Bombardier-Jets bei AUA in Favoritenrolle

Bei der anstehenden Flugzeugbestellung der Austrian Airlines (AUA) ist der kanadische Flugzeughersteller Bombardier in die Favoritenrolle geschlüpft. Der neue Kollektivvertrag (KV) ist gänzlich auf dieses Flugzeugmodell abgestimmt.

Bei den Regionalpiloten sorgt der neue KV aber für Ärger, neue Klagen stehen im Raum. Ein AUA-Sprecher bestätigte, dass der neue KV auf Basis der Bombardier CSeries gerechnet wurde, wollte sich im Detail aber nicht dazu äußern. Er betonte, dass es zu der Bestellung sowohl bei der AUA als auch bei der Mutter Lufthansa weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat einen Beschluss gibt.

In den KV-Verhandlungen sei man vom „wahrscheinlichsten Szenario“ ausgegangen, erklärte Betriebsratschef Karl Minhard dazu. Das Alternativmodell, der E-Jet des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer, wird im KV mit keinem Wort erwähnt.

AUA Boeing 737
AUA/Robert Jäger
21 AUA-Flugzeuge müssen ausgetauscht werden

Ärger bei Regionalpiloten

Die AUA muss in den nächsten Jahren die in die Jahre gekommenen 21 Fokker-Jets austauschen. Die Flottenentscheidung ist mehrere hundert Millionen Euro schwer und war wegen des Rechtsstreits mit dem Bordpersonal zuletzt gestoppt. Im KV ist vorgesehen, dass die CSeries zur „Mainline“ gehört - im Gegensatz zu den Fokker-Fliegern, die ausschließlich von Regionalpiloten geflogen werden.

Bei den Regionalpiloten sorgt das für Ärger. Sie fürchten um ihre Karrierechancen im Cockpit. Über sogenannte Senioritätslisten wird geregelt, wer wann zum Kapitän wird und welche Flugzeuge er oder sie fliegen darf. Vor allem die Cockpitplätze in den großen Langstreckenfliegern sind begehrt. Davon sind die Regionalpiloten der Tyrolean aber auch mit dem gemeinsamen KV meilenweit entfernt. Der Kollektivvertrag sieht weiterhin zwei getrennte Senioritätslisten vor.

Neiddebatte stört Betriebsratschef

„Wir diskutieren seit Jahren über das Thema“, sagte Minhard. Bis 2017 soll bei diesem Punkt weiterverhandelt werden. Wenn es dann noch immer keine Lösung gibt, müsse ein Schlichter her. Einzelne Regionalpiloten drohen bereits jetzt mit Klagen. Ihnen stößt zudem sauer auf, dass auch ihre Gehälter gekürzt werden. Im Vergleich zu den Boeing- und Airbus-Piloten der AUA haben die Regionalpiloten in der Vergangenheit schlechter verdient. Sie sehen daher nicht ein, warum sie nun auch zur Kasse gebeten werden.

Es sei nur fair, wenn der „Sanierungs-KV“ alle betrifft, entgegnet Minhard. „Diese Neiddebatte stört mich schon sehr.“ Der Belegschaftsvertreter verwies darauf, dass die Gehaltseinbußen abhängig vom bisherigen Verdienst unterschiedlich hoch ausfallen. Top-Verdiener verlieren laut Minhard mit dem neuen KV bis zu 13 Prozent ihres Einkommens, bei den Flugbegleitern halte sich die Kürzung mit 2 bis 3 Prozent in Grenzen.

Hohe Abfertigunsgangebote

Der neue KV sei zwar schlechter, aber besser als die Alternativen, verteidigte Minhard die Verhandlungslösung, mit der auch der Rechtsstreit um den umstrittenen Betriebsübergang beigelegt wird. Die vor zwei Jahren zur Tyrolean verfrachteten AUA-Bordcrews erhalten bis Mitte Dezember ein individuelles Abfertigungsangebot, mit dem alle früheren Ansprüche abgegolten werden.

Bei lang gedienten Piloten sind das bis zu 35 Monatsgehälter, im Schnitt seien es aber nur um die 20, so Minhard. Wie viel dieser Vergleich die AUA in Summe kostet, will Minhard so wie der Vorstand nicht verraten: „Von mir erfährt das kein Mensch“, übrigens auch nicht die Mitarbeiter. Kolportiert wird ein Betrag von 100 Mio. Euro oder mehr.

Neuer KV: Längere Dienstzeiten, weniger Gehalt

Der neue KV, der ab 1. Dezember gilt, sieht zusammengefasst längere Dienstzeiten und geringere Gehälter vor. Im alten AUA-KV erreichten Kapitäne nach 17 Dienstjahren das Höchstgehalt von 13.300 Euro, die neue Gehaltstabelle endet für „Mainline“-Kapitäne nun bei 10.217 Euro im 34. Dienstjahr, für Regional-Kapitäne bei 7.500 Euro nach 23 Jahren. Flugbegleiter, die ab Dezember 2014 neu angestellt werden, erhalten im ersten Jahr 1.500 Euro und erreichen ihr Höchstgehalt von 2.100 Euro nach 12 Jahren.

Zum Vergleich: Bei Niki (flyniki) verdient ein Kapitän ab dem 8. Dienstjahr das höchstmögliche Grundgehalt von 5.885 Euro, Niki-Flugbegleiter starten mit einem Grundgehalt von 906 Euro, dass nach 6 Jahren auf 1.245 Euro steigt. Daneben gibt es bei Niki variable Gehaltsbestandteile abhängig von den geleisteten Flugstunden. Laut AUA-Angaben liegt der AUA-KV nur noch 20 Prozent über jenem von Niki.

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