Naschmarkt: Kein Platz mehr für Gastronomie

Gastronomie vs. Nahversorgung: Dieser Konflikt schwelt am Naschmarkt seit Jahren. Laut Marktordnung darf auf Wiener Märkten maximal ein Drittel der Stände Gastronomie beherbergen. Am Naschmarkt ist diese Rate praktisch ausgereizt.

Auf dem Naschmarkt werden derzeit 123 Marktstände betrieben. Für den täglichen Einkauf gibt es vier Bäckereien, acht Obst- und Gemüsestände, vier Fischstände, drei Fleischereien und sechs Käsestände. 38 Stände sind Gastronomiebetrieben zugewiesen. Dieser hohe Wert sorgt immer wieder für Konflikte. Was ist der Naschmarkt? Ein Markt für kulinarische Spezialitäten und Nahversorgung oder eine Lokalmeile? Nach 15 Jahren sperrte etwa die Fleischerei Radatz ihren Naschmarkt-Stand zu. Die Initiative „Rettet den Naschmarkt“ fürchtet, dass weitere Stände geschlossen werden - mehr dazu in Naschmarkt: Zu viel Tourismus und Gastronomie.

„Es kommen zu wenige Österreicher her, um einzukaufen. Es sind zu viele Touristen da, es ist nicht so wie ein richtiger Markt“, sagt der Käseverkäufer Ivan Pankow. Doch auch die Touristen beleben das Geschäft der Stände und vor allem der Gastronomen. „Wir haben rundherum Kurzparkzonen bis 22.00 Uhr. Wenn jemand einkaufen geht und sich mit jemanden in einem Lokal trifft, bekommt er einen Strafzettel. Das ist ärgerlich“, sieht der Gastronom Josef Pappas das Problem anderswo.

Standl am Naschmarkt
ORF

Die Trendwende am Naschmarkt kam zur Jahrtausendwende. Seither siedeln sich immer mehr Gastronomen am Naschmarkt an. Der historische Markt wird seither immer wieder erneuert. Derzeit werden die Rohrleitungen zwischen und unter den Ständen bearbeitet. Auch wenn sich die Sanierung im Sommer verzögerte, soll im Sommer nächsten Jahres alles plangemäß fertig sein. Der laufende Betrieb soll dabei so wenig wie möglich gestört werden. Ende November soll auch der Umbau bei der Schleifmühlbrücke fertiggestellt sein, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Noch offen ist, ob die Brücke jetzt zur Fußgängerzone wird oder nicht - mehr dazu in Schleifmühlbrücke: Doch keine Fuzo?.

Standl am Naschmarkt
ORF

Manche Besucher können sich gravierendere Veränderungen auf dem Naschmarkt vorstellen: „Ich würde mir die diskutierte Markthalle wünschen. Wenn man durchgeht und sieht, dass die Tauben auf den Nüssen sitzen und verscheucht werden, möchte ich die Ware nicht mehr kaufen“, meint Helmut Sladky aus Purkersdorf. Für eine Halle gibt es zwar Pläne, aber kein konkretes Projekt. Viele Standler können der Idee auch nur wenig abgewinnen, etwa das Naschmarkt-Urgestein Gerhard Urbanek: „Es gab schon vor über 40 Jahren die Idee, den Markt zu überdachen. Es gibt immer Architekten, die fantastische Ideen haben, die für sie Geld bringen. Da sollten sich Politiker nicht überraschen lassen.“

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