Ungarn sagt Gastspiel an Burg ab

Die Burgtheaterkrise zieht auch internationale Kreise. Während Direktor Matthias Hartmann aus der Schweiz unter Druck gerät, hat das Ungarische Nationaltheater ein Gastspiel wegen der „um das Burgtheater entstandenen unsicheren Lage“ abgesagt.

„Wir lesen in den Medien, dass das von Ihnen geführte Theater bei einem Budget von 50 Millionen Euro 8,3 Millionen Euro Verluste anhäufte“, ist in einem Brief zu lesen, den der Intendant des Nationaltheaters, Attila Vidnyanszky, an Hartmann schickte. Darin berief er sich auf Informationen aus Wien, die in Zusammenhang mit Hartmann von „Veruntreuung, Datenfälschung, kreativer Buchhaltung, Überweisen von öffentlichen Geldern auf Privatkonten“ und darüber berichten, dass „Sie Ihren Bruder und Schwager mit der Leitung des Jugend-Programms betrauten“.

Retourkutsche für Burgtheater-Absage?

Vor diesem Hintergrund sei das Burgtheater „nicht der richtige Schauplatz, um hinsichtlich der Angelegenheiten eines anderen Landes die Vermittlerrolle zu spielen“, so Vidnyanszky. Das Ungarische Nationaltheater hätte am für März geplanten „Ungarn-Festival“ teilnehmen sollen. Im Vorjahr hatte das Burgtheater eine Einladung zu einem internationalen Theaterfestival nach Budapest im September 2013 abgelehnt.

Als Grund für die Absage wurde damals angeführt, dass der gute Ruf des Burgtheaters nicht benützt werden solle, „um den beschädigten Ruf der ungarischen Kulturpolitik zu reparieren“. Methode und Argumente der Ablehnung bezeichnete Vidnyanszky nun als „außerordentlich beleidigend“. Mit seiner Absage wolle er nun sein Theater und Ensemble davor schützen, dass sie wegen der im österreichischen Theaterleben „tobenden Debatten, wegen Ereignissen mit Skandalgeruch zu irgendeinem Spielball“ werden.

Wirtschaftsprüfer-Bericht in zwei Wochen

Unter Druck geriet Burgtheater-Direktor Hartmann wegen der wirtschaftlichen Lage des Burgtheaters. Der Zwischenbericht zur wirtschaftlichen Lage des Burgtheaters bestätigte den Verdacht: Für das Jahr 2012/13 ist mit einem Verlust von „voraussichtlich“ 8,3 Millionen Euro zu rechnen. Dazu könnten noch Steuernachzahlungen kommen. Gegen die mittlerweile entlassene ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky habe der Zwischenbericht die bisherigen Verdachtsmomente „vollinhaltlich bestätigt“ - mehr dazu in Burgtheater: 8,3 Millionen Euro Verlust.

Hartmann ist seit 2009 Direktor des Burgtheaters, sein Vertrag läuft noch bis 2019. Der Aufsichtsrat hat sich mehrfach hinter den Intendanten und dessen „erfolgreiche Arbeit“ gestellt. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sagte, „gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren“. Er werde den Endbericht der Wirtschaftsprüfer abwarten, der in etwa zwei Wochen vorliegen solle. Einem Treffen mit dem Ensemble stehe er jedoch offen gegenüber. Das Burgtheater erhält Subventionen in Höhe von 46,3 Millionen Euro.

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