Schlechtes Geschäft im Hauptbahnhof

Gut einen Monat nach der Eröffnung beklagen einige Gewerbetreibende das schlechte Geschäft am Hauptbahnhof. Auch Kündigungen waren schon notwendig. Die Hoffnungen ruhen auf dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember.

„Leere“ - das ist meist die erste Antwort der Verkäufer, wenn sie nach ihren bisherigen Erfahrungen am Hauptbahnhof gefragt werden. Diese Leere fällt auch sogleich bei einem Blick in die einzelnen Läden auf. „Bei der Eröffnung haben wir ein Bombengeschäft gemacht, jetzt geht gar nix mehr“, sagt ein Eisverkäufer. Bald nach der Eröffnung musste er bereits wieder zwei Drittel seiner Belegschaft entlassen. Täglich würden nicht mehr als ein paar hundert Kunden etwas bei den Essbuden konsumieren.

„Von 70 verkauften Würsteln kann niemand leben“

Versprochen worden seien ihnen andere Besucherzahlen. „Von 70 verkauften Würsteln pro Tag kann niemand überleben“, erklärt der Kebap-Verkäufer mit Verweis auf seinen Nachbarn. „Wenn das so weitergeht, müssen die meisten bald zusperren.“ Betroffen von der bisherigen Pleite sind anscheinend alle Geschäfte gleichermaßen: Ob Bäcker, Fast-Food-Kette, Bücherladen oder Print-Shop. Manche haben auch am Westbahnhof einen Laden, wo die Zahlen jedoch stimmen. Die Stimmung unter den Besitzern ist kollegial. Sie halten zusammen.

Positive Rückmeldungen der Fahrgäste

Alle hoffen jetzt auf den 14. Dezember. „Mit dem Fernreiseverkehr fängt es mit Sicherheit erst richtig an. Bis dahin müssen wir durchhalten“, zeigt sich ein Restaurant-Verkäufer positiv. Den Reisenden scheint der Hauptbahnhof schließlich bisher zu gefallen: „Es ist alles sehr übersichtlich. Ich bin gerade erst angekommen und konnte mich gleich gut orientieren“, erzählt eine Pensionistin. Auch eine Anrainerin zeigt sich sichtlich begeistert: „Schade, dass wir gerade jetzt umziehen.“

Mit dem Fahrplanwechsel ändert sich der Bahnverkehr in Wien grundlegend. Mit 14. Dezember werden die ICE-Verbindungen von und nach Deutschland nicht mehr zum Westbahnhof fahren. Sie rollen künftig durch den Lainzer-Tunnel direkt nach Meidling, dem Hauptbahnhof und dann weiter zum Flughafen. Auch der Autoreisezug vom Westbahnhof nach Hamburg übersiedelt zum neuen Hauptbahnhof.

Westbahnhof: Das langsame Ende des Fernverkehrs

Gleichzeitig ist der 14. Dezember auch der Anfang des Endes des Westbahnhofs. Die Railjet und Intercity-Züge aus dem Westen werden vorerst zwar bleiben, in einem Jahr wird der ÖBB-Fernverkehr am Westbahnhof dann eingestellt. Fernverkehrszüge halten dann in Wien an zwei Stationen, am Hauptbahnhof und in Meidling. Von dort können Fahrgäste auf die U6 umsteigen und so in die westlichen Bezirke zu kommen. Für lokale Wien-Pendler wird sich nichts ändern. Schnellbahnen und Regionalzüge werden auch in Zukunft den Westbahnhof ansteueren. Auch die teilprivate „Westbahn“ wird weiter vom Westbahnhof aus nach Salzburg fahren.

Änderungen gibt es ab 14. Dezember auch bei den Ticketpreisen. So beträgt die durchschnittliche Preisanpassung 1,1 Prozent, was „deutlich unter der Inflationsrate liegt“, so ÖBB-Chef Christian Kern. Billiger wird beispielsweise die Strecke Wien-Mitte nach Wien-Schwechat. Hier kostet ein Vollpreisticket künftig 2,40 statt bisher 4,10 Euro. Tiefer in die Tasche greifen müssen Kunden etwa vom Wiener Westbahnhof nach Innsbruck, statt 66,10 müssen hier 69,10 Euro bezahlt werden - mehr dazu in news.ORF.at.

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