Burgtheater: 8,3 Millionen Euro Verlust

Der Zwischenbericht zur wirtschaftlichen Lage des Burgtheaters bestätigt den Verdacht: Für das Jahr 2012/13 ist mit einem Verlust von „voraussichtlich“ 8,3 Millionen Euro zu rechnen. Dazu könnten noch Steuernachzahlungen kommen.

Am Montag wurde der Aufsichtsrat des Theaters über die wirtschaftliche Lage im Detail informiert. Der Zwischenbericht weist „deutliche Indizien für gefälschte Belege und die Vorspiegelung falscher Tatsachen“ auf, heißt es in einer Aussendung der Bundestheater Holding.

Vorwürfe gegen Stantejsky „vollinhaltlich“ bestätigt

Gegen die mittlerweile entlassene ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky habe der Zwischenbericht die bisherigen Verdachtsmomente „vollinhaltlich bestätigt“. Es sei zu nicht nachvollziehbaren Ein- und Auszahlungen gekommen. Die rechtliche Prüfung des Falles soll bis Ende Februar abgeschlossen sein - bis dahin werde auch der Endbericht vorliegen. Man behalte sich „alle notwendigen rechtlichen Schritte bis hin zur Einleitung strafrechtlicher Maßnahmen“ vor.

Der voraussichtliche Bilanzverlust des Burgtheaters macht laut dem Zwischenbericht 8,3 Millionen Euro aus. 5,6 Millionen Euro resultieren aus einer „geänderten Abschreibungsmethodik“, 1,1 Millionen Euro aus „nicht nachvollziehbaren Buchungen“. Die Personal- und Betriebskosten haben 0,9 Millionen Euro mehr verschlungen, falsch kalkulierte Gastspielerträge schlugen sich mit einem Verlust von 0,7 Millionen Euro zu Buche.

Silvia Stantejsky
APA/Clemens Fabry
Silvia Stantejsky weist alle Vorwürfe zurück

Steuernachzahlungen möglich

Zusätzlich stünden „aufgrund formaler Versäumnisse der kaufmännischen Direktion" auch Steuernachzahlungen im Raum, wie es in der Aussendung der Bundestheater Holding heißt. Die Wirtschaftsprüfer hätten bereits eine Offenlegung an die Finanzbehörde übermittelt.

Die endgültige Bilanz für 2012/13 soll Ende April vorliegen, das laufende Geschäftsjahr sei mit Ausnahme der Steuernachzahlungen „nicht belastet“. Bundestheater-Chef Georg Springer betont in der Aussendung, das Burgtheater arbeite „künstlerisch äußerst erfolgreich und ist in keiner Weise in seiner Existenz gefährdet“.

Stantejsky: Vorwürfe „ungeheuerlich“

Stantejsky bezeichnete die Vorwürfe, dass sie Belege gefälscht haben soll, als „ungeheuerlich“. Sie habe niemandem Informationen über die finanzielle Situation des Burgtheaters vorenthalten, sagte sie in einer Aussendung. Sie habe die Kontrollinstanzen immer vollständig informiert, die schwierige Situation des Burgtheaters sei allen verantwortlichen Personen bekannt gewesen. Sie sei immer bereit gewesen, alle Zahlungsflüsse zu erklären und bekräftigte, dass ihrer Ansicht nach alle Auszahlungen rechtmäßig erfolgt seien.

Stantejsky klagte gegen Entlassung

Ein endgültiger Bericht war nach der vergangenen Aufsichtsratssitzung des Burgtheaters für Ende Februar angekündigt worden. Der Aufsichtsrat des Burgtheaters hatte damals „zustimmend zur Kenntnis genommen“, dass die fristlose Entlassung Stantejskys „rechtlich notwendig war“, hieß es nach der Aufsichtsratssitzung - mehr dazu in Burgtheater: Bericht belastet Ex-Vizedirektorin.

Stantejsky hat gegen ihre Entlassung Klage beim Wiener Arbeits- und Sozialgericht eingereicht. Nachdem eine erste Tagsatzung zunächst einvernehmlich verschoben wurde, ist nun für 7. April ein erster Termin anberaumt - mehr dazu in Burgtheater-Vizedirektorin: „Kein Parallelsystem“.

Der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, forderte am Montag eine komplette Offenlegung der Kosten und der Verbindlichkeiten des Burgtheaters und der Bundestheater Holding. Das Defizit habe nicht eine Frau zu verantworten, sagte Zinggl, irgendwann hätten die Kontrollorgane „rechtzeitig etwas bemerken müssen“.

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