Blindenakustik: Lautsprecher in Kameraoptik

„Werden wir hier überwacht?“ Die MA 33 bekommt regelmäßig Anfragen von besorgten Wienerinnen und Wienern wegen „Kameras“ bei Fußgängerampeln. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um Lautsprecher für sehbehinderte Menschen.

„Viele sind verunsichert. Sie schicken uns Fotos und fragen, welchen Zweck die Kameras bei den Fußgängerampeln haben“, so Sonja Vicht von der MA 33. Um Aufklärungsarbeit zu leisten und um die eigene Ombudsstelle zu entlasten, macht die MA 33 darauf aufmerksam, dass es sich hier um Überkopflautsprecher für sehbehinderte Menschen handelt. Diese verstärken bei Grünphasen an der Fußgängerampel das Tick-Geräusch der Blindenakustikgeräte (BLAK).

Damit soll auch Vandalismus vorgebeugt werden, denn im Vorjahr wurden rund sechzig der blau-, gelb- oder orangefarbenen BLAK-Geräte mutwillig beschädigt. „Es gibt Menschen, die mit Füßen dagegentreten oder mit Messern den Blindenpfeil entfernen“, so Vicht. „Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Überkopflautsprecher beschädigt werden.“

Lautsprecher Blindenakustik
ORF / Florian Kobler
Bereits im Jahr 1995 wurden die ersten Überkopflautsprecher in Wien eingesetzt

Kameraoptik für bessere Akustik

Derzeit sind 705 Überkopflautsprecher in verschiedenen Ausführungen in Wien angebracht. Warum ihre Form an eine Kamera erinnert, hat vor allem akustische Gründe. „Durch die langgezogene Form geht der Schall besser auf die Fahrbahn“, so Vicht. Das bestätigt auch Günther Ertl, der auch mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Österreich (BSVÖ) zusammenarbeitet: „Die Überkopflautsprecher können, obwohl sie seitlich des Schutzweges angebracht sind, exakt auf die Mitte der Fahrbahn ausgerichtet werden.“

An kurzen Schutzwegen reicht oft ein tickendes BLAK-Gerät aus, damit sich sehbehinderte Menschen zurechtfinden. Bei Schutzwegen, die länger als zehn Meter sind, wird seit 2003 sowohl ein BLAK als auch ein Überkopflautsprecher vorgeschrieben. Ertl: „Daher sieht man viele solcher Lautsprecher entlang der Ringstraße.“

Lautsprecher Blindenakustik
ORF / Florian Kobler
Überkopflautsprecher im Kameradesign an der Ringstraße

Signal mit bis zu 80 Dezibel

Ein BLAK tickt während der Rotphase leise im Sekundentakt, damit sehbehinderte Menschen es finden. Auf der Unterseite befindet sich ein Vibrationspfeil, der gleichzeitig die Anforderungstaste für die Grünphase ist. „Nur wenn diese Taste aktiviert ist und die Fußgängerampel grün anzeigt, schalten sich die Überkopflautsprecher dazu“, so Ertl.

Damit soll die Lärmbelästigung für die Anrainer und andere Straßenbenützer eingegrenzt werden. Denn das Freigabesignal ertönt zwischen 120- und 180-mal aus den Überkopflautsprechern und hat je nach Verkehrslärm eine Lautstärke von bis zu 80 Dezibel. Ertl: „Das tackert dann fast wie ein Maschinengewehr.“

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