Opernball: Anzeige nach Schlägerei

Eine Schlägerei neben der Loge von Richard Lugner hat nun polizeiliche Ermittlungen zur Folge. Ein Ballbesucher pöbelte mehrere Gäste an und kassierte dafür einen Faustschlag. Neben der Schlägerei hatte Lugner auch Ärger mit Kim Kardashian.

Ein sichtlich angeheiterter Ballbesucher hatte sich offenbar vom regen Treiben rund um die Loge Lugners gestört gefühlt. Neben Journalisten und weiteren Gästen pöbelte er auch den deutschen Moderator Johannes B. Kerner an. Ein Begleiter des TV-Promis schlug dem Mann im Zuge des Streits mit der Faust ins Gesicht. Das Opfer erlitt eine blutende Wunde. Polizeisprecherin Barbara Riehs bestätigte am Freitag, dass Anzeige erstattet worden sei und die Polizei ermittle.

Ärger hatte Lugner auch mit seinem diesjährigen Stargast. Kim Kardashian spielte beim Blitzlichtgewitter nicht mit. Sie schlich mit ihrem eigenen Kamerateam und in Begleitung des Baumeisters durch einen Seiteneingang in die Oper. Die Reporter bekamen nur noch die Kehrseite des It-Girls zu sehen.

„War das nicht die Kardashian?“, fragten sie sich verdutzt. Doch bevor die Fotografen aus ihren Boxen ausbrechen konnten, war die Amerikanerin längst in der Oper verschwunden. Die Sicherheitstruppe des It-Girls war einem Lugner-Security zufolge „höchstgradig paranoid“. „Sie sahen überall Gefahren“, meinte der Sicherheitsbeauftragte.

Kurzer Auftritt von Kardashian

Ein kleiner Trost blieb dem Baumeister: Er konnte den deutschen Comedian Oliver Pocher in seiner Loge begrüßen, den Lugner-Schwiegersohn „in spe“ Helmut Werner kurzfristig verpflichtete. „Ich bin vor drei Stunden angerufen worden, weil die Miss nicht gekommen ist. Ich bin ja der perfekte Ersatz“, sagte Pocher. Und Kardashian, die die meiste Zeit in ihr Handy starrte, tat dann ihre Pflicht. „Es ist toll hier, viel glamouröser ,als ich es mir vorgestellt habe“, hauchte sie ins Mikrofon. Kurz danach verließ sie den Ball, auch Pocher war wieder weg.

Auslöser für Kardashians vorzeitigen Abgang soll US-amerikanischen Medien zufolge zum einen der Auftritt eines Ballbesuchers gewesen sein, der sie mit schwarz bemaltem Gesicht mehrmals vergeblich zum Tanz aufgefordert haben soll. Zum anderen soll eine Ankündigung von Oliver Pocher für Stirnrunzeln gesorgt haben. "Er werde vielleicht noch tanzen, warte jedoch auf ‚Niggas in Vienna‘“, hatte Pocher gemeint - in Anspielung auf „Niggas in Paris“, einen Song von Karadishian-Ehemann Kanye West.

„Ich bin froh, dass sie weg ist“, meinte Lugner, dessen Fazit ernüchternd ausfiel. „Ich habe für das Honorar zehn Minuten mit ihr verbracht“, sagte der Baumeister - mehr dazu in Kardashian versetzte Lugner mehrmals. Immerhin sei sie aber „eine schöne Frau“ gewesen. Lugner musste den Rest des Abends mit seiner Entourage allein in seiner Loge verbringen.

„Einmal muss man Opernball gesehen haben“

Ab 21.00 Uhr trudelten die Gäste nach und nach in der Oper ein, das Gedränge hielt sich aber in Grenzen. Michael Schade, Sänger bei der Eröffnung, zeigte sich auf dem roten Teppich in bester Laune. „Ich freue mich wahnsinnig, so wie früher auf einen Kindergeburtstag“, sagte der Sänger. Gesichtet wurden etwa auch der Künstler Christian Ludwig Attersee, Starpianist Rudolf Buchbinder, TV-Moderator Johannes B. Kerner und DJ Ötzi.

Heinz Fischer im Radio-Wien-Interview:

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Johannes B. Kerner im Radio-Wien-Interview:

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Bundespräsident Heinz Fischer kam mit Staatsgast Kofi Annan. „Ich mag Österreich und bin gekommen, meine Freunde hier zu sehen, meinen Freund Heinz Fischer. Meine Frau und ich haben gesagt, einmal im Leben muss man den Opernball gesehen haben“, streute Annan dem Ball und Österreich Rosen.

Auch die Regierungsspitze, Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), nahm am Opernball teil. Die Hypo sei „kein Thema“ an diesem Abend, sagte Spindelegger. „Ausblenden kann man die Politik natürlich nicht ganz, soll man auch nicht“, so der Finanzminister. Für den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) stand vor allem das Treffen von netten Leuten im Vordergrund. „Das ist sicher das Netteste am Ball.“ Politisieren wollte auch er nicht: „Ich treffe die Minister eh so auch.“

Fulminante Choreographie

Bei der Eröffnung wurde auf das Wiener Lied und auf liebliche Operetten verzichtet, stattdessen gab es ausschließlich Opernarien. Nach dem Einzug der Debütanten zur Fächerpolonaise von Carl Michael Zierer - die Damen mit violetten Sträußchen - gab Margarita Gritskova in einer temperamentvollen Darbietung von Gioachino Rossinis „Di Tanti Palpiti“ aus „Tancredi“ zum Besten. Danach folgte Anita Hartig mit ihrer gefühlvollen Interpretation von „Depuis Le Jour“ aus Gustave Charpentiers „Louise“. Schade präsentierte „Pourquoi Me Reveiller“ aus Jules Massenets „Werther“.

Renato Zanellas Ballett tanzte eine fulminante Schwarz-Weiß-Choreographie zu „Danse Diabolique“ von Josef Hellmesberger dem Jüngeren. Die Wiener Philharmoniker unter der Führung von Marc Minkowski waren nur mit einem Teil des Orchesters vertreten - der andere war bei der Wiener Woche in New York. Sie spielten die Ouvertüre von „La Gazza Ladra“ von Gioachino Rossini. Für die Choreographie der Debütanten zeichneten die Tanzlehrer Richard Fränzl und Eddy Franzen verantwortlich, die sich für eine klassische Wiener Eröffnung entschieden.

Viele Minister fehlten

Der Opernball war selten so unpolitisch wie heuer. Die Polizei vor dem Haus am Ring war eher unterbeschäftigt, keine einzige Gegendemo war angemeldet. Auch wenn die Regierungsspitze anwesend war, fehlten doch zahlreiche Minister. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zog es vor, nur die Polizei vor der Oper zu besuchen. Für Faymann hatte das Fernbleiben seines Teams keine Signalwirkung. „Es sind so viele Prominente da, da muss nicht die ganze Regierung vertreten sein.“ Trotzdem schwebte das Thema Hypo über den Logen der Politiker. „Ich habe die Eröffnung sehr genossen, auch wenn ich wirtschaftliche Fragen nicht wegschalten kann“, sagte Faymann.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) hatte die US-Botschafterin in Wien, Alexa Wesner, zu Gast. Sie ließ offen, ob sie das Tanzbein schwingen werde. „Ich habe viel getanzt, habe aber aufgehört. Ich bin etwas eingerostet, jetzt nehme ich aber wieder Stunden mit meinem Mann.“

Mikl-Leitner
ORF.at/Roland Winkler
Die Innenministerin blieb bei ihren Polizisten

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