Wien bekommt 2015 „Mobilitätskarte“

„Öffis“, Carsharing, Citybike: Diese ganzen Angebote soll man ab 2015 mit einer einzigen Scheckkarte nutzen können. Das soll eine einfachere Abrechnung der Verkehrsangebote bieten und auch Rabatte bringen.

Wer möchte, kann ab 2015 sein Wiener-Linien-Jahresticket zur „Mobilitätskarte“ aufwerten lassen. Damit soll man möglichst unkompliziert unterschiedliche Mobilitätsangebote von Öffis über WIPARK-Garagen bis zum Citybike nutzen und von einzelnen Rabatten profitieren können. Mit dem Carsharing-Anbieter „Car2Go“ wird noch verhandelt. Ziel des Projekts ist ein noch umweltfreundlicherer Modal Split.

Park & Ride-Anlage Erdberg
ORF
Personen, die verschiedene Verkehrsmittel benutzen, sollen profitieren

Zwölf Euro teurer als Jahreskarte

Die Mobilitätskarte lassen sich die Wiener Stadtwerke 1,8 Millionen Euro kosten, sagte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Mittwoch vor Journalisten. Für Endkunden ist sie um 377 Euro zu haben und somit um zwölf Euro teurer als die herkömmliche Öffi-Jahreskarte.

Der Vorteil: Alles wird nur noch über eine einzelne Karte abgerechnet - egal, ob man mit der U-Bahn fährt, ein Leihrad benutzt oder sein Auto in einer Parkgarage abstellt. Dadurch erhofft man sich eine leichtere und (im Sinne eines Rückgangs des Individualverkehrs) intelligentere Verknüpfung diverser Fortbewegungsmöglichkeiten.

Weitere Angebote könnten dazukommen

Allerdings: Mit an Bord sind nach derzeitigem Stand vorrangig die stadteigenen Konzerne, was freilich Einschränkungen bringt. So kann die Mobilitätskarte vorerst nur in den Parkhäusern und Park-and-Ride-Anlagen der WIPARK genutzt werden - und das nur dann, wenn man eine Dauerparkkarte löst, wobei hier ein Rabatt von 14 Prozent winkt. In Sachen Rad kooperiert man mit den von der Gewista betriebenen Citybikes. Hier entfällt die einmalige Anmeldegebühr von einem Euro, ansonsten müssen die üblichen Tarife bezahlt werden.

Stadtwerke-Vorstandsdirektorin Gabriele Domschitz kündigte jedoch an, dass weitere Angebote hinzukommen sollen. Zuversichtlich zeigte sie sich, auch „Car2Go“ - mit dem Unternehmen verhandle man bereits konkret - und andere Carsharing- bzw. Mietwagenfirmen als Partner zu gewinnen. Taxis sind ebenfalls vorstellbar. „Wir rechnen mit 35.000 Mobilitätskartenkunden in den ersten beiden Jahren“, prognostizierte Domschitz.

Jahreskarte im Scheckkarten-Format

Wer die Zusatzfunktionen nicht braucht, kann freilich bei der herkömmlichen Öffi-Jahreskarte bleiben. Das jährliche Wertmarken-Kleben hat ab 2015 allerdings ein Ende. Dann beginnt nämlich die Umstellung auf Scheckkartenformat. Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl argumentierte dies unter anderem mit höherer Fälschungssicherheit.

Was den Preis anbelangt, versicherte Stadträtin Brauner, dass die Formatänderung „keinerlei Veranlassung“ für eine Preiserhöhung sei. Auf einen genauen Zeitraum, wie lang der 365-Euro-Tarif noch zu halten sei, wollte sie sich aber nicht einlassen - nur soviel: „Wir setzen alles daran, so lange wie möglich dabei zu bleiben.“

Lob von Koalitionspartner und Opposition

Als „wichtigen Schritt für mehr umweltfreundliche Mobilität in der Stadt“ bezeichnet Rüdiger Maresch, Verkehrssprecher der Wiener Grünen die Mobilitätskarte. Sie sei eine richtungsweisende Erleichterung für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Wien. „Damit gibt es eine deutlichen Anreiz für Pendlerinnen und Pendler, vom Auto auf die Öffis umzusteigen“, so Maresch.

Eine positive Reaktion kommt auch vom Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka. "Die Ausweitung der „einfachen" Jahreskarte auf eine Mobilitätskarte, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpft, ist ein vernünftiger Schritt und wird daher von der ÖVP Wien vollinhaltlich unterstützt“, so Juraczka in einer Aussendung. „In einer funktionierenden Marktwirtschaft müssen diese Angebote aber nicht zwingend nur von Unternehmen der Stadt Wien kommen.“

Smartphone-App soll Öffis verknüpfen

Was die bessere Verknüpfung von Verkehrsangeboten angeht, arbeiten Stadtwerke und ÖBB derzeit auch an einem österreichweiten Projekt namens „Smile“. Die App soll unter Einbeziehung aller individuell wählbaren Fortbewegungsvarianten anzeigen, wie man - je nach Prioritätensetzung - am Schnellsten, Günstigsten oder Umweltfreundlichsten von A nach B kommt.

Mit demselben Tool soll auch gleich der Kauf aller nötigen Tickets möglich sein, Echtzeitinfos bei Störungen sind ebenfalls vorgesehen. Derzeit wird noch geforscht. 2015 ist ein erster Probelauf mit 5.000 Personen angedacht, danach will man die schrittweise Umsetzung angehen. Insgesamt sind dafür sieben Mio. Euro budgetiert.

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