Start für „neues“ Winterpalais

Die Prunkräume des einstigen Winterpalais von Prinz Eugen in der Wiener Innenstadt sind fertig renoviert. Ab Freitag gibt es ein dreitägiges Open House zum 350. Geburtstag von Prinz Eugen bei freiem Eintritt.

In den vergangenen Jahren wurde das Gebäude vom Finanzministerium benützt. Die künftige Bespielung der Räume in der Himmelpfortgasse erfolgt unter der Oberhoheit des Belvedere, das damit sowohl in der Sommerresidenz als auch im Winterpalais des Feldherrn Ausstellungen ausrichten kann.

Für den Betrieb und die Ausstellungen des laut Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco „unter der Führung des Bundesdenkmalamts fabelhaft restaurierten“ Winterpalais erhält das Belvedere künftig 2,55 Mio. Euro zusätzlich. Auf eine Besucherschätzung (Neun Euro kostet künftig der Eintritt ins Winterpalais, 25 Euro das Kombi-Ticket mit Oberen und Unteren Belvedere) wollte sich die Direktorin nicht einlassen: „Ich bin guten Mutes, aber genau werden wir es erst in ein paar Monaten wissen.“

Bildershow: Winterpalais von Prinz Eugen nach Renovierung

Strikte Trennung zum Finanzministerium

Die Renovierung und Wiedereröffnung der Prunkräume sei „das schönste Geburtstagsgeschenk, das wir Prinz Eugen machen können. Ich bin überzeugt, dass er auf einer Wolke sitzt und sich freut“, meinte Husslein-Arco. „Diese wunderschönen Prunkräume sollen nicht zum Residieren dienen, sondern der Bevölkerung zur Verfügung stehen“, erklärte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) in einer Aussendung.

Vom Finanzministerium, das in den übrigen Teilen des „zu einem modernen Bürogebäude adaptierten“ mehrteiligen Palais-Komplexes verbleibt, wird der museale Bereich strikt getrennt sein. Das Ausweichquartier im dritten Bezirk wurde vor fünf Jahren in Betrieb genommen, hunderte Beamte siedelten im Mai wieder in die Innenstadt zurück - mehr dazu in Finanzministerium siedelt zurück (wien.ORF.at; 31.5.2013).

Künftig nicht mehr durch ministerielle Regal-Einbauten verstellt, präsentiert sich nun auch die Sala terrena des Palais. Neben prächtigen Deckenmalereien wurden dabei allerdings auch erstaunliche Bausünden der Vergangenheit sichtbar. Auch die Prunkräume selbst konnten nur zum Teil auf den Originalzustand zurückgeführt werden und präsentieren sich teilweise als Resultat der späteren unter Maria Theresia vorgenommenen Adaptionen.

Eröffnungsschau über Prinz Eugen

Die bis 27. April laufende Eröffnungsschau „Prinz Eugen von Savoyen - 350 Jahre“ soll anhand von rund 65 Exponaten (die Hälfte davon aus dem Bestand des Belvedere) auf 1.500 Quadratmetern „Gelegenheit geben, die Räume zu bestaunen und darüber hinaus etwas über das Leben des Prinzen Eugen mitzunehmen“, erklärte Kurator Georg Lechner.

Wechselnde Besitzer

Prinz Eugen hatte das Grundstück 1694 erworben. Das Winterpalais entstand in drei Bauphasen zwischen 1697 und 1724. Nach Prinz Eugens Tod wurde der Bau getrennt, 1752 erwarb Kaiserin Maria Theresia das Palais. Nach einem Umbau wurde das Haus Sitz der Münz- und Berg- sowie der Justizbehörde und schließlich der Hofkammer als Vorgängerin des heutigen Finanzministeriums.

Dazu dient neben vielen Gemälden, einigen Prunkmöbeln, Rüstungsteilen und von den Türken 1683 erbeutete Waffen auch die Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies oder das neben der Privatkapelle aufgestellte, mit ausladenden Schnitzereien versehene „Prinz Eugen-Bett“ aus dem Stift St. Florian.

Künftig sollen die Prunkräume nicht nur für Barock-Ausstellungen, sondern auch für Ausstellungen zu historischen Themen genutzt werden. „Ich sehe das als ein Haus, in dem man nicht nur die Geschichte Österreichs sehr gut zeigen kann - denn ohne Prinz Eugen würde Europa heute anders aussehen“, so Husslein-Arco. In weiterer Folge sollen auch zeitgenössische Künstler eingeladen werden, sich mit den Prunkräumen auseinanderzusetzen.

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