Trödeltrend: Nachlass-Hopping

Der Wiener Christof Stein hat das sogenannte Nachlass-Hopping erfunden. Dabei öffnen Hinterbliebene die Wohnungen von Verstorbenen für Fremde - und die nehmen gegen einen kleinen Beitrag alles mit, was sie haben wollen.

Die Idee ist denkbar simpel: Anstatt die Hinterlassenschaften eines verstorbenen Menschen mühselig aus dessen Wohnung zu räumen, um den Großteil dann ohnehin wegzuschmeißen, lässt man andere arbeiten, die von den Sachen auch noch Gebrauch machen können. Letztendlich sei die Wohnung leer, Brauchbares umverteilt und ein riesiger Haufen Müll sei vermieden worden, fasst Christof Stein, Kunsthändler und Inhaber des Antiquitätengeschäfts Lichterloh in Wien-Mariahilf, seine Idee des Nachlass-Hopping zusammen.

Nachlass Hopping
ORF
Nachlass Hopping in Wien Mariahilf

Umverteilung spendet Trost

Dabei könnte man dem Begriff Nachlass-Hopping auch einen recht morbiden Beigeschmack attestieren. Die Vorstellung, dass kaum nachdem man gestorben ist, wildfremde Menschen Eintritt bezahlen, um sich dann in der eigenen Wohnung durch die persönlichen Habseligkeiten zu wühlen, sei für viele zu Lebzeiten nicht nur ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Und es sei auch nicht für jeden das Richtige. Entscheiden müssten das die Hinterbliebenen, sagt Stein. An ihnen bleibe es in den meisten Fällen hängen, sich um den Nachlass des Verstorbenen zu kümmern. Diese Aufgabe ist oft mit viel Arbeit, Organisation und vor allem Trauer verbunden. Dass unter den zurückgelassenen Dingen Nützliches für andere Menschen sein könnte, überzeugt viele von der Idee und spendet manchmal sogar ein wenig Trost.

Nachlass-Hopping in der Linken Wienzeile

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Zehn bis 15 Euro Eintritt

Für Stein haben die Nachlass-Hoppings den Vorteil, dass er die wertvollen Gegenstände vorab in sein Geschäft für den Verkauf abtransportieren kann und die Wohnungen nach dem Hopping fast leer geräumt sind. „Für uns ist das natürlich ein kleiner Benefit, weil wir von den Eintrittsgeldern nichts haben, die gehören den Studenten, die das Hopping vorbereiten und abwickeln“, sagt Stein. Zwischen zehn und 15 Euro kostet der Eintritt, je nach Größe der Wohnung und Umfang des Nachlasses.

Sendungshinweis:

Wien heute, 24.3.2014

Die Hopper registrieren sich online, müssen vorab einen Passierschein abholen, ohne den die Teilnahme am Nachlass-Hopping nicht möglich ist. So bewahre Stein den Überblick, auch aus Respekt vor den ehemaligen Bewohnern. Vor jedem Nachlass-Hopping hält er „eine kleine Ansprache“, erklärt den Ablauf und appelliert an das Feingefühl der meist sehr jungen Leute, den Menschen hinter den Dingen in der Wohnung nicht ganz auszublenden. Das gelinge meistens recht gut, zu überfallsartigen Plünderungen sei es bislang noch nicht gekommen.

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