Josefstädter Straße: „Kioske müssen weg“

Die Josefstadt und Ottakring wollen den Platz um die Station Josefstädter Straße noch heuer umgestalten. Laut der Josefstädter ÖVP-Bezirksvorsteherin Veronika Mickel „müssen vor allem die Kioske weg“. Deren Betreiber wissen davon aber noch nichts.

Selten ähneln sich die Menschen rund um die U-Bahnstation Josefstädter Straße so sehr wie am Sonntag in der Früh. Vor dem Tageszentrum JOSI steht eine Traube obdachloser Männer, der Tag hat für sie längst begonnen. Wenige Meter entfernt, direkt vor dem Eingang zur U-Bahnstation, noch eine Gruppe Männer. Sie macht den Anschein, der Drogenszene anzugehören. Und noch ein Stück weiter stehen an zwei Kebabständen wiederum ein paar Männer, die noch vom Vortag übrig geblieben zu sein scheinen.

Umgestaltungskonzept um 30.000 Euro

Die Gegend rund um die Station Josefstädter Straße soll sich bald ändern. Das haben sich die Vorsteher der Bezirke Ottakring und der Josefstadt vorgenommen. Ein Planungsbüro sei für ein 30.000-Euro-Honorar bereits mit der Umgestaltung beauftragt worden. Bis April soll ein Konzept vorliegen. Darin soll sowohl eine neue Bepflasterung als auch mehr Grünflächen rund um die U-Bahnstation enthalten sein, heißt es aus der Josefstädter Bezirksvorstehung.

Eine der Auftraggeberinnen und ÖVP-Bezirksvorsteherin der Josefstadt, Veronika Mickel, hat sich dabei vor allem auf die beiden Kebabstände direkt neben den Straßenbahnstationen eingeschossen: „Diese stellen derzeit eine Barriere dar zwischen den Straßenbahnen und dem U-Bahn-Aufgang. Die müssen weg - das ist ganz klar“, sagt sie im Gespräch mit wien.ORF.at.

Bloß wissen die zwei Betreiber der betroffenen Kioske von den Umgestaltungsplänen und dem ihnen drohenden jähen Ende nichts. Auf die Veränderungen ihres unmittelbaren Arbeitsplatzes angesprochen, schütteln sie unisono unwissend den Kopf und beteuern, bislang nicht informiert worden zu sein. Namentlich wollen sie aber nicht genannt werden.

Mickel: Engstelle „entfernen“

Die Frage, ob den Kioskbetreibern eine Alternative angeboten werde, sei „keine, die ich mir stelle“, sagt Mickel. Das Marktamt könne die Genehmigung rechtlich widerrufen, wenn der öffentliche Raum neu gestaltet werde. Eine Million Euro werde dies kosten, schätzt die Bezirksvorsteherin. Mickel hofft auf die finanzielle Unterstützung der Stadt Wien und auf Gelder aus dem Fördertopf der Europäischen Union. Bis zum Ende dieses Jahres soll der Umbau fertig sein.

Dass sich seit der Umgestaltung des Karlsplatzes verstärkt Suchtkranke vor der U-Bahnstation Josefstädter Straße treffen, sei eine problematische Situation, die jedoch „stabil“ sei, wie es Mickel nennt. „Wir müssen uns der sozialen Frage widmen und schauen, dass diese Engstelle im öffentlichen Raum entfernt wird“, sagt sie in Bezug auf die beiden Essensstände.

Mickel: „Suchtkranke immer in Bewegung“

Szenen wie am Sonntagvormittag seien jedenfalls völlig ungefährlich, sagt der Leiter des Josefstädter Polizeieinsatzkommandos, Michael Holzgruber: „Die Suchtmittelszene bleibt unter sich. Für den Normalverbraucher besteht aus unserer Sicht keine Gefahr“. Es komme aber vor, dass sich die Menschen unwohl fühlten, sagt Mickel, „vor allem durch dieses Nadelöhr im Bereich der Kioske kommt es zu Begegnungen, die ein Unbehagen auslösen.“

Von nicht näher definierten Experten würde der Bezirksvorsteherin außerdem erklärt, dass es sich bei den suchtkranken Menschen um „eine Gruppe handelt, die immer in Bewegung ist und das betrifft immer wieder unterschiedliche Stationen der U6.“ Verschwinden die Kebabstände, verschwinden mit ihnen womöglich auch die Suchtkranken. Ein Zusammenhang bestehe aber nicht, beteuert Mickel.

Stefanie Leodolter, wien.ORF.at

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