SPÖ für längere Fußgängerzone

Mehrere SPÖ-Mandatare haben eine Ausdehnung der Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße und Querungsmöglichkeiten gefordert. Im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) ortet man „Chaos“ in der SPÖ.

Bisher hatten sich die Sozialdemokraten in der monatelangen Debatte über die „Mahü“-Maßnahmen zurückgehalten. Lediglich Bürgermeister Michael Häupl hatte sich unlängst in einigen Interviews mehr oder weniger für eine radlerlose Fußgängerzone und neue Querungen ausgesprochen - und damit nicht unbedingt die Linie der Grünen vertreten. Als Kompromiss beschloss Rot-Grün vor gut zwei Wochen im Gemeinderat, derlei Adaptierungsmöglichkeiten zu prüfen.

Noch vor dem Vorliegen der Ergebnisse preschte die SPÖ nun vor. „Wir wollen in der Mariahilfer Straße eine echte Fußgängerzone ohne Bus und Rad - am besten zwischen Andreasgasse und Stiftgasse“, so die unmissverständliche Forderung in einer Aussendung von Gemeinderatsvorsitzendem Godwin Schuster, Mariahilfs Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann, Gemeinderat Peko Baxant und dem stellvertretenden Bezirksvorsteher in Neubau, Rainer Husty.

Bildershow: Die „Fuzo“ in der „Mahü“

Andere Route für 13A gefordert

Eine Fußgängerzone ohne Bus heißt für die SPÖ aber nicht unbedingt, dass der 13A eine andere Route bekommen muss. Er könnte auch weiterhin über die Mariahilfer Straße fahren, dann müsste eben in diesem Bereich „der Zustand wie vor dem Probebetrieb“ wiederhergestellt werden - sprich: die Fußgängerzone zwischen Neubau- und Kirchengasse aufgehoben werden. Als Alternative gilt die Busführung durch die Neubaugasse in beide Richtungen.

Außerdem sprechen sich die Vertreter der SPÖ für zumindest zwei Querungsmöglichkeiten aus - nämlich Stumpergasse/Kaiserstraße und im Bereich Windmühlgasse/Karl-Schweighofer-Gasse. Sollte das nicht ausreichen, kommt für die SPÖ noch die Querung Schottenfeldgasse/Webgasse infrage.

Mit der gewünschten Ausweitung der Fußgängerzone bis zur Stiftgasse sei die untere Begegnungszone „entbehrlich“, das Straßenstück bis zur Zweierlinie solle wieder in beide Richtungen befahrbar werden, richtete man Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) zudem aus. Die Begegnungszone zwischen Andreasgasse und Kaiserstraße müsse gleichzeitig besser gekennzeichnet werden.

Kaufmann distanziert sich

Kurz nach der Aussendung ging Mariahilfs Bezirksvorsteherin Kaufmann auf Distanz zu der auch in ihrem Namen verfassten SPÖ-Aussendung. „Ich bleibe bei dem, was wir vereinbart haben: zuerst die bis Jahresende laufende Evaluierung abwarten, dann über Adaptierungen sprechen“, so Kaufmann auf Nachfrage der APA. Alles andere komme derzeit nicht infrage.

Kaufmann urlaubt derzeit im Ausland. Auf die Frage, ob sie an der Formulierung der SPÖ-Forderungen bzw. an der Aussendung gar nicht mitgewirkt habe, sagte sie: „Das könnte man so sagen.“ Laut „Standard“ will sich Kaufmann nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub über etwaige Konsequenzen Gedanken machen. „Mein Name ist wohl irrtümlich in die Presseaussendung hineingerutscht“, sagte sie.

Laut Carina Gröller, Pressesprecherin des SPÖ-Klubs, erging die Presseaussendung an alle namentlich erwähnten Madatare zur Freigabe. Diese hätten eineinhalb Tage Zeit gehabt, etwaige Einwände zu deponieren. Bei Kaufmann sei diese Mail aber nie eingetroffen, heißt es aus dem Büro der Bezirksvorstehung, „weder im Büro noch an die private Mail-Adresse“.

Grüne sehen „Chaos in der SPÖ“

Im Büro von Verkehrsstadträtin Vassilakou staunte man am Mittwoch über das Vorgehen des Regierungspartners. Man zeige sich in höchstem Maße verwundert über das „Chaos in der SPÖ“, so ein Sprecher gegenüber der APA. Mehr wolle man dazu aber nicht sagen, meinte er. In Sachen Mariahilfer Straße werde an den jüngst vereinbarten Plänen festgehalten - nämlich die derzeit laufende Verkehrszählung abzuwarten und dann über mögliche Adaptierungen zu entscheiden.

Verkehrssprecher Rüdiger Maresch reagierte mit der Aussage: „Das können die doch nicht ernst meinen.“ Denn wenn der rote Plan tatsächlich so umgesetzt würde, blieben lediglich zwei Häuserblocks als Fußgängerzonen über, betonte er. Das sei - gelinde gesagt - „schon ein bisschen eigenartig“, so Maresch in Richtung Sozialdemokraten.

Opposition für Ja/Nein-Befragung

Die ÖVP zeigte sich indes erfreut über die von der SPÖ angeregte „Reform des gescheiterten Vassilakou-Experiments“ und sah den „rot-grünen Beton“ in Wien bereits bröckeln. Landesparteichef Manfred Juraczka forderte zudem erneut eine Ja/Nein-Befragung zum Verkehrsberuhigungsprojekt.

Auch der Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus forderte eine verbindliche Bürgerbefragung mit klaren Ja/Nein-Fragen. „Die Anrainer und Kaufleute wissen am besten, wie die Mariahilfer Straße aussehen soll. Umfragen zeigen, dass drei Viertel ihre alte, gewohnte und bewährte Einkaufsmeile zurückhaben und nur kleine Verbesserungen wie etwa bei der Beleuchtung wollen“, hieß es in einer Aussendung der FPÖ.

Zonenvielfalt bei Umsetzung

Sollte sich die SPÖ mit ihren Forderungen durchsetzen, könnte es jedenfalls sein, dass die Verwirrung nicht unbedingt kleiner wird: Die Mariahilfer Straße würde dann - vom Gürtel aus betrachtet - zunächst aus einer Begegnungszone, dann einer Fußgängerzone, anschließend einer Quasibuszone (bei der Variante mit 13A in der „Mahü“), wieder einer Fußgängerzone sowie einer normalen Straße bestehen.

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