„Krieg gegen Kinder“ auf der Hohen Warte

Fotografien, Installationen und Fundstücke erzählen in der Ausstellung „Krieg gegen Kinder“ im Künstlerhaus von systematischer Gewalt in Wiener Erziehungsheimen. Der Fokus liegt auf dem ehemaligen Kinderheim „Hohe Warte“.

„Wir wollten herausfinden, was in dieser leerstehenden Villa auf der Hohen Warte los war“, so Künstlerin Michaela Putz. Gemeinsam mit Isabel Fröschl, David Kurz und Florian Steiner beschäftigte sich Putz künstlerisch mit dem ehemaligen Kinderheim. Putz: „Wir wollten aber nicht über die ehemaligen Heimbewohner sprechen, sondern mit ihnen eine gemeinsame Stimme finden. Da einige von ihnen künstlerisch tätig sind, haben wir sie eingeladen, ebenfalls ihre Arbeiten auszustellen.“

Fotos der Ausstellung:

Gewalt hinter Mauern

Das exemplarisch vorgestellte Kinderheim Hohe Warte glich einem Gefängnis und verdeutlicht, was unter einer „Totalen Institution“ zu verstehen ist: Die Heimkinder wohnten dort, gingen dort zur Schule, verbrachten dort ihre Freizeit und selbst Arztbesuche fanden dort statt. „Es ist nicht zuletzt dieser Abgeschiedenheit geschuldet, dass zahlreiche Zöglinge der Kinderheime entrechtet, misshandelt und gebrochen wurden“, heißt es in der Ausstellungsbroschüre.

Ausstellungshinweis:

„Krieg gegen Kinder“, von 6. Dezember 2013 bis 5. Jänner 2014, Künstlerhaus Wien

Die bedrückende Schau zeigt durch Fotoinstallationen, was von diesem Kinderheim übrig geblieben ist. Leere, desolate Räume sowie Wände mit heruntergerissenen Tapeten und Schmierereien erzählen eine eigene Geschichte. Auch Fundstücke, wie losgelöste Bodenplatten, Reste von Personalakten von Heimkindern und Einrichtungsgegenstände, wie eine Schultafel, werden ausgestellt.

Um das Thema zu vertiefen, werden zusätzlich Zeitungsberichte und Bücher aufgelegt sowie Filme gezeigt. Über Lautsprecher wird in den Ausstellungsräumen auch die Hausordnung einer Kinderpsychiatrie vorgelesen, die damals in vielen Heimen die Regel war.

System der Verschleierung

Mit Zitaten ehemaliger Heimbewohner und Passagen aus dem Bericht der HistorikerInnenkommission ist die Schau sowohl Beweisaufnahme als auch Interpretation. Im Fokus stehen die damals gängige Praxis der Verschleierung von Fakten und die dahinterstehende Systematik. „Wir versuchen eine Brücke von unserer Sicht als Außenstehende zur Sicht der ehemaligen Heimkinder zu schlagen“, so Putz.

Für Putz ist die Thematik deshalb so wichtig, weil Gewalt in Kinderheimen lange nicht beachtet und ernst genommen wurde. Putz: „Jetzt ist die Zeit, wo einiges passieren kann und auch immer mehr herauskommt. Wir wollen dieses Thema auch anders für Menschen erfahrbar machen.“

Hohe Warte
David Kurz
Die „Hohe Warte“ wurde als „unheimliches Schloss Bubenheim“ bezeichnet

„Hinrichtung einer Kinderseele“

Ergänzend zur Schau finden an den Samstagen zwischen 12. Dezember 2013 und 4. Jänner 2014 von 14.00 bis 18.00 Uhr Künstlergespräche im Erdgeschoß des Künstlerhauses statt. Dabei werden die beteiligten Künstler der Ausstellung abwechselnd anwesend sein und sich den Fragen interessierter Besuchern stellen.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf ein Gedicht von Peter Ruzsicska, der selbst in städtischer Kontrolle und Betreuung aufgewachsen ist. Oberhauser wird am 12. Dezember, um 18.00 Uhr, aus seinem Buch „Die blaue Decke. Hinrichtung einer Kinderseele“ vorlesen.

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