Radfahren: Kampf gegen die Angst

Angst vor Unfällen ist einer der Gründe, warum viele das Fahrradfahren in der Stadt meiden. Eine neue Broschüre soll den Menschen nun die Angst vor dem Radfahren in der Rushhour nehmen. Die City Cycling School bietet zudem Sicherheitskurse an.

„Ich fahre gerne Rad, aber Radfahren in der Stadt ist mir zu gefährlich.“ Erwachsene mit dieser Einstellung sind die Zielgruppe von Bernhard Dorfmann. Der 42-jährige Fahrradkurier leitet die City Cycling School und bietet Kurse für „Verkehrskompetenz - Radfahren in der Stadt“ an. „Jetzt im Mai ist Hochsaison“, so Dorfmann.

Radfahr-Fibel 2014

Die Radfahr-Fibel bietet Tipps zum sicheren Radfahren in Wien.

Obwohl im Vorjahr ein Radfahrer im Straßenverkehr tödlich verunglückte sowie 107 schwer und 766 leicht verletzt wurden, gilt Radfahren in Wien statistisch gesehen als sehr sicher. „Subjektiv gesehen ist Radfahren in der Stadt jedoch eine Herausforderung“, weiß Dorfmann. Für ihn liegt das hauptsächlich an der „mangelhaft designten Radfahrinfrastruktur“ der Stadt.

Bernhard Dorfmann City Cycling School
Daniel Melcher
Bernhard Dorfmann bietet nur in Ausnahmefällen Gruppenkurse an

Analyse von Kreuzungen und Strecken

„Viele bekommen graue Haare, wenn sie die Innenstadt mit dem Fahrrad queren müssen. Sie fühlen sich von Autos, Fußgängern und Schienen gefährdet“, so Dorfmann. Im Einzelunterricht lehrt er die Teilnehmer Fahrtechnik, fährt mit ihnen individuell gewünschte Strecken ab und fotografiert und analysiert die Gefahrenstellen.

Dorfmann: „Ringradweg ist Königsdisziplin“

„Bevor man mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs ist, sollte man die Fahrtechnik beherrschen. Beim Überqueren von Schienen darf es keine Unsicherheiten geben“, so Dorfmann. Die Technik lässt sich am besten auf einem verkehrsfreien Platz erlernen. Um sicher durch die Stadt zu kommen, empfiehlt Dorfmann, sich nicht auf Ampelanzeigen zu verlassen: „Wenn ich Grün habe, muss ich trotzdem nach links und rechts schauen und mich vergewissern, dass kein Querverkehr kommt.“

„Um auf der Straße zu üben, eignet sich vor allem der Sonntagvormittag, da hier am wenigsten los ist“, so Dorfmann. „Irgendwann kann man sich dann an einem Wochentag auf den Ringradweg trauen. Das ist die Königsdisziplin. Der schlechteste Zeitpunkt dafür ist der Freitagnachmittag, denn da sind alle Verkehrsteilnehmer gereizt und müde. Alle wollen nach Hause. Dann wird es wirklich brutal.“

Auch die Stadt ist gefragt, um die Sicherheit der Radfahrer zu verbessern. Dorfmann: „Die Fahrradstreifen müssen breiter werden, bei vielen Stellen gehört der holprige Belag ausgetauscht, und die Schnittstellen bei vielen Kreuzungen gehören besser designt“, so Dorfmann. „Alle Verkehrsteilnehmer müssen intuitiv wissen, was läuft, ohne sich in die Quere zu kommen. Da sind vor allem die Sichtachsen wichtig. Oft reicht es, einen Müllcontainer zu entfernen, um aus einer gefährlichen eine harmlose Kreuzung zu machen.“

Broschüre für sicheres Radfahren

„Gesicherte Statistiken zu diesem Thema sind mir nicht bekannt. Das Thema Angst kommt aber häufig vor, wenn man danach fragt, warum jemand nicht mit dem Rad fährt“, weiß auch der Wiener Radfahrbeauftragte Martin Blum. Er meint, dass Radfahren nicht gefährlicher als andere Fortbewegungsarten in der Stadt sei. „Je mehr Leute mit dem Rad in Wien unterwegs sind, desto sicherer wird es auch. Die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sind dann Radfahrende gewöhnt. Radverkehr wird selbstverständlicher“, so Blum.

Tipps zum sicheren Radfahren in Wien bietet seit April die kostenlose Radfahr-Fibel der Mobilitätsagentur. Sie führt Passagen aus der StVO an und erklärt, worauf beim Abbiegen zu achten ist, wie man am sichersten Schienen kreuzt und was im Fließverkehr sowie beim Radfahren mit Kindern zu beachten ist. Um Radfahren in Wien beliebter zu machen, erhöhte die Mobilitätsagentur heuer die Anzahl der Radkurse für Kinder. Im Juli und August möchte die Mobilitätsagentur vor Freibädern und Freiluftkinos gratis Fahrradchecks anbieten.

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