Frauen oft „verdeckt“ obdachlos

Laut Statistik sind Frauen häufiger von Armut betroffen als Männer. Sie suchen in Wien aber viel seltener institutionelle Hilfe, meistens aus Scham. Experten sprechen von der „verdeckten Wohnungslosigkeit“ bei Frauen, die sie oft noch ärmer macht.

Die Zahl der Hilfesuchenden bei der Wiener Wohnungslosenhilfe stieg in den vergangenen Jahren konsequent an. Frauen suchen in Wien allerdings viel seltener Hilfe bei Einrichtungen, obwohl sie laut Statistik häufiger von Armut betroffen sind.

Zweckpartnerschaften als Ausweg

Im Vorjahr etwa wurden 9.030 Menschen von der Wiener Wohnungslosenhilfe betreut, davon waren nur 2.450 Frauen. Experten sprechen vom Phänomen der „verdeckten Wohnungslosigkeit“ bei Frauen. Aus Scham suchen Frauen eher nach privaten Lösungen, die sehr oft in neue Abhängigkeiten führen. So nehmen viele auch eine gewalttätige Zweckpartnerschaft in Kauf, um ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht institutionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Frau geht in die Gruft
APA/Hochmuth
Eine Frau geht in die Hilfseinrichtung „Gruft“

Einrichtungen ausschließlich für Frauen

Auch wenn die Hilfseinrichtungen in der Regel Männern und Frauen offen stehen, werden sie vor allem von Männern beansprucht. In Wien gibt es deshalb fünf Einrichtungen mit mehr als 200 Plätzen, die sich ausschließlich an wohnungslose Frauen richten.

325.000 Personen in Wien sind armutsgefährdet. Es gibt einige österreichische Initiativen, die Hilfe anbieten - mehr dazu in 325.000 Wiener von Armut betroffen. Eine bekannte Wiener Obdachloseneinrichtung, die „Gruft“ im sechsten Bezirk, wurde vor kurzem erweitert - mehr dazu in Mehr Licht in der neuen „Gruft“.

Auch junge Menschen immer öfter betroffen

Obdachlosigkeit trifft auch immer häufiger Menschen unter 30, heißt es von der Caritas. „Das Bild des klassischen Sandlers hat ausgedient. An seine Stelle treten vermehrt junge Menschen, Frauen und psychisch erkrankte Personen“, sagte Klaus Schwertner, der Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien. Viele von ihnen finden akut Hilfe bei der zentralen Anlaufstelle „P7“ - mehr dazu in Hilfe für Obdachlose: „P7“ ist zehn.

Caritas-Direktor Michael Landau hat anlässliche des Internationalen Tages gegen Armut die Erhöhung der Mindestsicherung für Kinder, eine Novellierung des Mietrechts und die Stärkung des Sozialstaats gefordert. Landau sprach sich außerdem für die „Fortsetzung der Maßnahmen im Kampf gegen Arbeitslosigkeit“ unter jungen Menschen und eine Novellierung des Mitrechts aus. Dass die letzte Bundesregierung diese „schuldig geblieben“ sei, nannte er „fahrlässig“.

Dass Österreich im Vergleich zu anderen Ländern nicht so stark von der Wirtschaftskrise betroffen sei, sei auch ein Verdienst des Sozialstaats. Dieser dürfe nicht geschwächt werden, betonte Landau. Wenn „Milliarden Euro für die Rettung der Kärntner Pleitebank“ möglich sind, dürfe es keine Einsparungen im Bereich der Sozialleistungen geben.

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