Medizinische Primärversorgung: Drei Zentren für Wien

Um die Spitalsambulanzen zu entlasten, wird in Österreich die „Primärversorgung“ installiert. Hausärzte werden künftig vernetzt mit einem medizinischen Team arbeiten. Ab 2015 sollen in Wien drei Testzentren entstehen - abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Bezirks.

Die meisten Ambulanzpatienten könnten auch vom Hausarzt behandelt werden. Jene sollen in einem Primärversorgungszentrum künftig mit einem Team aus Diplomkrankenschwestern, Therapeuten und Sozialarbeitern zusammenarbeiten. Diese Art der Versorgung sei gerade in Wien wichtig geworden, wo künftig vermehrt ältere Menschen mit chronischen Krankheiten leben würden, sagte eine Sprecherin von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ).

Erstes Zentrum in Rudolfsheim-Fünfhaus

Das erste der insgesamt drei Zentren soll im kommenden Jahr in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus entstehen und getestet werden. Hier sei der Bedarf groß, weil das Kaiserin-Elisabeth-Spital im Jahr 2012 vom Betreiber, dem Wiener Krankenanstaltenverbund, abgesiedelt wurde.

Ein weiteres Zentrum ist in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses Nord, das derzeit in Wien-Floridsdorf gebaut wird, geplant. Hier sollen bereits jetzt die Weichen gestellt werden, um zukünftig die Ambulanzen des Krankenhauses zu entlasten.

Standort zweier Zentren noch ungewiss

In einem der neuen Stadtentwicklungsgebiete soll das dritte Zentrum eingerichtet werden. In welchem, wurde allerdings noch nicht bekannt gegeben. Der Grund sei jedenfalls, dass dort erwartungsgemäß eher junge Menschen leben werden. Deshalb soll etwa auch eine Hebamme dem medizinischen Betreuungsteam im Primärversorgungszentrum angehören, heißt es aus dem Büro der Gesundheitsstadträtin.

Um die Patienten tatsächlich dazu zu bewegen, Primärversorgungszentren einer Spitalsambulanz vorzuziehen, sind Öffnungszeiten von Montag bis Freitag zwischen 7.00 und 19.00 Uhr angedacht.

Gesundheitsökonom: „Brauchen 300-400 Zentren“

Der Wiener Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer sagte gegenüber „Wien heute“, dass bei der Einwohnerzahl Wiens „300-400“ Primärzentren notwendig wären, um eine flächendeckende Versorung zu gewährleisten. Pichlbauer befürchtet, dass diese Zentren eine übermächtige Konkurrenz für die aktuellen selbständigen Allgemein-Ärzte darstellen würden.

„Wenn das am Montag beschlossen wird, wird nicht am Dienstag alles anders. Wir regen an, dass die praktischen Ärztinnen und Ärzte Modelle vorschlagen und dass wir miteinander die Gesundheitsversorgung in der Stadt verbessern“, sagte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely dazu. Es könne bis zu zehn Jahre dauern, bis die Primärversorgungszentren ihre Funktion wunschgemäß erfüllen können.

Ärztekammer an Bord

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) nehme das „Konzept zur multiprofessionellen und interdisziplinären Primärversorgung in Österreich - Das Team rund um den Hausarzt“ zur Kenntnis. „Es ist uns gelungen, die im ursprünglichen Papier enthaltenen Unzumutbarkeiten mehr oder weniger in letzter Minute herauszuverhandeln“, sagte heute BKNÄ-Obmann Johannes Steinhart anlässlich des 129. Kammerstags der Österreichischen Ärztekammer im steirischen Loipersdorf.

Allerdings werde man die Inhalte des Beschlusses der Bundeszielsteuerungskommission am kommenden Montag genau prüfen. Im Namen der Bundeskurie niedergelassene Ärzte forderte Steinhart die Verantwortlichen in Gesundheitsministerium, Ländern und Sozialversicherung auf, die Ärztekammer in Zukunft von Anfang an in Prozesse einzubinden, die auf grundlegende Änderungen im österreichischen Gesundheitssystem abzielen.

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