Wien Museum Architekturwettbewerb gestartet

Das Wien Museum am Karlsplatz wird generalüberholt und mit einem Zubau ausgestattet. Am Donnerstag ist dafür der Architekturwettbewerb gestartet. Noch heuer soll das Siegerprojekt feststehen. Der Spatenstich ist für 2017 geplant.

Der vom Architekten Oswald Haerdtl in den 1950er-Jahren gestaltete Bau soll umfassend neu gestaltet und erweitert werden. Was vor allem mehr Platz bedeutet: Die Nettonutzfläche wird von 6.900 auf 12.000 Quadratmeter wachsen. Der neu gewonnene Raum - der zum Teil auch unterirdisch liegen könnte - wird als zusätzliche Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Sammlungsfläche dienen. Die bestehende, großteils denkmalgeschützte Substanz des vorhandenen Gebäudes soll einbezogen werden, wurde versichert.

Karlsplatz  mit Wien Museum
ORF
„Kunstplatz-Karlsplatz“: Das Künstlerhaus urgierte die Einbeziehung des gesamten östlichen Teils des Karlsplatzes in den Architekturwettbewerb

Siegerprojekt bis Ende 2015

„Es handelt sich um den bisher größten bedeutenden Wiener Kulturneubau im 21. Jahrhundert“, verwies Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) auf die Dimensionen des Projekts. Der zweistufige Architekturwettbewerb werde offen und anonym durchgeführt. Einreichungen sind bis Mai möglich, die besten Entwürfe werden dann für eine zweite Stufe ausgewählt. Das Siegerprojekt soll Ende 2015 feststehen.

Das Wien Museum

Eröffnet wurde das Museum am Karlsplatz am 23. April 1959. Mit dem Bau des Gebäudes erhielt das bereits Jahrzehnte davor gegründete „Historische Museum der Stadt Wien“ eine fixe Heimstätte. Heute ist das von Oskar Haerdtl geplante Haus denkmalgeschützt. Das Museum bespielt auch mehrere Dependancen wie die Hermesvilla und das Haydnhaus.

In der Jury sitzen unter anderem österreichische und internationale Architekten, wobei der Chef aus der Schweiz kommt: Emanuel Christ (Christ & Gantenbein Architects, Zürich) übernimmt den Vorsitz. Seine Stellvertreterin ist die Wiener Architektin Elke Delugan-Meissl. Christ sprach am Donnerstag von einer „absoluten Triple-A-Aufgabe“. Inhaltlich gehe das Projekt weit über Architektur hinaus.

Spatenstich in zwei Jahren

Wiederholt wurde bei der Präsentation auf das Konzept der Erneuerung vorhandener Stadtstrukturen („Urban Renewal“) verwiesen. Denn: Auch die unmittelbare Umgebung soll mit einbezogen werden. Freiraumplanung gehöre fix zum Wien Museum neu, betonte der Finanzdirektor des Hauses, Christian Kircher. Wichtig sei die Gestaltung des Übergangs vom Außen- in den Innenbereich, der sich durch größtmögliche Offenheit auszeichnen soll. So ist laut Kircher etwa ein „Wien-Raum“ im Museum geplant. Er soll frei zugänglich sein und etwa als Leseraum zur Verfügung stehen. Auch eigene Kinderbereiche sind in Planung.

Nach Abschluss des Wettbewerbs, der von einer eigenen „Wien Museum Projekt GmbH“ ausgelobt wird, findet ein weiterer Wettbewerb statt - der das benachbarte Haus der Zürich Versicherung, die ihren Sitz ebenfalls umgestaltet, betrifft. Die beiden Ergebnisse werden dann als Grundlage für das Flächenwidmungsverfahren herangezogen, das 2016 stattfinden wird. Für 2017 ist der Spatenstich anvisiert.

Haupthaus schließt von 2017 bis 2020

Anschließend wird das Haupthaus (etwa ab der zweiten Jahreshälfte 2017, Anm.) bis 2020 geschlossen. Was laut Direktor Wolfgang Kos und seinem Nachfolger Matti Bunzl aber nicht bedeutet, dass es in dieser Zeit kein Programm gibt. Angedacht ist etwa, Highlights der Museumssammlung „on tour“ in die Ferne, also zum Beispiel in die USA oder Japan, zu schicken. In Wien sollen neue Orte - die auch am Stadtrand liegen können - bespielt werden.

Eher keine Option für ein gemeinsames Vorgehen ist offenbar das benachbarte Künstlerhaus. Dieses hatte zuletzt für eine „Gesamtlösung für den Kunstplatz-Karlsplatz“ votiert. Kulturstadtrat Mailath-Pokorny zeigte sich skeptisch: „Das Künstlerhaus ist das Künstlerhaus, das Wien Museum ist das Wien Museum. Mir sind keine Konzepte bekannt, die dieses Vorgehen rechtfertigen würden.“ Finanzchef Kircher erinnerte an frühere Gastspiele im Künstlerhaus. Platzbedarf werde es aber nach der Eröffnung des neuen Hauses für das Wien Museum wohl nicht mehr geben, gab er zu bedenken.

Künstlerhaus urgiert Gesamtlösung

Das Künstlerhaus urgierte die Einbeziehung des gesamten östlichen Teils des Karlsplatzes in den Architekturwettbewerb. „Wenn nicht über Nacht bei den Jurymitgliedern und beim Stadtrat Mut zu Innovation und Gestaltungswillen einkehrt, wird es wieder nur eine blutarme Lösung geben“, sagte Beppo Mauhart am Dienstag.

Mauhart, ehemaliger Austria Tabak-Generaldirektor und ÖFB-Präsident, ist Präsident der Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus (WINK) und kämpft seit Jahren für Renovierung und Erhaltung des 1868 erbauten Gebäudes, das im Besitz des rund 500 Mitglieder zählenden Vereins „Künstlerhaus, Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs“ ist. Insgesamt habe WINK bisher 2,5 Mio. Euro erwirtschaftet, sagte Mauhart bei einem Pressegespräch. „Die Übersiedelung des Stadtkinos ins Künstlerhaus wäre etwa ohne uns nicht realisierbar gewesen.“

Vor drei Jahren wurde eine Verwertung durch Privatinvestoren als denkbare Variante ins Spiel gebracht. Ehe der Verein konkrete Pläne für die Zukunft der Immobilie entwickelt, deren Sanierungskosten laut einer von Martin Medek (Vienna Consulting Engineers) durchgeführten Studie zwischen 21 und 25 Mio. Euro geschätzt werden (für die dringend notwendige Dach-Sanierung hofft man auf Unterstützung der öffentlichen Hand), gebe es nun jedoch „die letzte Chance“ für eine Gesamtlösung für den Kunstplatz Karlsplatz.

„Das Entscheidende ist der politische Wille“

„Wichtig ist den Geist freizumachen für Visionen und Bedürfnisse“, betonte Künstlerhaus-Präsident Michael Pilz. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, versicherte Mauhart, der einräumte: „Es gibt aber genug Indizien, dass die Politik nicht an Lösungen umfassender Art interessiert ist.“ Dann bleibe nur noch öffentlicher Druck und ein Aufruf an die sich beteiligenden Architekten, „selbst Visionen einer großstädtischen Lösung zu entwickeln und zu enge Grenzen einer Ausschreibung zu überwinden“.

„Das Entscheidende ist der politische Wille, etwas Großes zu machen. Es ist nie das Geld. Die Ringstraße ist das beste Beispiel dafür.“ Auch das „Haus der Geschichte“, für das Mauhart das Künstlerhaus als „ein attraktiver Standort“ gesehen hätte, zeige dies: „Jetzt wird es auf Kosten eines anderen Museums gemacht. Es muss also den Willen geben.“

Temporäre Ausstellungsfläche im Künstlerhaus

Seit Jahren war das Wien Museum als möglicher Partner des Künstlerhauses im Gespräch gewesen. Sowohl die Entscheidung für die Beibehaltung des Standorts Karlsplatz als auch die „erfrischend unkonventionelle“ Personalentscheidung für Matti Bunzl als künftigen Direktor wird im Künstlerhaus begrüßt, doch die Gespräche hätten keine wirkliche Perspektive gebracht. Bunzl habe offenbar andere Prioritäten.

Zwar gibt WINK zu Bedenken, dass die Nutzung des Künstlerhauses „als zunächst temporäres Ausstellungshaus für das Wien Museum“ für die Umbauphase „die Kontinuität des Ausstellungsbetriebes und die Präsenz des Wien Museums am Standort erhalten“ würde und „die Mittel, die das Wien Museum in jedem Fall für ein Ersatzquartier einsetzen muss, nachhaltig in die Substanz des Künstlerhauses investiert werden können“. Dies sei aber „keine Zukunftslösung“, so Mauhart: „Eine zizerlweise Adaptierung des Platzes und auf Zeit begrenzte Lösungen bringen dem Standort nichts und dem Künstlerhaus zu wenig.“

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