Mariahilfer Straße: Zwei Demos in drei Tagen

Die Protest gegen die neue Mariahilfer Straße verlagert sich auf die Straße. Am Samstag demonstrierten Gegner und fordern ein Ende des Probebetriebs und eine „Ja/Nein-Befragung“. Es war die zweite Demo innerhalb von drei Tagen.

„Früher war die Mariahilfer Straße eine riesige Begegnungszone, da haben sich alle die Straße geteilt“, erklärt Christian Weissinger, Gründer der Bürgerinitiative „Gegen den Mariahilferstraßenumbau“. Momentan herrsche Chaos und Durcheinander auf den Straßen, es solle wieder so werden wie es früher war, meint er. „Die aktuellen Zustände entsprechen keiner Demokratie, sondern es herrscht eine Diktatur von Autohassern“, fährt er fort.

Großes Interesse in sozialen Medien

Die Mariahilfer Straßer polarisiert weiter. Die Initiative rief zu einer Demonstration auf der Einkaufsmeile auf. Gefordert wird, dass alle Begegnungszonen wieder entfernt werden und die Mariahilfer Straße wieder wird, wie sie früher war. Danach soll eine „Ja/Nein-Befragung“ durchgeführt werden.

Die Initiative ist vor allem auf Facebook präsent, wo sie seit der Gründung am 19. August bereits mehr als 8.200 Likes bekommen hat. Allerdings nicht nur von Menschen, die tatsächlich dagegen sind, sondern auch von Befürwortern der Veränderungen, die versuchen auf der Internetseite zum Umdenken anzuregen. Christian Weissinger hat die Initiative ins Leben gerufen. Diese besteht derzeit aus sieben Mitgliedern.

Keine Fußgänger-Schild auf der Mahü
APA/Georg Hochmuth
Keine Fußgängerzone mehr in der Mariahilfer Straße fordert die Initiative „Gegen Mariahilferstraßenumbau“

Initiative ist nicht parteipolitisch motiviert

Weissinger arbeitet bei den ÖBB und ist Betriebsrat bei der FSG, hinter der die SPÖ steht. Dennoch ist die Initiative nicht parteipolitisch motiviert. Weissinger wollte zwar die SPÖ einschalten, die Partei hat diese Kooperation jedoch abgelehnt. Von den Grünen wird Weissinger FPÖ-Nähe vorgeworfen, dies weist er jedoch entschieden zurück.

Die rot-grüne Stadtregierung will am Montag bei der von der ÖVP beantragten „Mahü“-Sondersitzung des Gemeinderats einen Antrag einbringen, wonach eine Ausweitung der Fuzo geprüft werden soll – mehr dazu in Mariahilf: Fuzo könnte noch wachsen.

Protest gegen Verkehrszunahme in der Burggasse

Der Unmut gegen das Projekt wird immer größer. Schon am Donnerstag demonstrierten etwa 40 Menschen in der Burggasse im siebenten Bezirk. Der Verkehr in der Burggasse sei seit dem Start der Probephase unerträglich geworden. Außerdem würden die Gewerbetreibenden mit Umsatzeinbußen in der Burggasse kämpfen, so der Tenor bei der Veranstaltung. „Es ist untertags stehende Kolonne, in der Nacht ist mehr Verkehr durch Taxis, Lkws und Busse, die hier früher überhaupt nicht gefahren sind. Am Wochenende ist es jetzt so wie es früher unter der Woche war“, sagte Andreas Wimmer, einer der Organisatoren der Demonstrationen.

Demonstration mit ungefähr 40 Leuten
ORF
Demo bei der Burggasse

Er plädiert dafür, dass Projekt zu stoppen, den Autoverkehr auf der Mariahilfer Straße wieder zuzulassen und das Projekt zu überdenken. Als Alternative schlägt Wimmer eine Shared-Space-Variante auf der gesamten Mariahilfer Straße vor. Unter die Demonstranten in der Burggasse mischten sich auch Befürworter, etwa der Unternehmer Thomas Giehser. Er tritt dafür ein, die gesamte Mariahilfer Straße zur Fußgängerzone zu machen.

Demo als Sitzstreik geplant

Die Verkehrssituation in den Seitengassen würde sich bessern, sagte Giehser: „Das ist ein Gewöhnungsprozess. Mittelfristig werden sich die Autos aus der Burggasse zurückziehen, weil wenn jemand das 20. Mal im Stau gestanden ist, wird er sich Umwege und andere Wege suchen."

Ursprünglich hätte die Demo als Sitzstreik direkt auf der Burggasse stattfinden sollen. Das wurde jedoch von der Behörde wegen eines drohenden Verkehrschaos untersagt. Unterstützung erhielten die Aktivisten von überraschender Seite. „Ich verstehe die Nichtgenehmigung der Demonstration in der Burggasse nicht“, übte Maria Vassilakou in einem Web-Posting Kritik. „Ich schließe mich zwar inhaltlich nicht der Protestaktion an, aber es steht jedem das Recht zu, für seine Anliegen einzutreten und sei es auch mit einem Sitzstreik auf einer Straße.“

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