Naschmarkt: Weiter Wirbel um Gastronomie

Gibt es am Naschmarkt zu viel Gastronomie? Diese Frage sorgt weiter für hitzige Debatten. Die stellvertretende Bezirkschefin von Mariahilf, Susanne Jerusalem (Grüne), fordert eine Änderung der Marktordnung. Die Stadt winkt aber ab.

Es geht ums Geld - auch am Naschmarkt. Jerusalem kritisiert vor allem das Ablösesystem der Markstände: „Wenn jemand den Stand aufgibt, dann darf er sich einen Nachfolger selber aussuchen und eine Ablöse in beliebiger Höhe verlangen.“ Damit würden jene den Stand bekommen, die das meiste Geld auf den Tisch legen - und mit einem Lokal lasse sich eben mehr Geld verdienen, als mit einem Gemüsestand. Jerusalem fordert deshalb „eine Änderung der Marktordnung“, es müsse etwa das Weitergaberecht wieder aus dem Gesetz verschwinden.

Im Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) hält man davon aber nichts. Denn durch die Ablöse würden die Standler ihre Investitionskosten wieder zurückbekommen. Generell passe der Angebotsmix am Markt, heißt es aus dem Büro der Stadträtin.

Falafel, Lederhosen und Wien-Souvenirs

Das Angebot am Naschmarkt reicht von Falafel, über Lederhosen für kleine Buben, bis zur Schneekugel mit Wien-Motiv. Dazwischen wollen zahlreiche Lokale die Besucherinnen und Besucher des Marktes anlocken. Derzeit gibt es am Naschmarkt 123 Stände, 38 davon - und damit wie in der Marktordnung vorgesehen genau ein Drittel - sind Gastrobetriebe. Somit ist die Zahl laut Frauenberger ausgeschöpft, neue Gastrolizenzen kann es erst geben, wenn ein bestehendes Lokal zusperrt.

Meistbesuchter Wiener Markt
Der Naschmarkt wird wöchentlich durchschnittlich von 64.350 Menschen besucht.

Dass der Naschmarkt in manchen Bereichen dennoch mehr an Ess- und Trinkmeile als an einen klassischen Markt erinnert, liegt daran, dass jedes Standl acht sogenannte „Verabreichungsplätze“ haben darf. Bei den Wienerinnen und Wienern sorgt das für gemischte Reaktionen. „Es ist eine reine Fressmeile, zum Einkaufen geht man gar nicht mehr her“, sagt eine Marktbesucherin. Eine junge Mutter hingegen meint: „Ich fühle mich sehr wohl da, es ist beides vorhanden“.

Keine Auskunft über Anzahl der Anzeigen

Auch Peter Jaschke beschäftigt die Entwicklung des über 100 Jahre alten Marktes. Er hat deshalb die Initiative „Rettet den Naschmarkt“ ins Leben gerufen und selbst nachgemessen. „Ich komme aktuell auf 38 Prozent Gastrofläche“, sagt Jaschke.

Mehr als die erlaubten 33 Prozent seien es nicht, sagt Alexander Hengl vom zuständigen Wiener Marktservice. Gleichzeitig räumt er ein: „Gerade bei Schönwetter oder am Freitagnachmittag oder am Samstag wird es sehr gerne gemacht, dass immer wieder ein Tischerl mehr auftaucht, als eigentlich erlaubt ist“. Laut Hengl kommt es auch immer wieder zu Anzeigen, wie viele es im Vorjahr gegen Gastronomiebetriebe auf dem Naschmarkt gegeben hat, will er aber trotz Nachfrage nicht sagen.

„Und heute schreien alle, es ist zu viel Gastronomie“

Und was sagt eine Standlerin zum Vorwurf, dass die Gastronomie Überhand hat? Martina Himmelsbach verkauft in dritter Generation Gemüse am Naschmarkt: „Das ist eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite, als es dem Markt vor zwanzig Jahren nicht gut gegangen ist, hat man die Gastronomie gefördert um den Markt zu beleben. Und heute schreien alle, es ist zu viel Gastronomie. Das Andere ist, dass ich einmal so sagen will, Obst und Gemüse ist kein leichter Job….“

Hubert Kickinger, wien.ORF.at

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