Proteste gegen „grünen“ Stadtteil

Es soll ein „Vorzeigemodell modernen Städtebaus“ werden, sagen die Grünen, die Anrainer befürchten einen „Betonklotz“. Das Urban-Gardening-Projekt „Erntelaa“ in Liesing ist der erste Baustein eines neuen grünen Stadtteils. Im Herbst soll es losgehen.

Christian Wittwer hat seit 1988 eine Gärtnerei. Er hat 40 Angestellte und ist spezialisiert auf kleine Gewächse. Die Gärtnerei befindet sich in der Meischlgasse. Direkt gegenüber soll das erste Urban-Gardening-Projekt in dem Grätzl verwirklicht werden. Das Gebäude soll über 191 Wohneinheiten verfügen. Wittwer fürchtet sich vor dem Bau. „Für uns ist das die ultimative Katastrophe. Erntelaa wird an unserer Südseite errichtet. Ein Gebäude mit Hochhauscharakter, das uns jegliches Licht wegnimmet, bedeutet Produktionseinbußen für uns“, sagt der Gärtner.

Das Projekt „Erntelaa“ in Wien-Liesing wurde allerdings bereits eingereicht. "Noch im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden“, sagt Claude Giger von der verantwortlichen Architektengruppe Mascha & Seethaler. Am Dach des zehngeschossigen Gebäudes werden Hochbeete, Gärten und Glashäuser Platz finden. Die Wohnungen werden über eine Loggia, Wasseranschluss und ein Rankgerüst verfügen. Im Erdgeschoss sollen eine Apotheke, ein Kindergarten und ein Nahversorger entstehen. Das Gebäude soll also den Brauch des Gartelns in dem Areal erhalten.

„In der Wiesen“: 7.900 neue Wohneinheiten

„Erntelaa“ ist nur das erste Projekt dieser Art in diesem Areal, wie Christoph Chorherr, Sprecher für Stadtplanung von den Grünen, erklärt. Zwischen den U-Bahn-Stationen Alterlaa und Erlaaer Straße, östlich und westlich der Trasse, genannt „In der Wiesen“, soll ein grüner Stadtteil entstehen. „Vor allem im östlichen Teil wird ein ganz großer Urban-Gardening-Schwerpunkt gesetzt“, sagt Birgit Hundstorfer von der MA 21. Es soll mit rund 1.200 Wohneinheiten der größte Urban-Gardening-Stadtteil der Welt werden.

In der Wiese Liesing Garten mit Häusern
Schreiner und Kastler
Zukunftsvision von „In der Wiesen“

Urban Gardening ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren direktem Umfeld.

„’In der Wiesen’ birgt gesamt ein Potential von 7.900 neuen Wohneinheiten. Nimmt man Atzgersdorf noch dazu können überhaupt 27.000 neue Wohneinheiten entstehen“, sagt Hundstorfer. Realisiert könne dies innerhalb der nächsten zehn Jahre werden. „Wichtig ist uns in der Planung, wie die Flächen jetzt genutzt werden, und dass in dieser Tradition weiter geplant wird.“

Anrainer fürchten Betonklotz

Doch das Projekt trifft nicht nur auf positives Echo. Im speziellen Fall von „Erntelaa“ hat sich eine Bürgerinitiative formiert - auch der Gärtner Wittwer ist Teil davon. Zu hoch, zu eng und zu ungeplant lauten ihre Vorwürfe. 800 Unterschriften haben die Anrainer und Anrainerinnen für die Petition gesammelt. Außerdem wurden wissenschaftliche Studien gegen die Errichtung erstellt und es fanden Gesprächsrunden mit Vertretern des Gemeinderats statt.

„Gebracht hat das aber nichts“, sagt der Sprecher Christoph Illnar. „Das Gebäude ist viel zu hoch und wird willkürlich in eine Siedlung von Einfamilienhäusern gebaut. Außerdem gibt es kein Verkehrskonzept und wenn die Mieter sich nicht um das Begrünen kümmern, bleibt nur ein riesiger Betonklotz.“

Plan zu Erntelaa
Mascha & Seethaler
Plan von Erntelaa

Zwei Millionen Menschen in Wien bis 2029

„Das Projekt wurde abgeändert und ist jetzt nicht mehr so hoch, wie es usprünglich geplant war“, sagt Chorherr. „Es ist ein Wohnprojekt mit leistbaren Wohnungen und direkt neben der U-Bahn verortet. Gärtnern ins Haus zu bekommen soll sich im gesamten Areal durchziehen und ein Vorzeigemodell des modernen Städtebaus werden“, fährt er fort. Und: Die Gartenbauschule Schönbrunn wird bei der Begrünung der Meischlgasse 15-17 behilflich sein.

Wien wächst und wird im Jahr 2029 Lebensmittelpunkt von rund zwei Millionen Menschen sein. Die Stadt plant daher neue Quartiere. „In sehr vielen Bezirken findet Stadtwachstum statt. Wenn wir die Wohnungen nicht in Wien bauen, siedeln sich die Bürger im Speckgürtel an. Deswegen muss leistbares Wohnen in der Stadt angeboten werden“, so Chorherr. Illnar und Wittwer jedenfalls kündigen rechtliche Schritte gegen die Errichtung von „Erntelaa“ an. Konkrete Pläne gibt es dazu jedoch noch nicht.

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