Theater: Grüne für Auflösung der G4S-Verträge

Die Diskussion über den ausgelagerten Publikumsdienst des Burgtheaters an die Firma G4S reißt nicht ab. Am Freitag forderte Grünen-Bildungssprecher Wolfgang Zinggl die Bundestheater Holding auf die Verträge zu lösen.

Zinggl forderte die Bundestheater Holding auf „die Verträge mit G4S zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu lösen und alle Möglichkeiten zu prüfen, den Publikumsdienst wieder in die Personalhoheit der Holding oder der einzelnen Häuser einzugliedern“. Schließlich sei von einem öffentlichen Subventionsnehmer zu erwarten, dass er an Auftragsvergaben nicht nur ökonomische, sondern auch politisch-ethische Kriterien knüpft, so Zinggl zur APA.

Er stellte zudem infrage, ob das Outsourcing des Publikumsdienstes „tatsächlich die beste und kostengünstigste Variante für den Betrieb darstellt“ oder nur der Illusion einer eine schlanke Personalstruktur diene. Zinggl kündigte jedenfalls parlamentarische Anfragen zu diesem Thema an.

Billeteur löste Debatte aus

Der Billeteur Christian Diaz hatte am Sonntag der Vorwoche eine kurze Redepause genutzt, um auf der Burgtheater-Bühne sein Anliegen vorzutragen und gegen Outsourcing von Theaterdiensten an multinationale Firmen zu protestieren. Vor allem nachdem einige Tage später seine Kündigung bekannt wurde, reißt der Proteststrom nicht ab - mehr dazu in Intervention im Burgtheater.

Auch IG Kultur, Kulturrat „art but fair“, Grazer Autorenversammlung und einige andere fordern das Burgtheater dazu auf, nicht mehr mit G4S zusammenzuarbeiten - nicht zuletzt, weil die Firma als erstes Privatunternehmen ein Schubhaftzentrum im steirischen Vordernberg betreiben wird. „Es ist unerträglich und inakzeptabel, dass derartige Firmen auch mit Geld aus dem Kulturbudget bezahlt werden!“, empörte sich etwa der Kulturrat.

Unterschriftenaktion statt persönliches Gespräch

„Wenn ich einen Lieferanten habe, dann interessiere ich mich nicht dafür, mit wem er sonst noch Verträge hat, solange es keine nachweislich unseriösen Geschäftspraktiken gibt“, erklärte Bundestheater-Chef Georg Springer. Auch seitens der Mitarbeiter habe es nie Proteste gegeben. „Ich wage zu behaupten, dass jeder der Billeteure, die ein bisschen länger in einem unserer Theater arbeiten, weiß, wo ich sitze und wer ich bin und dass ich die Gesamtverantwortung habe. Wenn es eine Unzufriedenheit gibt, warum habe ich nicht den Funken einer Information bekommen?“

Menschenschlange beim Vorverkauf für das "Tote Hosen"-Konzert im Burgtheater im Juni 2009
APA/Roland Schlager

Stattdessen sei ihm eine Unterschriftenaktion übermittelt worden, bei dem sämtliche Mitarbeiter des Publikumsdienstes betonen, dass sie sich mit der Aktion von Christian Diaz nicht solidarisieren, „sondern vielmehr befürchten, dass sie nun ihre Beschäftigung, die ihnen viel Spaß macht, verlieren könnten.“ Diaz selbst sei auch nicht gekündigt worden, da er gar nicht fix angestellt war, sondern sich in Probezeit befand.

Was das Anhaltezentrum Vordernberg betrifft, verweist Springer auf die Präsentation des Konzepts von G4S, die bald erfolgen soll. „Nur weil jemand ein Schubhaftzentrum betreibt, heißt das ja nicht automatisch, dass da Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Das kommt doch darauf an, wie das geführt wird.“

Hartmann traf Billeteur

Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann traf sich mit Christian Diaz. Die Kritik an seinem Arbeitgeber, der Firma G4S, an die seit 1996 der Publikumsdienst ausgelagert ist, sei besprochen worden und habe „überwiegende Gemeinsamkeiten“ hervorgebracht, wie das Burgtheater auf seiner Facebook-Seite postete.

Sowohl Hartmann als auch der Billeteur Christian Diaz fanden „die Verknüpfung des Burgtheaters mit dem Sicherheitsdienstleister G4S kritikwürdig“, hieß es weiter. "Beide richten sich entschieden gegen dessen internationale Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen, aber auch gegen die Weise, wie in Österreich staatliche Institutionen Verantwortungsbereiche an diesen Konzern abtreten.

Hartmann wolle in jedem Fall auch weiterhin mit dem am Burgtheater angestammten Personal des Publikumsdienstes zusammenarbeiten, wurde betont, ihre Situation sei „prioritär in der weiteren Auseinandersetzung“. Von G4S will Hartmann nun genauere Informationen zum global ausgerichteten Verhalten des Konzerns fordern.

Zusammenarbeit seit 1996

Die Zusammenarbeit der Bundestheater mit G4S ist alles andere als eine Novität: 1996, als die Bundestheater noch der Kameralistik des Bundes unterlagen, mussten laut Finanzgesetz zwei Prozent der Planstellen eingespart werden. „Wir wollten keinen Einschnitt im künstlerischen Personal“, so Springer.

Eine Auslagerung der Transportdienste erwies sich bei näherer Prüfung als unwirtschaftlich, also traf es den Publikumsdienst. Das heutige G4S gewann die Ausschreibung, machte allen Beschäftigten der Bundestheater ein Angebot, sie zu übernehmen und sorgte letztlich für eine Einsparung über den Erwartungen, von damals bereits etwa acht Millionen Schilling pro Jahr.

"Abgesehen von den üblichen Kleinigkeiten gab es nie Probleme - aber viele Vorteile, die uns heute selbstverständlich vorkommen“, so Springer. Formal wurde der Vertrag damals vom Bundestheaterverband abgeschlossen - seit der Ausgliederung besteht er zwischen G4S und jeder der einzelnen Bühnengesellschaften. Theoretisch könnten diese Verträge jährlich gekündigt werden - „ich sehe dafür aber keinen Anlass“.

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