Workshops gegen Homophobie an Schulen

Fast 90 Prozent der homosexuellen Jugendlichen beklagen Mobbing oder Gewalt in der Schule. Die Stadt Wien und die Beratungsstelle Courage wollen nun mit Workshops Vorurteile und Homophobie bei Jugendlichen bekämpfen.

Homosexuelle, bisexuelle oder transgender (LGBT) Jugendlichen sind in der Schule auch häufig mit Diskriminierung konfrontiert. Im Vergleich zu ihren heterosexuellen Altersgenossen haben sie ein bis zu siebenfach höheres Suizidrisiko. Die Gründe für Diskriminierung seien häufig Unwissen, Vorurteile und Ängste, berichtete Johannes Wahala, Leiter der Beratungsstelle Courage, in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Mit dem Projekt „Check it out!“ wolle man nun den Versuch starten, diese schon bei Jugendlichen auszuräumen. Denn nach einer aktuellen Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte verheimlichen gerade in der Schule 67 Prozent der Teenager ihre sexuelle Orientierung, viele stoßen bei einem Outing auf Ablehnung.

Frauen halten sich an Händen
APA/dpa/Stephan Jansen
Viele Jugendliche stoßen bei einem Outing auf Ablehnung

„Wir wollen durch jugendgerechte Aufklärung für gewaltfreie Räume sorgen“, meinte Wahala. Unter anderem sind kostenlose Workshops für Schulklassen im Zuge des Pride Village am Wiener Rathausplatz von 11. bis 13. Juni geplant. 18 Organisationen von Jugendinfo bis zum Interkulturellen Zentrum haben sich der Initiative angeschlossen. „Damit kommen wir aus dem engen LGBT-Bereich heraus und können eine breite Allianz bilden“, so der Leiter der Beratungsstelle.

Frauenberger will „Fenster der Energie“ nutzen

Zudem soll auch die Antidiskriminierungsarbeit in Wiener Schulen verstärkt werden, wie Integrations- und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) erklärte. Mit dem Sieg von Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest habe sich viel bewegt und „ein Fenster der Energie geöffnet“. Dieses müsse man nun auch nutzen, um sich wirklich einzusetzen. Daher plädierte die Stadträtin auch für die Reform bzw. Öffnung der Ehe und für das Adoptionsrecht für Homosexuelle. „Erst wenn wir das erreicht haben, dann können wir von einer Gesellschaft ohne Diskriminierung sprechen.“

Unterrichts- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) begrüßte die Initiative: „Die Sexualerziehung in Schulen ist reformbedürftig, deshalb braucht es Institutionen außerhalb des Bildungssystems, die ein Coming-out so früh wie möglich ermöglichen.“ Neben einer Reform des Sexualkundeunterrichts wünschte sich die Ministerin auch einen Ausbau der First-Love-Ambulanzen in allen Bundesländern. Im Burgenland gibt es derzeit etwa gar keine solche Einrichtung, die von Verhütung bis sexuelle Orientierung berät.

Die Beratungsstelle Courage ist die erste vom Bund im Sinne des Familienberatungsförderungsgesetzes anerkannte professionelle Beratungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen. Standorte gibt es in Wien, Graz und Innsbruck. In der Bundeshauptstadt werden laut Wahala jährlich etwa 1.000 Klienten beraten - hauptsächlich in ihrem Coming-out-Prozess.

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