„Pizzeria Anarchia“: Räumung um 870.000 Euro

Nach der Räumung der besetzten „Pizzeria Anarchia“ in der Leopoldstadt stehen nun die Kosten fest. Der Einsatz mit über 1.400 Polizisten kostete 870.000 Euro. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung hervor.

Bei der Räumung in dem besetzten Haus in der Mühlfeldgasse standen exakt 1.454 Polizisten im Dienst, so Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. von Peter Pilz (Grüne). „Im Aktionszeitraum selbst waren im Durchschnitt 400 Beamte im Einsatz“, hieß es weiter.

Auf die Frage des Grünen Parlamentariers, wie viele Polizisten schlussendlich „auf einen Punk“ kommen würden, schreibt die Innenministerin: „Im Einsatzzeitraum Mühlfeldgasse waren mehr als hundert ‚polizeifremde‘ Personen anwesend. Eine explizite Unterscheidung, welche Personen konkret als ‚Punk‘ zu bezeichnen wären, kann nicht getroffen werden.“ Im Zuge des Einsatzes hatten sich bei dem Haus neben zahlreichen Schaulustigen auch viele Journalisten eingefunden.

Kostenübernahme weiter offen

Ob die beiden Hausbesitzer, denen Spekulationsabsichten vorgeworfen wird, für den kostenintensiven Einsatz aufkommen werden müssen, ist noch offen. Jedoch wurde eine „diesbezügliche Prüfung zwischenzeitlich eingeleitet“, erklärte Mikl-Leitner.

Die Wiener SPÖ hält es für denkbar, dass die Hauseigentümer für die Kosten der umstrittenen polizeilichen Räumung eines im zweiten Bezirk besetzten Hauses, die am Montag durchgeführt wurde, zur Kasse gebeten werden können - mehr dazu in Hausräumung: Soll Eigentümer Einsatz zahlen?.

Rechtskräftiges Urteil zur Räumung

Hintergrund des Polizeieinsatzes Ende Juli war ein rechtskräftiges Urteil über die Räumung des Hauses Mühlfeldgasse 12. Die Pizzeria Anarchia war zweieinhalb Jahre lang von Punks besetzt. Ihnen war von den Hauseigentümern selbst angeboten worden, gratis für ein halbes Jahr einzuziehen. Vermutetes Ziel: Sie sollten die letzten Mieter des Hauses hinausekeln, um die Liegenschaft gewinnbringend zu verwerten - mehr dazu in Mühlfeldgasse: Räumungsbescheid für Punks. Die Hauseigentümer wiesen die Vorwürfe zurück - mehr dazu in Geräumtes Haus: Eigentümer weist Vorwürfe zurück.

Die Aktivisten verschanzten sich im Haus und leisteten mit massiven Barrikaden Widerstand gegen die Räumung. So warfen sie Farbbeutel, faule Eier, Fäkalien und Flaschen auf die Polizisten. Ein Großaufgebot an Beamten und ein Räumpanzer und Hubschrauber waren im Einsatz. Nach stundenlangem langsamen Weiterkommen konnte die Exekutive schließlich Schritt für Schritt bis in das letzte Stockwerk vordringen - mehr dazu in Polizeigroßeinsatz beendet: Haus geräumt.

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