Bergmann neue Burgtheater-Chefin

Karin Bergmann übernimmt nach der fristlosen Entlassung von Matthias Hartmann die interimistische Leitung des Burgtheaters. Bei ihrer Vorstellung zeigt sie sich selbstbewusst: „Ich weiß, dass ich kein Notnagel bin.“

Die gebürtige Deutsche Karin Bergmann war unter dem einstigen Burgtheater-Direktor Claus Peymann nach Wien gekommen und über zwei Jahrzehnte am Haus tätig. 1999 wurde die heute 60-Jährige Stellvertreterin von Direktor Klaus Bachler und zeichnete 2008, als dieser ein Jahr vor Vertragsende die Bayerische Staatsoper übernahm, hauptsächlich für den Betrieb verantwortlich. 2010 ging sie nach der ersten Saison als Co-Direktorin Hartmanns in Pension - mehr dazu in „Starke Zweite“ nun an der Burgtheater-Spitze.

Karin Bergmann Burgtheater
APA/ROLAND SCHLAGER
Für die neue Burg-Chefin Bergmann gab es Blumen

„Burgtheater in katastrophaler Situation“

Karin Bergmann zeigte sich am Mittwoch von ihrer neuen Rolle als künstlerische Geschäftsführerin des Burgtheaters auf Zeit selbst noch etwas überrascht: „Selten hat man mich in so exponierter Form wie heute erlebt - und ich selbst hätte das vor kurzem auch nicht für möglich gehalten.“ Zugleich präsentierte sich die Theatermanagerin durchaus selbstbewusst: „Dass ich heute hier alleine stehe, ist völlig in Ordnung - ich kann das. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich kein Notnagel bin. Ich bin eine 1,20 Meter Garderobe, die zehn Haken tragen kann.“

Dabei unterstrich Bergmann, dass sie sich des Ernstes der Lage am Haus völlig bewusst sei: „Das Burgtheater ist in einer katastrophalen Situation, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.“ Es gehe nun darum, diese „unglaubliche Krisensituation“ möglichst schnell zu bewältigen: „Ich möchte, dass es wieder um andere Dinge geht, wenn man ans Burgtheater denkt.“

Bergmann sieht sich als „integrative Figur“

Bergmann hatte einst über Jahre auch mit der zum Auftakt der Finanzkrise entlassenen kaufmännischen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky zusammen gearbeitet, stellt allerdings in Abrede, von den finanziellen Zuständen zu diesem Zeitpunkt etwas gewusst zu haben: „Von diesem sogenannten System Stantejsky habe ich nicht auch nur das Geringste gespürt.“

Grafik Burgtheater
APA

Mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Thomas Königstorfer werde sie nun jedenfalls eng zusammenarbeiten: „Natürlich werden wir alle Entscheidungen gemeinsam treffen.“ Das sei sie schon aus ihrer Zeit unter Direktor Klaus Bachler gewohnt.

„Ich sehe mich in erster Linie als integrative Figur“, weshalb sie sich als ersten Schritt auch mit der Dramaturgie zusammensetzen werde: „Die Dramaturgie ist das Wichtigste am Theater.“ Die Dichtung müsse wieder ins Zentrum rücken, nicht die nackten Zahlen. Ziel sei, den Riss im Ensemble zu planieren.

Keine konkreten Sparideen

Ob der in der Vorwoche angesichts der Finanzaffäre entlassene Direktor Matthias Hartmann seine Regiearbeiten am Haus fortsetzen werde, zeige sich nun an seiner Produktion „Der falsche Film“: „Es ist nahezu eine fertige Produktion. Ich möchte Matthias Hartmann einladen, den ‚Falschen Film‘ als Uraufführung zu bringen.“ Das Weitere hänge dann von Hartmann selbst ab: „Eine Kindsweglegung wäre kein gutes Zeichen für die Zukunft.“ Für die geplante Koproduktion der „Letzten Tage der Menschheit“ von Burgtheater und Salzburger Festspielen suche man jedenfalls gemeinsam mit Sven-Eric Bechtolf einen neuen Regisseur.

Zu konkreten Sparideen wollte sich Bergmann am Mittwoch noch nicht positionieren: „Ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret dazu äußern, denn ich möchte nicht dilettieren.“ Sie lehne sich zwar so weit aus dem Fenster, dass sie sage: „Das Kasino gehört zum Burgtheater und wir werden und wollen es bespielen.“ Ob es aber formell auf Dauer im Besitz des Burgtheaters bleiben müsse, werde man sehen: „Ich werde dafür kämpfen, werde aber nicht behaupten, es wird so sein.“

Wie lange Bergmann konkret am Haus bleiben wird, lässt sich derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Ihr Vertrag läuft jedenfalls bis 30. August 2016. „Sollte die Ausschreibung einen idealen Kandidaten hervorbringen, der früher kann, bin ich aber selbstverständlich bereit, Gespräche zu führen“, zeigte sich die Theatermanagerin offen. „Frau Bergmann muss eine Chance haben, ihre Funktion über eine bestimmte Zeit wahrzunehmen“, so Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ).

Ensemble reagiert positiv

Das Ensemble, dem Ostermayer seine Entscheidung vor der Pressekonferenz mitgeteilt hatte, habe äußerst positiv reagiert: „Wie ich mit Frau Bergmann auf die Bühne gegangen bin, hat es tosenden Applaus gegeben.“ Klar sei bei Karin Bergmann jedenfalls: „Wir haben jemanden gefunden, der alle Kriterien erfüllt.“ Sie verfüge über organisatorische Fähigkeiten und müsse nun die „gewisse Kluft, die es im Ensemble gibt, kitten“.

Für Ostermayer wäre es die „Idealvariante gewesen, dass man viel Zeit und Vorlauf hat, um eine Ausschreibung vorzubereiten. Aber wir stehen jetzt in einer Situation, wo es die Zeit nicht gegeben hat.“ Die Ausschreibung für die reguläre Direktion werde in den kommenden Wochen erfolgen, im Herbst hofft er, das Ergebnis präsentieren zu können.

Strasser: „Burg brennt hell lodernd“

Auch der neue Vorsitzende des Burg-Aufsichtsrats, Christian Strasser, zeigte sich nach der Bestellung Karin Bergmanns erleichtert: „In diesen schwierigen Zeiten merkt man, auf wen man zählen kann.“ Die Burg stecke in einer „Finanz- als auch Vertrauenskrise - nach innen und außen“ und „brennt nach wie vor hell lodernd“. Bis Ende des Jahres hofft er auf „Brand aus. Und Garantin dafür ist Frau Bergmann.“

Nun gehe es darum, „das Burgtheater wieder in die richtigen Schlagzeilen zu bringen.“ Auch Ostermayer dankte Strasser: „Es ist nicht selbstverständlich, dass der Eigentümer auch in schwierigen Zeiten zur Burg hält“, so Strasser. Und Ostermayer habe „die richtige Entscheidung schnell getroffen. Diese Basis ermöglicht uns, die Geschichte schonungslos aufzuarbeiten und Problembereiche wirklich abzuarbeiten.“

Hermann Beil, Archivbild
APA/Settnik Bernd /dpa
Hermann Beil

Unterstützung durch Hermann Beil

Hermann Beil wird als „ehrenamtlicher Berater“ fungieren. Der gebürtige Wiener war einst mit seinem langjährigen Vertrauten Claus Peymann ans Burgtheater gekommen. Der heute 72-Jährige fungierte an der Burg als Co-Direktor, bevor er mit Peymann 1999 nach Berlin wechselte. Er war in den vergangenen Tagen auch als Hartmann-Nachfolger gehandelt worden - mehr dazu in Burg: Hermann Beil als Interims-Chef?. Bergmann zeigte sich erfreut, dass ihr Beil, bei dem sie viel über Theater gelernt habe, auf Nachfrage zur Seite stehen werde.

Der entlassene Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann hatte erst am Montag wieder für Schlagzeilen gesorgt, da er nun offenbar Selbstanzeige bei den Finanzbehörden in Österreich und der Schweiz erstattet hatte. Er dürfte einen Teil seiner Gage nicht versteuert haben. Seine Anwälte bestätigten am Montag einen Bericht der „Presse“ - mehr dazu in Hartmann erstattet Selbstanzeige.

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