Burg: Hermann Beil als Interims-Chef?

Der Abgang von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann stellt nun auch dessen Regie-Arbeiten in Frage. Es gibt auch neue Steuervorwürfe gegen Hartmann. Unterdessen taucht der Name Hermann Beil als Interimschef auf.

Hermann Beil, Ex-Burgtheater-Chefdramaturg und Weggefährte von Claus Peymann, soll laut einer Vorabmeldung des Magazins „News“ als Interimsintendant auf den am Dienstag entlassenen Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann folgen. Aus dem Kulturministerium hieß es dazu, die Gespräche über einen Interimsdirektor für das Burgtheater seien „nach wie vor im Gang“. Eine Einigung auf Hermann Beil wollte man gegenüber der APA nicht bestätigen und verwies auf die Bekanntgabe nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch.

Hermann Beil, Archivbild
APA/Settnik Bernd /dpa
Hermann Beil

Auch Hermann Beil will „zu Spekulationen keinen Kommentar“ abgeben, wie ein Sprecher des Berliner Ensembles auf Anfrage der APA ausrichten ließ. Beil war in den vergangenen Tagen immer wieder in Medienberichten genannt worden. Der Interimschef soll die Geschäfte an der Burg leiten, bis eine langfristige Nachfolge für Hartmann gefunden wird. Dies dauert mindestens bis zur Saison 2015/2016.

13 Jahre Kodirektor neben Peymann

Der Dramaturg Hermann Beil leitete als Kodirektor das Burgtheater gemeinsam mit Claus Peymann 13 Jahre lang. Er wurde am 9. August 1941 in Wien geboren und studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Musik in Mainz. Ab 1965 arbeitete er als Dramaturg am Theater. Von Frankfurt führte ihn sein Weg über Basel 1974 zu Claus Peymann nach Stuttgart, dem er auch als Dramaturg nach Bochum und von 1986 bis 1999 als Kodirektor ans Burgtheater folgte. Seit 1999 arbeitet er als Dramaturg am von Peymann geleiteten Berliner Ensemble.

Zahlreiche Schriftsteller setzten Beil in ihren Arbeiten ein Denkmal: Thomas Bernhard widmete 1987 Beil das Dramolett „Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese“, Peter Esterhazy schrieb für ihn das Dramolett „Affolter, Meyer, Beil (Don Juan oder Die glückliche Familie)“, uraufgeführt im Großen Saal des Mozarteums in Salzburg im Jahr 2006. Zusammen mit Claus Peymann spielte er bei den Wiener Festwochen 2006 Bernhards „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“, das in Folge auch am Berliner Ensemble Premiere hatte.

Premiere von „Im falschen Film“ wackelt

Ostermayer hatte zuletzt auch die Regiearbeiten Hartmanns als grundsätzlich nicht von der Entlassung betroffen bezeichnet. Das könnte nun doch anders sein, denn die Premiere von Hartmanns Projekt „Im falschen Film“ am 6. April scheint mehr als fraglich. Es gebe „derzeit keine rechtliche Basis“ für das Projekt, hieß es aus dem Burgtheater. Die Regieverpflichtungen Hartmanns seien Teil des vor kurzem aufgelösten Dienstvertrages und nicht mit separaten Verträgen geregelt gewesen.

„Man müsste sich daher vertraglich mit Hartmann neu einigen. Momentan ist alles gekappt“, sagt auch Hartmann-Anwalt Werner Schima im kommenden „profil“. Eine Entscheidung, wie mit der Produktion, die auf dem ersten von Matthias Hartmann selbst geschriebenen Stück basiert, zu verfahren ist, muss die neue interimistische künstlerische Leitung unmittelbar nach ihrer für kommenden Mittwoch (19.3.) vorgesehenen Bestellung fällen. Die Entscheidung darüber muss nämlich Mitte nächster Woche, rechtzeitig vor dem Vorverkaufsbeginn für April, fallen.

Mehr Spielraum bei „Letzte Tage der Menschheit“

Etwas mehr Handlungsspielraum könnte die kommende Leitung für das Koproduktionsprojekt „Die letzten Tage der Menschheit“ haben, das bei den Salzburger Festspielen Premiere haben und ab Saisonbeginn in Wien gezeigt werden soll. Sollte man sich bei dieser Inszenierung nicht mit dem als Regisseur vorgesehenen Ex-Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann einigen können oder wollen, könnten die Wahl eines anderen Regisseurs bzw. einer anderen Regisseurin als Alternativlösung im Raum stehen.

„profil“: Angeblich höhere Barauszahlungen

Die Vorwürfe gegen Hartmann könnten sich noch ausweiten. Das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, dass Hartmann im Juli 2009 nicht 233.000 Euro, sondern 363.000 Euro bar von der damaligen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky erhalten haben soll. Dabei handle es sich angeblich um Honorare für die Vorbereitungsjahre, in denen der designierte Direktor noch kein Konto in Wien hatte.

„profil“ zitiert den Arbeitsrechtler Bernhard Hainz, der für die Bundestheater-Holding tätig ist: „Hartmann war entgegen seiner Beteuerung, vom Schattenverrechnungssystem, das Stantejsky aufgezogen hatte, nichts gewusst zu haben, sogar selbst daran beteiligt.“ Er sprach sogar von einem „Modell der Steuerhinterziehung“.

Mögliche Steuervorwürfe in der Schweiz

Steuervorwürfe gegen Hartmann wurden auch in der Schweiz laut. Der Schweizer „Tagesanzeiger“ berichtet in seiner Samstagausgabe, dass Hartmann im Sommer 2009 bei seinem Wechsel vom Zürcher Schauspielhaus an die Wiener Burg möglicherweise die Steuerbehörden in der Schweiz und in Österreich getäuscht haben könnte.

Dabei geht es um die oben angesprochenen 233.000 Euro und die Frage, ob und wo diese versteuert wurden. Denn laut „Salzburger Nachrichten“ (Samstag-Ausgabe) liegt zwar eine Ansässigkeitsbestätigung des Zürcher Finanzamts bis zum 20. Juli 2009 vor, doch ist diese mit 24. Februar 2014 datiert: „Offenbar wurde sie erst jetzt und nach Berichten über fünf Millionen Steuerschulden nachgereicht, die genau wegen solch fehlender Steuerformulare drohen.“

Hartmann am Dienstag entlassen

Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hatte am Dienstag die Konsequenzen aus der aktuellen Finanzaffäre des Wiener Burgtheaters gezogen und Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann entlassen - mehr dazu in Ostermayer entlässt Hartmann (news.ORF.at)

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