Neue U5 fährt vollautomatisch

Mit der neuen U5 wird in Wien ein neues U-Bahn-Zeitalter anbrechen. Sie wird Wiens erste vollautomatische U-Bahn-Linie sein, ähnlich bereits bestehenden Systemen etwa in Paris und Barcelona. Ein Fahrer wird nicht mehr mit an Bord sein.

Damit das neue System umgesetzt werden kann, müsse man auch in der Stationsgestaltung neue Wege gehen, kündigten die zuständige Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) und Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer an. So wird es an den Bahnsteigkanten Türen geben, die sich nur dann öffnen, wenn ein Zug in der Haltestelle steht. Laut Steinbauer werden weltweit bereits 80 bis 90 Prozent aller Metro-Neubaustrecken als vollautomatische Linien gebaut.

Das erste Teilstück der U5 soll 2023 in Betrieb gehen. Die U5 wird ab 2023 zwischen Karlsplatz und Altem AKH unterwegs sein, wobei als Trasse zum größten Teil die jetzige U2-Strecke dient. Dieser bereits bestehende Teilabschnitt muss also nachgerüstet werden. Ab 2025 soll die U5 über den Gürtel bis zum Elterleinplatz in Hernals fahren.

Bis zu 45 neue U-Bahn-Züge

Bereits in Kürze soll die europaweite Ausschreibung für die Anschaffung der nächsten U-Bahn-Generation starten, der Bestbieter soll Ende 2016 ermittelt sein. Bis zu 45 Bahnzüge sollen neu angeschafft werden. Neben neuester Technik spielen laut Wiener Linien Kritierien wie Wirtschaftlichkeit, Fahrgastkomfort, Barrierefreiheit und Sicherheit eine wichtige Rolle.

Die neuen Fahrzeuge ersetzen 24 alte „Silberpfeil“-Züge und bedeuten darüber hinaus die notwendige Vergrößerung des Fuhrparks für das wachsende U-Bahn-Netz. Die neuen Züge werden künftig nicht nur auf der U5 im vollautomatischen Betrieb, sondern auch auf den Linien U1 bis U4 unterwegs sein - dort aber wie gewohnt mit Fahrpersonal. Die künftigen Züge werden durchgängig begehbar und barrierefrei zugänglich sein sowie mit Klimatisierung, Videoüberwachung und moderner Fahrgastinformation ausgestattet sein. Nach derzeitigem Stand könnte schon 2018/2019 der erste Zug für Testfahrten im Einsatz sein.

Gewerkschaft ist nicht begeistert

Brauner versprach, dass es keine Personalkürzungen geben werde. Fahrer, die nicht benötigt würden, sollen umgeschult werden und das Serviceteam der Wiener Linien verstärken. „Ich halte eine solche Innovation in Zeiten von 400.000 Arbeitslosen im Land für schwerst entbehrlich“, ärgerte sich Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida. Er sprach von einer „interessanten Botschaft, die von der Sozialdemokratie da hinausposaunt wird“. Das Versprechen, trotz Automatisierung kein Personal abzubauen, kann den Gewerkschafter offenbar nicht beruhigen: „Ja, aber warum macht man’s dann überhaupt?“

Verlauf U5
APA/Margret Schmitt

„Wir können das grundsätzlich mittragen“, sagte Wiener-Linien-Betriebsratschef Michael Bauer am Dienstag der APA. Denn es gebe vom Unternehmen die fixe Zusage, dass hier keine Arbeitsplätze vernichtet würden. „Wir haben das eingefordert“, so Bauer. Der Betriebsrat sei auch in die Vorbereitungsgespräche eingebunden gewesen. Bauer geht sogar davon aus, dass durch die Automatisierung mehr anstatt weniger Personal gebraucht werden wird.

Vollautomatischer Betrieb ist aktueller Stand

Ein vollautomatischer U-Bahn-Betrieb, also ohne Fahrpersonal im Fahrerstand, ist im U-Bahn-Bau heute Stand der Technik. Viele Städte, unter anderem Nürnberg, Lille, Singapur, Dubai, Barcelona, Paris, Kopenhagen, Lyon, London und Budapest, nutzen bereits diese Form des Betriebes. Ein besseres Störungsmanagement, kürzere Intervalle und höhere Leistungsfähigkeit sowie leichteres Einhalten der Fahrpläne sind die großen Vorteile dieser Betriebsart.

Die Bahnsteige der U5 werden mit Bahnsteigtüren ausgestattet sein, die zusätzlich auch zur Sicherheit beitragen. So verhindern sie etwa das Betreten der Gleise und vermeiden dadurch Störungen, von denen viele Fahrgäste betroffen sind. Ob auch bestehende U-Bahn-Strecken mittelfristig umgerüstet werden, steht noch nicht fest. Das müsse man bei Großsanierungen von Fall zu Fall entscheiden, so Steinbauer.

Stationen entlang U2 werden umgerüstet

Die bestehenden Stationen (Rathaus, Volkstheater, MuseumsQuartier und Karlsplatz) werden mit Bahnsteigtüren nachgerüstet und die Neubaustation beim Frankhplatz sowie alle weiteren künftigen Stationen der U5 entsprechend den technischen Erfordernissen der Bahnsteigtüren gebaut. Über kabellose Verbindungen (z. B. WLAN) werden die vollautomatisch betriebenen Züge mit der Leitstelle in Erdberg kommunizieren.

Videoüberwachung mit Live-Aufschaltungsmöglichkeiten, Sprechverbindungen direkt in den Zug und ein eigener Liniensupervisor in der Leitstelle werden den künftigen vollautomatischen U-Bahn-Betrieb ergänzen. Fahrgäste können wie bisher über den Notruf mit den Wiener Linien in Kontakt treten, sie werden künftig in die Leitstelle verbunden, von wo aus zum Beispiel Rettungskräfte bei der Erkrankung von Fahrgästen benachrichtigt werden und das Störungsmanagement koordiniert wird.

Brauner hatte den Bau der Linie U5 bei der SPÖ-Klubtagung in Rust im Jahr 2014 bekanntgegeben. Die U5 sei „notwendig für Wien“ - mehr dazu in Wien bekommt eine U5.

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