Wiener Festwochen mit „Herz und Hirn“

Der neue Intendant Markus Hinterhäuser möchte das anspruchsvolle Wiener Kulturprogramm mit seinen Festwochen noch toppen. Am 9. Mai 2014 wird eröffnet - mit dabei sind die „Cosi fan tutte“-Inszenierung Michael Hanekes und die Elektropop-Band Kraftwerk.

Hinterhäuser bringt neben Hanekes „Cosi fan tutte“ auch die Uraufführung einer Neufassung von Georg Friedrich Haas’ Oper „Bluthaus“ zu den Wiener Festwochen 2014. Die Elektropop-Pioniere von Kraftwerk spielen eine 3-D-Konzertreihe ihres Gesamtwerks im Burgtheater, der Intendant selbst wird Franz Schuberts „Winterreise“ am Klavier spielen.

„Herz und Hirn - darum geht es“

Matthias Goerne singt den Liederzyklus, der vom südafrikanischen Künstler William Kentridge eine ungewöhnliche visuelle Umsetzung erfährt: „Kentridge zeichnet 24 Animationsfilme zu den 24 Liedern der ‚Winterreise‘. Das ist eine fantastische Arbeit, die gerade entsteht und die ein völlig neues Bild auf die ‚Winterreise‘ gestattet“, sagte Hinterhäuser bei seiner ersten Programmpräsentation am Montag. Auf dem Umschlag des neuen Programmbuchs finden sich zwei Zeichnungen von Olaf Osten: Auf dem Cover ist ein Hirn auf einem Teller angerichtet, auf der Rückseite ein Herz. „Herz und Hirn - darum geht es“, sagte Hinterhäuser.

Neues Festivalzentrum im Künstlerhaus

Eröffnet werden die bis 15. Juni dauernden Wiener Festwochen am 9. Mai wie immer auf dem Rathausplatz. Im Mittelpunkt der Eröffnung wird der Arnold Schönberg Chor stehen. Neu sei ein Festivalzentrum im Künstlerhaus, sagte der Intendant, der bis 2016 die Festwochen leiten und danach zu den Salzburger Festspielen wechseln wird: „Das soll wirklich der Treffpunkt sein - für Publikum und Künstler. Es wird dort Filmreihen geben, Veranstaltungen, alle Premierenfeiern und Gastronomie. Man sollte jeden Tag dort hingehen.“

Programmpräsentation Wiener Festwochen 2014
APA/Herbert Neubauer
Schauspieldirektorin Frie Leysen, Intendant Markus Hinterhäuser, Geschäftsführer Wolfgang Wais und Wolfgang Schlag (v. l. n. r.)

„Da sollen alle unterschiedlichen Blicke auf unsere Zeit zusammenkommen“, wünscht sich die neue Schauspieldirektorin Frie Leysen vom neuen Festivalzentrum. Eine Trennung in klassische Genres wie Oper und Schauspiel wird auch im Programm nicht vorgenommen. Im Gegenteil: Auf Multidisziplinarität wird großer Wert gelegt, etwa in einer Personale von Tsai Ming Liang aus Taipeh mit einer Filmwerkschau, zwei Installationen und einer neue Theaterproduktion („Der Mönch aus der Tang-Dynastie“).

Liveschaltung ins Krankenhaus Lainz

„Ganz sicher wollen wir keine Fortsetzung des ohnedies sehr dichten und anspruchsvollen Programms, das ganzjährig hier passiert“, meinte Hinterhäuser zu seiner Festwochen-Programmierung. Als eines der ihm wichtigsten Vorhaben bezeichnete er eine Neuinszenierung Christoph Willibald Glucks Oper „Orfeo ed Euridice“ durch Romeo Castellucci.

Bei dem „schwierigen und delikaten Projekt“ werde es bei jeder Vorstellung Liveschaltungen in die Neurologische Abteilung des Krankenhaus Lainz geben, wo eine junge Patientin seit zweieinhalb Jahren im Wachkoma liegt. Es gehe dabei nicht um einen Bühnen-Realismus, sondern um ein Nachdenken über eine Welt des Übergangs, so Hinterhäuser, der von bewegenden Vorgesprächen mit den Eltern der Patientin berichtete, die auch selbst ihr Einverständnis kommuniziert habe.

Haneke nur noch in Wien zu sehen

Der neue Festwochen-Intendant freute sich, dass Hanekes Madrider „Cosi fan tutte“ zu den Festwochen kommen kann: „Diese Inszenierung gehört nach Wien, sie ist ein Wunder an Präzision und Interpretation und Lesart. Und sie wird vermutlich nur noch in Wien zu sehen sein, denn ich zweifle, dass sie künftig in Madrid noch gezeigt werden wird.“ Es singt das junge Ensemble der Originalbesetzung, es spielt die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, für Hinterhäuser „zurzeit eines der drei besten Orchester Deutschlands“.

„Bluthaus“ sei „eine großartige Partitur, ein fantastisches Stück neues Musiktheater, ein großes Drama, ein Krimi, der häufig an Hitchcock oder Kubricks ‚Shining‘ denken lässt“, schwärmte Hinterhäuser. Die Uraufführung der Neufassung der Haas-Oper wird Peter Mussbach inszenieren.

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