Burgtheater: Springer wird belastet

In einem Gutachten zur Finanzaffäre im Burgtheater wird auch Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, belastet. Er soll seinen Pflichten „nicht vollständig gerecht“ geworden sein. Eine Entlassung schließt Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) aus.

Das von Ostermayer (SPÖ) beauftragte Gutachten soll klären, wer verantwortlich für die Finanzmisere im Burgtheater ist. Das von Anwalt Thomas Angermair von der Kanzlei Dorda Brugger Jordis verfasste 134-seitige Papier datiert von Ende April und wurde offenbar vor der Übergabe an die Staatsanwaltschaft überarbeitet. In das Gutachten sollen auch Ergebnisse des noch nicht veröffentlichten Berichts des Rechnungshofs (RH) über die Holding eingeflossen sein.

„Verhalten begründet Vertrauensunwürdigkeit“

„Die Presse“ zitiert aus der Letztfassung vom 30. Mai: „Aus den uns vorliegenden Unterlagen erscheint es naheliegend, dass Springer - in seiner Funktion als Geschäftsführer der Bundestheater-Holding - über Wissen hinsichtlich der Lage des Burgtheaters verfügte ..., welches die übrigen Mitglieder des Aufsichtsrats der Burg nicht besaßen.“ Und: „Die im Zuge des RH-Berichts bekanntgewordenen Umstände über das Verhalten von Springer sind grundsätzlich geeignet, eine Vertrauensunwürdigkeit zu begründen.“

Georg Springer und Josef Ostermayer bei einer Pressekonferenz im Mai 2014
APA/Herbert Neubauer
Georg Springer wird durch ein von Kulturminister Ostermayer beauftragtes Gutachten belastet

Laut „Standard“ sei laut dem Gutachten „nicht auszuschließen“, dass Springer „von den Praktiken der ehemaligen kaufmännischen Burgtheater-Geschäftsführerin Sylvia Stantejsky - insbesondere etwa aus dem Kontakt mit diversen Künstlern - zumindest Kenntnis hatte“. Dass die Mängel im Burgtheater „tatsächlich über Jahre bestanden, lässt den Verdacht aufkommen, dass von Springer keine wirksamen Maßnahmen zu deren Beseitigung ergriffen wurden und er seinen (...) Pflichten (...) nicht vollständig gerecht wurde“.

Hartmann-Anwältin: „Bären aufgebunden“

Katharina Körber-Risak, Anwältin des entlassenen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann, hält in der „Presse“ fest, dass das Gutachten vor Übermittlung an die Staatsanwältin offenbar um zwei Absätze gekürzt wurde: „In diesen beiden Absätzen steht, dass der Eigentümer (Minister Ostermayer, Anm.) schon im April über Springers Verfehlungen Bescheid wusste, man mit der Entlassung wohl zu spät dran wäre. Klar ist, dass uns der Minister in Sachen Springer einen Bären aufbinden wollte.“

Das Gutachten soll abschließend darauf verweisen, dass die Verantwortung Springers erst beurteilt werden könne, wenn der Endbericht des RH vorliege. Laut Rechnungshof ist mit der Vorlage des Endberichts erst in der zweite Julihälfte zu rechnen. In der Bundestheater-Holding wird erwartet, dass sämtliche vorgebrachten Einwände vollinhaltlich Eingang in den Bericht finden.

Ostermayer: Entlassung nicht gerechtfertigt

„Wie von Dr. Springer selbst und von dem Gutachten bestätigt, trägt er eine Mitverantwortung an der vergangenen Krise. Diese reicht allerdings, laut den derzeit vorliegenden Unterlagen und dem darauf aufbauenden Gutachten, eindeutig nicht aus, um eine Entlassung im arbeitsrechtlichen Sinne rechtfertigen zu können“, hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme von Kulturminister Ostermayer. Für Ostermayer bedeutet eine Entlassung von Georg Springer derzeit „ein erhebliches Prozessrisiko“: „Deswegen ziehe ich es vor, mit dem Kopf, auf Basis von Fakten und rechtlicher Sicherheit, zu entscheiden, anstatt wild Köpfe rollen zu lassen.“

Erster Termin am Arbeitsgericht

Schon am kommenden Dienstag gibt es dagegen vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien die erste Tagsatzung in der Klage Hartmanns wegen seiner als ungerechtfertigt und unwirksam angefochtenen Entlassung - mehr dazu in Burgtheater vs. Hartmann: Prozess Ende Juni (wien.ORF.at; 3.6.2014).

Am Freitag folgt die nächste Etappe: Vor dem gleichen Gericht ficht das Burgtheater nämlich die Anfang 2012 durch Ex-Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) durchgeführte Verlängerung des ursprünglich bis Ende August 2014 laufenden Vertrages von Hartmann „wegen Irrtums und Arglist“ an. Hätte man damals schon von den Vorfällen an der Burg gewusst, so die Begründung, hätte man den Vertrag nicht verlängert.

Burgtheater sieht Ende der Krise

Der Aufsichtsrat des Burgtheaters hat das Budget für 2014/15 genehmigt. Dank Einsparungen in der Höhe von 4,2 Mio. Euro konnte ein ausgeglichenes Budget vorgelegt werden. „Die Krise ist vorbei“, sagte Christian Strasser, Vorsitzender des Aufsichtsrats - mehr dazu in Burgtheater: „Krise ist vorbei“ (wien.ORF.at; 17.6.2014).

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