatische Vertretung habe noch „keine Entscheidung über die Zukunft“ des Gebäudes getroffen, erklärte ein Sprecher am Mittwoch. Demnach existierten derzeit keine Pläne, die Villa im 18. Bezirk zu schließen. Zuvor hatte die Website „futurezone.com“ der Tageszeitung „Kurier“ berichtet, dass der angebliche Horchposten der NSA in einem Jahr aufgrund überholter Technik geschlossen werden solle.

Villa mit Turm
APA/Oczeret
Der angebliche NSA-Lauschposten in Währing

Villa seit 42 Jahren in US-Besitz

Den Stand der Technik wollte die US-Botschaft nicht kommentieren, bekräftigte jedoch erneut, dass es sich bei dem Gebäude in der Pötzleinsdorfer Straße um keinen Lauschposten des US-Geheimdienstes, sondern um ein „Open Source Center“ handle. Dort werden laut früheren Angaben lediglich öffentlich zugängliche Informationen aus aller Welt ausgewertet. Die Villa in der Pötzleinsdorfer Straße ist bereits seit 42 Jahren im Besitz der US-Botschaft, 1971 wurde sie gekauft.

„70 Prozent der Wiener Telekommunikation erfasst“

Der angebliche Lauschposten sorgt seit einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Format“ von vergangener Woche für Diskussionen. Sowohl das Innenministerium als auch die US-Botschaft wiesen den Bericht zurück.

Angeblich sollen in dem Objekt rund 70 Prozent des Telekommunikationsverkehrs der Bundeshauptstadt inklusive aller hier ansässigen internationalen Organisationen erfasst werden können. Die in Wien getroffene Vorauswahl an Daten werde dann an größere NSA-Rechenzentren in Süddeutschland weitergeleitet, hieß es. "Herzstück“ der Anlage soll ein direkter Anschluss an eines der leistungsfähigsten Glasfaserkabel Österreichs sein.

„Keine Hinweise auf Spionage“

Erst am Dienstag hat der Leiter des Bundesamts bei der Präsentation des aktuellen Berichts des Verfassungsschutzes auch zum angeblichen NSA-Horchposten im Westen Wiens Stellung genommen. Er habe keine Hinweise, dass es dort Spionagetätigkeiten gebe - mehr dazu in Keine Hinweise zu NSA-Horchposten.

Der angebliche Horchposten ist am vergangenen Sonntag Ziel eines „Spaziergangs“ mit rund 200 Teilnehmern gewesen. Aufgerufen hatte der Kommunikationsberater Rudolf Fußi. Als „privaten Spaziergang für Freunde der Architekturfotografie“ und nicht als Demonstration hatte Fußi die Veranstaltung bezeichnet - mehr dazu in „Spaziergang“ zu möglichem NSA-Horchposten.

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