Burgtheater: „Krise ist vorbei“

Der Aufsichtsrat des Burgtheaters hat das Budget für 2014/15 genehmigt. „Die Krise ist vorbei“, sagte Christian Strasser, Vorsitzender des Aufsichtsrats. Für die künstlerische Leitung ab September 2016 gibt es 21 Bewerbungen.

„Damit ist die Zukunft des Burgtheaters endlich gesichert“, sagte Strasser nach der „erfreulichen und positiven Aufsichtsratssitzung“ zur APA. Dank Einsparungen in der Höhe von 4,2 Mio. Euro konnte ein ausgeglichenes Budget vorgelegt werden. Eine Kostensenkung bei Neuproduktionen bringt 0,8 Mio. Euro, im Personalbereich und bei den Material- und Betriebskosten werden je 1,4 Mio. Euro eingespart, dazu soll die neue Struktur der Kartenpreise 0,6 Mio. Euro Mehreinnahmen bringen.

Kasino wird „reduziert bespielt“

Laut Strasser bleibt das Burgtheater von großen Einschnitten verschont: „Damit ist auch klar, dass das Kasino weitergeführt werden kann.“ Es werde jedoch „eine kleine, feine, aber reduzierte Bespielung“ der Spielstätte am Schwarzenbergplatz geben. Die beiden Produktionen „Krieg und Frieden“ und „Wunschloses Unglück“ sollen zwar wie angekündigt im Repertoire bleiben, aber in eines der anderen Häuser übernommen werden.

„Die Fortbestehensprognose für das Spieljahr 2014/2015 konkretisiert sich, die Mitarbeiter des Burgtheaters arbeiten intensiv an der Umsetzung unseres 100-Punkte-Programms“, wurde Thomas Königstorfer, kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters, in einer Aussendung zitiert.

„Wir haben uns ehrgeizige wirtschaftliche Ziele für die kommende Spielzeit gesetzt. Wir haben aber insbesondere auch darauf Bedacht genommen, dass die Sparmaßnahmen nach außen nicht spürbar sind. Wir dürfen einer Spielzeit mit 13 Premieren im Burg- und Akademietheater entgegensehen, die dem hohen künstlerischen Anspruch dieses Hauses und seines Publikums entsprechen“, so Karin Bergmann, die interimistische Burgtheater-Direktorin.

Findungskommission führt Gespräche

Am 1. September 2016 soll ein/e neue/r künstlerische/r Leiter/in Bergmann ablösen, die Bewerbungsfrist endete am Montag. 15 Männer und sechs Frauen haben ihre Bewerbung abgegen, fünf kamen aus Österreich, 16 aus dem Ausland. Einem Sprecher von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) zufolge ist es theoretisch möglich, dass sich die Zahl der Bewerbungen noch leicht erhöht, da das Datum des Poststempels gilt.

Die Interessentinnen und Interessenten hätten teilweise von sich aus ihre Unterlagen eingereicht, teilweise seien sie von jener Findungskommission angesprochen worden, die nun in den kommenden Wochen Vorgespräche führen wird. In der sechsköpfigen Findungskommission sind der Burgschauspieler Gert Voss, der Dramaturg Hermann Beil, Regisseur Götz Spielmann, Operndirektorin Elisabeth Sobotka sowie die Burgtheater-Aufsichtsräte Christian Strasser und Susanne Moser vertreten - mehr dazu in Spielmann und Voss in Burgtheater-Kommission (wien.ORF.at; 18.4.2014).

Im Herbst möchte sich Kulturminister Ostermayer intensiv in die Gespräche einschalten und bis Jahresende eine Entscheidung treffen.

Spekulationen: Kusej voran

Offiziell werden keine Namen von Bewerbern genannt, spekuliert wird vor allem über Martin Kusej. Einer APA-Auswertung von Zeitungsartikeln österreichischer und deutscher Zeitungen wurde er am häufigsten als Burgtheater-Direktor ins Gespräch gebracht, hinter ihm landet abgeschlagen Barbara Frey.

Kusej hat jedoch vorerst abgewunken. „Ich kenne das Burgtheater enorm gut und wünsche ihm, dass es sich in Ruhe und Frieden und kreativ wiederfinden und den gigantischen Schuldenberg abbauen kann“, so der österreichische Intendant des Münchner Residenztheaters Anfang Mai vor deutschen Medien.

Prozess am Arbeitsgericht steht bevor

Die Neu-Ausschreibung war durch die am 11. März erfolgte fristlose Entlassung von Matthias Hartmann notwendig geworden. Ihm werden Versäumnisse bei der Wahrnehmung seiner Geschäftsführerpflichten vorgeworfen. Hartmann hat gegen seine Entlassung geklagt. Die diesbezüglichen arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen starten in Kürze - mehr dazu in Burgtheater vs. Hartmann: Prozess Ende Juni (wien.ORF.at; 3.6.2014).

Die interimistische Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann hat kürzlich erklärt, sich nicht beworben zu haben. Ob sie, falls sie vom Minister gefragt werde, auch die nun für „bis zu fünf Jahre“ ausgeschriebene Funktionsperiode übernehmen würde, ließ sie offen - mehr dazu in Burgtheater reduziert auf 13 Premieren (wien.ORF.at; 3.6.2014).

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