Burgtheater: Geschwärzter Prüfbericht online

Seit kurzem ist der am 27. Februar ausgefertigte Untersuchungsbericht der KPMG („Projekt Sopran“) zu den Buchungsvorgängen im Wiener Burgtheater zum Download verfügbar. Zahlreiche Stellen sind aber geschwärzt.

„Aus datenschutzrechtlichen Gründen musste eine Anonymisierung einzelner Berichtsteile und Textpassagen vorgenommen werden, da in dem Bericht namentlich erwähnte Personen ihre Zustimmung zur Veröffentlichung nicht erteilt (haben)“, heißt es dazu auf der Homepage.

„Vorspiegelung falscher Tatsachen“

Untersucht wurden die von der ehemaligen Kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky zu verantwortenden Buchungsvorgänge. In der Zusammenfassung des Berichts ist u.a. zu lesen, dass Einzahlungen in der Kassa, die als „ein wesentliches Element der Liquiditätssteuerung“ festgemacht wurde, teilweise „ohne Wissen der im Kassabuch eingetragenen Person - also in fremden Namen - auf Anweisung von Frau Stantejsky erfolgten“. „Frau Stantejsky hat laufend Einnahmen und Ausgaben ohne Einbeziehung der Kassa getätigt“, heißt es weiter.

Wie verschiedentlich bereits berichtet, ist von „gefälschten Belegen und Vorspiegelung falscher Tatsachen“ die Rede. Insgesamt widerspreche die Vorgangsweise „den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung und gibt in der unterjährigen Finanzberichterstattung an die Stakeholder (künstlerische Direktion oder Aufsichtsrat) die finanzielle Situation des Unternehmens falsch wider. Aus den beschrieben Umständen ist ableitbar, dass Frau Stantejsky nicht im Sinne der Geschäftsleitungspflichten gehandelt hat, wie es von einem sorgfältig handelnden Kaufmann zu erwarten ist. Vielmehr ist indiziert, dass das beschriebene Umfeld gewollt war, um Vorgänge zu verschleiern.“

Keine „Trennung von Schlüsselfunktionen“

Dem fundamentalen Element eines Internen Kontrollsystems, „der Trennung von Schlüsselfunktionen im Unternehmen, wurde nicht Rechnung getragen“, so der Bericht. „Als äußerst kritisch ist der Umstand zu sehen, dass Frau Stantejsky das Vermögen von Vertragspartnern der Burgtheater GmbH verwaltete und auch buchhalterische Aufgaben für Vertragspartner wahrgenommen hat.“

Es sei unmöglich nachzuvollziehen, „ob die Forderungen der Leistungserbringer gerechtfertigt waren, ob Frau Stantejsky im Namen der Burgtheater GmbH oder für Dritte handelt bzw. welche finanzielle Interessen von der kaufmännischen Direktion der Burgtheater GmbH vertreten werden.“

Abgesehen von 129.000 Euro, die im Zeitraum der letzten drei Geschäftsjahre offenbar „zu viel ausgezahlt wurden“, da für diese Beträge weder Verträge noch Honorarnoten auffindbar waren, werden in dem Bericht keine Schadenssummen aufgelistet. Abschließend heißt es: „Zu Frau Silvia Stantejsky hat unsererseits kein Kontakt stattgefunden.“

Stantejsky klagte gegen Entlassung

Der durch die gegen Ende des Vorjahres entlassene frühere kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky verursachte Schaden war (inklusive von möglichen Steuer-Nachforderungen) seitens des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Georg Springer auf bis zu 7 bis 8 Mio. Euro beziffert worden. Wegen des Verdachts auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Stantejsky bestreitet alle Vorwürfe und hat gegen ihre Entlassung Klage eingereicht - mehr dazu in „Burg“: Stantejsky sieht sich als Sündenbock. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hat den Burgtheater-Aufsichtsrat um Einholung mehrerer Rechtsgutachten ersucht, in denen u.a. die Mitverantwortung von Direktor Matthias Hartmann und anderer Organe des Burgtheaters geklärt werden soll - mehr dazu in -Burgtheater: Jetzt wird Hartmann geprüft.

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