„Öffis“ standen drei Minuten still

Die Wiener „Öffis“ - also Busse, Straßenbahnen und die U-Bahn - haben am Freitag einen dreiminütigen Zwischenstopp eingelegt, um auf die jüngsten Übergriffe auf Mitarbeiter der Wiener Linien aufmerksam zu machen. Es war von „niederträchtigen Attacken“ die Rede.

Um 11.00 Uhr blieben die Fahrzeuge bzw. Garnituren in den Stationen stehen. In der Mitteilung an die Passagiere wurde dargelegt, dass es sich um ein Zeichen „gegen Gewalt und für mehr Respekt“ handle. Und es wurde an die Solidarität der Kunden appelliert: „Bitte unterstützen sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien, wenn sie eine problematische Situation beobachten.“

Ein Straßenbahnzug mit Fahnen "Wiener Linien gegen Gewalt" aufgenommen am Freitag, 13. Juni, 2014
APA/Herbert Neubauer
Straßenbahnen waren mit Fahnen „Wiener Linien gegen Gewalt“ bestückt

Man sei, so wurde betont, 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche sowie 365 Tage im Jahr für die Fahrgäste da: „Seien Sie auch für uns da.“ In einer Lautsprecherdurchsage hieß es: „Immer wieder kommt es zu niederträchtigen Attacken auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien. Das darf nicht sein.“ In einer Durchsage, die auch in englischer Sprache erfolgte, wurde zudem gebeten, die Sticker mit dem Motto „Wiener Linien gegen Gewalt“ zu tragen. Diese wurden an Info- bzw. Vorverkaufsstellen der Verkehrsbetriebe verteilt.

„Verhandeln noch weitere Sicherheitsmaßnahmen“

Laut einem Sprecher waren die Rückmeldungen der Fahrgäste positiv. Nach dem Zwischenstopp sei der normale Betrieb sofort wieder aufgenommen worden, wurde auf Anfrage versichert. Die Aktion war von den Wiener Linien, der Belegschaftsvertretung und Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) ins Leben gerufen worden. Erst vergangene Woche wurde ein Sicherheitspaket präsentiert, zwei Millionen Euro wurden für zusätzliche Maßnahmen zur Verfügung gestellt - mehr dazu in Fünfpunkteprogramm für mehr „Öffi“-Sicherheit.

„Die Angriffe auf unsere Kolleginnen und Kollegen müssen aufhören“, sagte Michael Bauer, Vorsitzender des Zentralbetriebsrates. „Wir verhandeln noch über weitere Sicherheitsmaßnahmen, wollen aber auf alle Fälle auch unsere Fahrgäste darauf aufmerksam machen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Linien zu unterstützen.“

„Die verstärkte Sicherheit am Fahrerplatz, der Ausbau der Videoüberwachung und der Einsatz modernster Fahrzeuge sind Maßnahmen, von denen wir uns mehr Sicherheit für unser Personal erwarten“, fasste Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer die zentralen Punkte aus dem neuen Sicherheitspaket zusammen. „Letztlich ist aber auch entscheidend, dass in der Gesellschaft breit über Gewalt reflektiert wird. Darauf wollen wir heute hinweisen“, so Steinbauer und Bauer in einer Aussendung.

Immer wieder Angriffe auf Mitarbeiter

Eine Häufung schwerer Delikte sorgte in den ersten Monaten des Jahres 2014 für Aufsehen. So wurde erst vergangene Woche ein 33-jähriger Straßenbahnfahrer bei einer Attacke an der Endstelle der Linie 46 am Joachimsthalerplatz in Ottakring von hinten mit einem spitzen Gegenstand niedergeschlagen und schwer am Kopf verletzt. Er musste notoperiert werden - mehr dazu in Bimfahrer-Attacke: Verdächtiger in Psychiatrie.

Im Vorjahr wurden insgesamt 77 Mitarbeiter der Wiener Linien Opfer von Übergriffen. Laut den Verkehrsbetrieben reichte dabei die Bandbreite von Beschimpfungen über Bespucken bis hin zu körperlicher Gewalt.

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