Verborgene Orte in Wiens Untergrund

Notstromaggregat, Abwassersammelbecken und Notausgang vom Wienfluss: Die Wiener Linien gewähren in Sonderführungen Einblick in Plätze, die sonst nur Mitarbeiter zu Gesicht bekommen. Wien.ORF.at hat an einer Führung teilgenommen.

Tief unter dem Karlsplatz, nahe der Technischen Universität (TU), ist kein Unterschied zwischen den Tageszeiten erkennbar. Zahlreiche Stiegen müssen hinabgestiegen, einige Räume durchquert und ein Tunnel passiert werden. Dann steht es da, in kobaltblau: Das Notstromaggregat. „Bei Stromausfall können mit ihm alle stromabhängigen Maschinen solange betrieben werden, bis alle Menschen aus der Station geborgen sind“, sagt Johann Magdits, Elektrotechniker der Wiener Linien.

Notstromaggregator
ORF/Rieger
Notstromaggregat

Auf der unteren Seite der Rolltreppe

Das Notstromaggregat ist eines der Highlights bei der Führung, die die Wiener Linien sporadisch anbieten. Dabei werden Türen geöffnet, die sonst für Fahrgäste verschlossen bleiben. „Mich interessiert das Dahinter. Was macht es aus, dass eine U-Bahn-Station betrieben werden kann?“, begründete ein Teilnehmer der Führung. Schauplatz ist der Karlsplatz, da es die größte Station Wiens ist.

So sperrt Gebäudemanager Harald Bertha die Türe neben der Rolltreppe zur U1 auf und die Besuchergruppe steigt eine enge Gittertreppe hinab. Jenseits der bekannten weißen Fassade mit den dunklen Verästelungen, die die Karlsplatz-Station prägt, ist alles unverputzt, grau, baustellenähnlich. Lärmende Maschinengeräusche und ein Rattern dröhnen entgegen. Nur die Wand trennt diesen Bereich von der öffentlich zugänglichen Seite. Auf einer kleinen Plattform angekommen, ist die Unterseite der Rolltreppe erreicht.

Tiefster Punkt der Station ist 35 Meter unter Oberfläche

Auf der einen Seite brummen große Maschinen, die Seilketten im Kreis drehen und die Fahrtreppe in Bewegung halten. Auf der anderen Seite führt eine dunkle Stiege parallel zum Verlauf der Rolltreppe tiefer hinab und endet im Schwarzen. Die Rolltreppe kann prinzipiell in zwei Richtungen betrieben werden. „Einfachheitshalber läuft sie aber meist in eine Richtung, da sich die Maschine so besser einstellt. Fährt die Rolltreppe abwärts, erzeugt sie Strom, der wiederverwendet werden kann“, sagt Magdits. Einmal im Monat muss sie gewartet werden.

Die Besucher ploppen wieder in das geschäftige Treiben des „normalen“ U-Bahn-Betriebs. Ein paar Schritte weiter befindet sich - abermals hinter einer unscheinbaren Türe - das Abwassersammelbecken. Es ist mit 35 Metern unter der Oberfläche der tiefste Punkt der Station. Das Abwasser wird hier gesammelt und mithilfe von vier Pumpen wieder in den Kanal geleitet, der sich etwas höher befindet.

Alte Leitstelle war „abgekapselt und versteckt“

Auch die frühere Leitstelle aus den 1970er Jahren wird gezeigt. „Es war zur Zeit der Roten Armee Fraktion (RAF) und der Bunkermentalität“, sagt Bertha. „Daher wurde die Leitstelle aus Sicherheitsgründen abgekapselt und versteckt. Kein Tageslicht kam in den Raum.“ Und tatsächlich muss ein gutes Stück zu Fuß, durch lange Gänge hindurch, zurückgelegt werden, bis die alte Überwachung erreicht wird.

Computer und alte Leitstelle
ORF/Rieger
Die alte Leitstelle

Alte, klobige Computer sind sichtbar. Dahinter befindet sich eine riesige Tafel mit den einzelnen U-Bahn-Linien und leuchtenden Punkten, die die Züge anzeigen. Die heutige Stationsüberwachung befindet sich nun hinter einer Glaswand, zwischen dem Resselpark und dem Beginn der Opernpassage. Hier laufen alle Stationsmeldungen zusammen. Kameras gewähren Überblick über 26 Fahrtreppen, sechs Aufzüge und die Gleise der drei U-Bahnen. In Notfallsituationen können die Züge auch von hieraus gestoppt werden.

Graffiti-Sprayer nutzen Notausgang

Zum Abschluss wird ein unscheinbares graues „Häuschen“ betreten. Es befindet sich etwas außerhalb der zentralen U-Bahn-Station, zwischen dem Wiener Konzerthaus und dem Wien Museum. Stiegen führen zu einem weiteren Stromaggregat hinab. Denn die Wiener Linien verfügen über ein eigenes Stromversorgungssystem. Vor allem befindet sich hier aber auch der Notausgang vom Wienfluss. Nachdem jedoch vor allem Graffiti-Sprayer den „Geheimweg“ entdeckt haben, soll der Eingang demnächst zugemauert werden.

„Geistertunnel“ für U-Bahnen

Ebenfalls versteckt von der Öffentlichkeit sind im Wiener Untergrund die Gleisnummern 0, 7, 10 und 20. Dahinter verbergen sich Verbindungstunnel, die für den Betrieb der U-Bahnen notwendig sind. „Wien heute“ war in diesen „geheimen“ U-Bahn-Tunnel von Wien unterwegs.

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Lisa Rieger, wien.ORF.at

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